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RÜCKBLICK: Nach der Nichtwahl in der Stadt St.Gallen: Boris Tschirky will weiterhin kein «Kind von Traurigkeit» sein

Statt im St.Galler Rathaus geht er drei Monate nach der Wahlniederlage wie gehabt im Gaiserwalder Gemeindehaus ein und aus. Boris Tschirky über Trostpflaster, die Favoritenrolle und gestutzte Flügel. Und 2020 will der CVPler erneut in Gaiserwald fürs Gemeindepräsidium kandidieren.
Noemi Heule
Das Gemeindehaus von Gaiserwald bleibt Arbeitsort von Boris Tschirky. (Bild: Benjamin Manser)

Das Gemeindehaus von Gaiserwald bleibt Arbeitsort von Boris Tschirky. (Bild: Benjamin Manser)

Noemi Heule

noemi.heule@tagblatt.ch

Er ist Gemeindepräsident, Kantonsrat und Präsident der Gemeindepräsidenten des Kantons. In den St. Galler Stadtrat aber schaffte es Boris Tschirky nicht. Im Rennen um die Nachfolge von Nino Cozzio scheiterte er Ende November an GLP-Kandidatin Sonja Lüthi. Ein Blick zurück und einer nach vorn.

Herr Tschirky, einen Tag nach Ihrer Wahlniederlage sassen Sie wieder am Schreibtisch im Gaiserwalder Gemeindehaus. Konnten Sie nahtlos zum Tagesgeschäft übergehen?

Ich war ja nie weg vom Alltagsgeschäft. Der Wahlkampf kam einfach zusätzlich dazu, an Abendveranstaltungen oder am Wochenende. Das Amt des Gemeindepräsidenten hatte aber immer Priorität.

Anders gefragt: Hatten Sie überhaupt Zeit, Wahltag und Wahlkampf Revue passieren zu lassen?

Viel Zeit nahm das nicht in Anspruch. Bei Wahlen gibt es ohnehin nur schwarz oder weiss, gewählt oder nicht gewählt. Das muss man ohne Emotionen zur Kenntnis nehmen. Schliesslich zählt in einer Demokratie nur der Wille der Wählerinnen und Wähler.

Sie wurden 2016 auf Anhieb in den Kantonsrat gewählt, sind Präsident der St. Galler Gemeindepräsidenten (VSGP). Wie gehen Sie, lange vom Erfolg verwöhnt, mit diesem Rückschlag um?

Ich sehe das weder als Rückschlag, noch war ich vom Erfolg verwöhnt. Wahlen sind Möglichkeiten, die man wahrnehmen kann. 2016 ging die Rechnung auf, 2017 nicht. Der Sitz im Kantonsrat war übrigens Voraussetzung für das Präsidium der VSGP. Beides hing also miteinander zusammen.

Lange galten Sie als Kronfavorit für den freien Sitz im Stadtrat, wie erklären Sie sich die Kehrtwende?

Wenn man als Kronfavorit kolportiert wird, kann man nur verlieren; es ist ein Ritt auf der Rasierklinge. Während der Mitbewerber oder die Mitbewerberin vom Überraschungseffekt profitiert, kann der Favorit höchstens die Erwartungen erfüllen.

Sie sprechen vom Überraschungseffekt. Waren Sie selbst überrascht von Mitbewerberin Sonja Lüthi?

Nein, ich bin Realist. In der Sitzverteilung im Stadtparlament ist die rot-grüne Mehrheit offensichtlich. Es durfte deshalb nicht überraschen, dass sich diese auch in den Wahlen für ein Exekutivamt niederschlägt.

Die CVP dreht sich in einer Abwärtsspirale. Haben Sie auf die falsche Partei gesetzt?

Die CVP repräsentiert meine Vorstellungen und Werte. Das Umfeld hat sich aber weiterentwickelt. Das politische Milieu, in dem sich die CVP lange bewegte, gibt es so nicht mehr. Nun braucht es Ideen, wie sich die Partei in Zukunft präsentieren will.

Ein Kandidat aus dem «Speckgürtel», habe in der Stadt nichts verloren, hiess es. Sind Sie über den Stadt-Land-Graben gestolpert?

Es ist immer gefährlich, Gräben aufzutun. Lieber sollte man gemeinsam Lösungen finden. Schliesslich gibt es gerade für Gaiserwald viele Schnittstellen mit der Stadt, etwa im Verkehr.

Die Ortsparteien haben sich nach der Wahlniederlage in einem Inserat gemeinsam für Sie ausgesprochen, sprachen von einem «Glücksfall» für die Gemeinde. War diese Geste Trostpflaster genug?

Das hat mich natürlich sehr gefreut; es zeigte Anerkennung für die geleistete Arbeit und Wertschätzung gegenüber der Person. Trösten musste mich aber niemand. Ich bin kein Kind der Traurigkeit, sondern Optimist. Vieles lässt sich so einfacher annehmen.

Nach wie vor werden Ihnen politische Ambitionen nachgesagt. Wo sehen Sie sich in Zukunft?

Als Gemeindepräsident von Gaiserwald.

Der Regierungsrat ist kein Thema? Oder sind Ihre Flügel nun gestutzt?

Das hat mit Flügel stutzen nichts zu tun. Ich möchte mich nicht auf ein Amt fixieren. Was sich irgendwann ergeben könnte, das ist Kaffeesatzlesen. Nach wie vor ist meine Motivation sehr gross für jene Funktionen, die ich tatsächlich ausführe.

Dann lassen Sie sich bei den nächsten Wahlen in Gaiserwald 2020 wieder aufstellen?

Auf jeden Fall. Die Zyklen von vier Jahren vergehen schnell. Als Gemeindepräsident engagiert man sich ja nicht nur im Hier und Jetzt, sondern auf die Zukunft ausgerichtet.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Gaiserwald?

Kurzfristig steht die Einweihung der Alters- und Pflegezentren an, im Oktober in Engelburg, um die Jahreswende 2019/2020 in Abtwil. Längerfristig ist der Richtplan ein Thema, der in den nächsten 20 Jahren als Kompass dient. Immer im Fokus ist eine nachhaltige Finanzpolitik, damit der Steuerfuss keine Sprünge macht.

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