RÜCKSCHLAG: In Gaiserwald freut man sich über Boris Tschirkys Niederlage

Die Wahlniederlage von Gemeindepräsident Boris Tschirky wird in Gaiserwald mit Erleichterung quittiert. Auch wenn die Vorarbeit für einen Neustart nun hinfällig wird.

Noemi Heule
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Zurück an den Start: Boris Tschirky - hier im SRF-Interview - waltet nach seiner Wahlniederlage wie gehabt als Gemeindepräsident von Gaiserwald.

Zurück an den Start: Boris Tschirky - hier im SRF-Interview - waltet nach seiner Wahlniederlage wie gehabt als Gemeindepräsident von Gaiserwald.

Des einen Leid, des andern Freud. Mit dieser Binsenweisheit lässt sich die momentane Stimmungslage in Gaiserwald umreissen. Denn die Wahlniederlage von Boris Tschirky (CVP), der den Kampf um den Sitz im St. Galler Stadtrat klar gegen Konkurrentin Sonja Lüthi (GLP) verloren hat, löst auf der anderen Seite der Sitter vor allem eines aus: Erleichterung. Damit bleibt Boris Tschirky der Gemeinde als Präsident erhalten. Gemeinderat und Parteien sprechen denn auch von einem «Glücksfall für Gaiserwald», wenn auch persönliches Bedauern mitschwinge.

«Mit zwei Herzen in der Brust», verfolgte etwa Michael Schwizer die Wahl im St. Galler Waaghaus. Er stand der Findungskommission vor, die über die Parteigrenzen hinweg bereits die Tschirkys Nachfolge aufgleiste. «St. Gallen hat etwas verpasst, Gaiserwald hatte Glück», fasst Schwizer das Wahlergebnis zusammen. So oder so war die Findungskommission für jeden Wahlausgang gewappnet. Der Terminplan für die Suche nach einem Nachfolger war festgelegt, erste Vorgespräche geführt und ein Inserat fixfertig in der Pipeline. «Nur ein Knopfdruck entfernt» war denn auch der Startschuss für einen Neubeginn in Gaiserwald. Nun bleibt alles beim Alten.

Lobeshymnen nach Wahlfiasko

Viele Stunden Vorarbeit werden damit hinfällig. «A fonds perdu», wie Schwizer sagt. Nun werde das Dossier geschlossen. Zumindest vorerst. Ambitionen auf höhere politische Ämter werden Tschirky seit Amtsbeginn im Jahr 2012 nachgesagt. Anfang 2016 wurde er auf Anhieb in den Kantonsrat gewählt, seit einem Jahr präsidiert er die Vereinigung der St. Galler Gemeindepräsidenten. Zum ersten Mal muss Tschirky, lange vom Erfolg verwöhnt, einen Rückschlag hinnehmen. Schwizer möchte sich nicht auf Spekulationen einlassen. «Wir rechnen damit, dass Boris Tschirky noch einen Moment bleibt.» Sollte sich die politische Lage verändern, werden die Parteien die Situation neu beurteilen.

Die Gaiserwalder lassen es sich nicht nehmen, ihren Gemeindepräsidenten nach dem Wahlfiasko mit Lobeshymnen aufzubauen. Michael Schwizer preist die Zusammenarbeit mit Tschirky als Mensch und Gemeindepräsident. Der Gemeinderat begrüsse es, «dass Boris Tschirky auch in Zukunft mit all seiner Erfahrung, seiner Persönlichkeit und seinem Wissen zur positiven Entwicklung der Gemeinde beitragen kann», heisst es in einer Stellungnahme. Bruno Stump, ehemaliger Präsident der SVP-Ortspartei, lobt seine «engagierte Persönlichkeit und publikumsnahe Art». Sie alle sind sich einig: Für Gaiserwald geht es nun weiter wie gehabt.

Nahtlos weiter geht es auch für Boris Tschirky, der vor seiner gestrigen Sitzung im Kantonsrat bereits im Büro vorbeischaute. Für ihn falle nun einzig die Doppelbelastung zwischen Amt und Wahlkampf weg. Nach wie vor sei er «mit Leib und Seele» Gemeindepräsident, wie er betont. Seine Motivation habe er nie verloren, dennoch sporne ihn das positive Echo aus Gaiserwald weiter an. Für die Zukunft steckt sich Boris Tschirky vorerst andere Ziele: In der Gemeinde stehen im kommenden Jahr der Bau und Bezug der beiden Alters- und Pflegezentren in Engelburg und Abtwil an.