Rotwein und schöne Frauen

Die Stadtmusik St. Gallen ist in den Endproben für das Konzert in St. Laurenzen am Sonntag. Ein Stück des Programms präsentiert sie nächsten Sommer an einem internationalen Wettbewerb.

Martin Preisser
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Tristan Uth, neuer Dirigent der Stadtmusik St. Gallen. (Bild: Martin Preisser)

Tristan Uth, neuer Dirigent der Stadtmusik St. Gallen. (Bild: Martin Preisser)

«Es ist noch niemand gehängt worden», sagt es Tristan Uth drastisch. Der 27-Jährige, seit Februar Dirigent der Stadtmusik St. Gallen, unterstreicht es in der Probe immer wieder: «Falsche Töne sind nicht das Schlimmste, aber es reicht auch nicht, nur genau die Noten zu spielen.» Mit viel Leidenschaft feuert er die Stadtmusik an, die in der Höchstklasse spielt. Und vor allem mit kräftigen Bildern und viel schauspielerischem Einsatz. Und nachdem er von schwerem Rotwein, Käse und Baguette und von einer vorbeispazierenden Schönen erzählt, klingt die anspruchsvolle Phrase aus Serge Lancens «Symphonie de Paris» plötzlich belebt, beschwingt und eben nicht nur genau. Die Motive tönen plötzlich von innen heraus empfunden.

Feuer im Orchester anfachen

Tristan Uth, bereits mehrfach prämierter Dirigent und auch Komponist von Blasmusik, ist diese Woche nach St. Gallen gezogen. Der gebürtige Augsburger kommt ins Schwärmen, wenn er von seiner Arbeit mit der Stadtmusik redet. «Ich bin nicht der, der den Eimer mit viel Musikwissen füllt, sondern ich will der sein, der das Feuer im Orchester anfacht.» Das musikalische Niveau ist hoch und die sechs Stücke fürs anstehende Kirchenkonzert herausfordernd. «Genau deswegen kommen die Menschen nach der Arbeit am Abend in eine Probe. Sie wollen nicht einfach perfekt spielen, sondern ihre eigene Emotionalität beim Musizieren spüren.» Tristan Uth macht Musik plastisch, weckt aussermusikalische Vorstellungen. «Unter ihm nehmen wir Musik bildlich wahr. Dadurch gewinnt das Spiel in den Proben an Lockerheit, Spass und Freude», beschreibt Philipp Egger, seit März Präsident der Stadtmusik, den Stil des Dirigenten.

In den Flow, in ausstrahlende Emotionalität muss die Stadtmusik, in der bis zu einem Umkreis um die Stadt von hundert Kilometern Musikerinnen und Musiker mitspielen, auch in Cristobal Halffters «Tiento del primer tono y batalla imperial» kommen. Das packende, alle Blasorchester-Möglichkeiten ausschöpfende Stück des spanischen Komponisten ist Selbstwahlstück für einen internationalen Wettbewerb in Valencia nächsten Juli. Das Orchester bereitet sich darauf unter dem Motto «An der Herausforderung wachsen» vor. Mit dem Satz auf dem Flyer wirbt die Stadtmusik auch für Sponsoren für diesen ausserordentlichen Anlass.

Auch ein Neuanfang

Die Anstellung von Tristan Uth markiere einen Neuanfang, sagt Stadtmusikpräsident Philipp Egger, der sich über den seither «viel disziplinierteren Probenbesuch» freut. Und Dirigent Uth will an dieser Stelle bewusst ein Signal an die Knabenmusik St. Gallen aussenden: «Alle Musiker, die wegen des Alters aus der Knabenmusik ausscheiden, sind bei uns willkommen. Ja ich sage es deutlich: Wir laden sie herzlich zu uns ein.»

Konzert Stadtmusik: Sonntag, 23.11., 17.00, St. Laurenzen (Eintritt frei).