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RUCKHALDE: St.Galler Heimatschutz will engste Zahnradkurve der Welt bewahren

Der Heimatschutz wehrt sich gegen die Pläne der Stadt, nach der Eröffnung des Ruckhaldetunnels die alte Zugstrecke zurückzubauen. Der pionierhafte Rank müsse erhalten bleiben. Aus Sicht der Stadt gibt es bei dieser Idee jedoch mehrere Fragezeichen.
David Gadze
Der Ruckhalderank ist die engste Zahnrad-Kurve der Welt. Der Heimatschutz will ihn erhalten. (Bild: Benjamin Manser und Ralph Ribi (11. Januar 2017))

Der Ruckhalderank ist die engste Zahnrad-Kurve der Welt. Der Heimatschutz will ihn erhalten. (Bild: Benjamin Manser und Ralph Ribi (11. Januar 2017))

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Noch ist die Ruckhalde eine Grossbaustelle. Am Hang unterhalb des Riethüsli wird bis kommenden Oktober der neue Tunnel der Appenzeller Bahnen fertiggestellt. Ab dann wird das Gaiserbähnli nicht mehr den Hang hinauf und hinunter klettern, sondern durch den Ruckhaldetunnel fahren – und Appenzell via St.Gallen direkt mit Trogen verbinden. Und in absehbarer Zukunft dürfte die Ruckhalde erneut zur Grossbaustelle werden. Denn mit dem Wegfall der alten Zugstrecke gewinnt die Stadt wertvolles Bauland. Ihr gehört der grösste Teil der heute freistehenden Fläche zwischen der Grünhaldenstrasse und den Häusern am Hang zur Hochwachtstrasse.

Die engste Zahnradkurve der Welt

In einem ersten Schritt werden die alten Gleise zurückgebaut. Entlang des Trassees plant die Stadt einen Fussgänger- und Veloweg. Zuletzt wurden aber immer häufiger Stimmen laut, die einen Erhalt des Ruckhalderanks forderten. Denn dieser ist mit einem Radius von 30 Metern die engste Zahnradbahn-Kurve der Welt. Nun schaltet sich auch der Heimatschutz St.Gallen/Appenzell Innerrhoden in die Diskussion ein. In einem Schreiben an die Direktion Bau und Planung fordert er den Erhalt der Schienen und der Zahnradstange, zumindest in der Kurve. Dieses besondere Bauwerk müsse bei jedem Projekt­wettbewerb für eine Überbauung der Ruckhalde einbezogen werden, schreibt der Heimatschutz. «Es handelt sich um ein Bauwerk aus einer Zeit, in welcher in der Ostschweiz Aufbruchstimmung herrschte. Es steht für den damaligen Pioniergeist der Stadt», sagt Heimatschutz-Präsidentin Kathrin Hilber auf Anfrage. Deshalb wäre es schön, es als Zeitzeugen, in ein neues Quartier zu integrieren.

Wie stark Schienen auch bei einer neuen Nutzung den Bezug zur Vergangenheit herstellen könnten, zeige sich beispielhaft in der Lokremise, schreibt der Heimatschutz. Dort seien die Schienen im neuen Boden integriert und machten die einstige Organisation des Lokdepots bis heute nachvollziehbar. Eine analoge Lösung lasse sich sicher auch bei der Umgestaltung des Bahntrassees in einen Fuss- und Veloweg finden. «Sollten Schienen und Zahnstange – entgegen unserer Erwartung – nicht erhalten bleiben, müsste mindestens die Linienführung der Kurve in die künftige Landschaftsgestaltung einfliessen.» Auf jeden Fall solle «das pionierhaft angelegte Bahntrassee spür- und lesbar bleiben».

Die Entwicklung nicht blockieren

«Der Rank ist unbestritten ein wertvolles Erinnerungsstück», sagt Stadträtin Maria Pappa. Das Tiefbauamt und das Stadtplanungsamt hätten den Auftrag, abzuklären, inwieweit der Forderung des Heimatschutzes nachgekommen werden könne. Es gebe verschiedene offene Fragen zu klären. Zum einen dürfe der Erhalt der Ruckhaldekurve die Entwicklung des Areals nicht blockieren. Die Stadt schätzt die Fläche, die bebaut werden könnte, auf 40000 bis 50000 Quadratmeter. Eine Überbauung würde Wohnraum für schätzungsweise 600 Personen schaffen. «Wir werden deshalb nicht die Häuser um den Weg herum planen, sondern den Weg abhängig von der künftigen Bebauung ins Gebiet integrieren.» Stadtplaner Florian Kessler hatte bereits zu einem früheren Zeitpunkt betont, dass es sich beim Fuss- und Veloweg nur um eine temporäre Verbindung handeln werde.

Zum anderen müssten auch Sicherheitsaspekte berücksichtigt werden, sagt die Baudirektorin. Ein Knackpunkt sei die Zahnradstange. Denn sie sei höher als die Schienen und würde deshalb auch bei deren ebenerdiger Integration in einen neuen Weg hinausragen. Fussgängern drohte also eine Stolperfalle, Velofahrern erhöhte Sturz- und Verletzungsgefahr.

Eine Einsprache gegen Zonenplanänderung

Wann die Zukunft der Ruckhaldekurve geklärt sein wird, könne noch nicht abgeschätzt werden, sagt Maria Pappa. Ebenso unklar ist, wann die neue Überbauung realisiert werden könnte. Im kommenden Jahr beginnt die Projektentwicklung. Diese nimmt gemäss Florian Kessler zwei bis vier Jahre in Anspruch. Danach müsse ein Sondernutzungsplan erarbeitet werden.

Die Weichen für eine künftige Überbauung an der Ruckhalde hat die Stadt aber bereits gestellt: Im Spätsommer lag die Zonenplanänderung für das Gebiet auf. Praktisch die ganze derzeit unbebaute Fläche wird der Wohnzone 4 zugeteilt, also mit maximal vier Wohngeschossen. Gegen die Zonenplanänderung ist gemäss Alexander Weiss vom Stadtplanungsamt eine Einsprache von einer Einzelperson eingegangen.

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