Rückkehr zur Einfamilienhauszone

Der Druck aus den Einfamilienhaus-Quartieren ist zu gross geworden: Der Stadtrat will die Bauordnung und den Zonenplan ändern und wieder eine Art Einfamilienhauszone einführen.

Elisabeth Reisp
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Die alte Bauordnung der Stadt St. Gallen kannte noch eine «Bauklasse für Ein- und Zweifamilienhäuser». In dieser Bauklasse E2 waren nur Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Doppeleinfamilienhäuser zulässig. Mit der 2006 eingeführten neuen Bauordnung fiel diese Klasse im Sinne der Verdichtens weg. Sehr zum Ärger von Anwohnern der Einfamilienhausquartiere. Denn mit dem Wegfall dieses Schutzes war es plötzlich möglich, auf demselben Grundstück Mehrfamilienhäuser mit mehr als zwei Wohnungen zu bauen.

Dies soll sich nun ändern: Der Stadtrat beantragt dem Stadtparlament eine Änderung des Zonenplans und der Bauordnung. Es soll eine Wohnzone eingeführt werden, die besondere Anforderungen und Schutz von Einfamilienhausquartieren umfasst.

Bauten wie Fremdkörper

Die Beschränkung auf zwei Wohnungen pro Gebäude hatte gemäss Vorlage des Stadtrates dazu geführt, dass mit der Aufhebung der Bauklasse E2 in bestimmten Gebieten ein Druck zur höheren Auslastung spürbar wurde. Einfamilienhäuser wurden durch kleine Mehrfamilienhäuser ersetzt. Die so entstandenen Bauten hätten mit ihrem grossen Volumen zwischen den Einfamilienhäusern wie Fremdkörper gestört. Entsprechende Bauprojekte seien in mehreren Fällen massiv mit Einsprachen blockiert worden. Woraufhin eine Motion «Rückkehr zur Einfamilienhauszone» im Stadtparlament für erheblich erklärt wurde.

Im Dezember 2010 hatte der Stadtrat einer Änderung von Bauordnung und Zonenplan zugestimmt. Während der öffentlichen Auflage sind 20 Einsprachen dagegen eingegangen. Zwei Einsprachen wurden im Verlaufe des Verfahrens zurückgezogen. Die Mehrheit der Einsprecher befürchtet eine massive Einschränkung der Nutzungsmöglichkeiten. Was einer erheblichen Wertminderung gleichkommt.

Eine Einsprache aus dem Gebiet Heiden-Nord hat der Stadtrat gutgeheissen. Eine gesonderte Behandlung dieses Gebiets hätte sich nicht mehr rechtfertigen lassen, heisst es in der Vorlage. Eine grössere Überbauung hatte in der Zwischenzeit bereits zu einer wesentlichen Veränderung des Gebietes geführt.

Verdichten bleibt möglich

Nicht alle Gebiete der ehemaligen Bauklasse E2 werden von dieser Änderung der Bauordnung profitieren können. In Gebieten, in denen durchaus eine Verdichtung möglich ist, soll diese Verdichtung erlaubt werden. Andererseits aber sollen Einfamilienhausgebiete, deren Qualität einen gewissen Schutz rechtfertigt, wieder entsprechend behandelt werden.

Für Gebiete, in denen eine Erstellung von Mehrfamilienhäusern unter Umständen möglich ist, wird ein neuer Artikel Wohnzonen mit besonderen Anforderungen in der Bauordnung geschaffen.

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