«Roter Teppich» für Chodorkowski

RAPPERSWIL-JONA. Der Oligarch Michail Chodorkowski liebäugelt mit einem Umzug nach Rapperswil-Jona. Anwohner hoffen auf ein persönliches Treffen, Sportler auf einen finanziellen Zustupf und die Stadt auf Steuereinnahmen. Doch nicht alle Reaktionen sind derart positiv.

Noemi Heule
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Michail Chodorkowski Russischer Oligarch (Bild: epa)

Michail Chodorkowski Russischer Oligarch (Bild: epa)

In Internetforen löst der mögliche Zuzug von Michail Chodorkowski nach Rapperswil-Jona heftige Reaktionen aus: «Schon interessant, wie schnell man sich hier niederlassen kann, wenn man genug Geld hat», schreibt ein Internetnutzer. Ein Leser unserer Zeitung prangert die «fragwürdigen Millionen» des Kreml-Kritikers an.

Auch Hanspeter Raetzo, Präsident der SP in Rapperswil-Jona, stört sich an dessen privilegierter Behandlung: «Es wäre schön, wenn auch andere Ausländer mit einem roten Teppich begrüsst würden.» Zudem beanstandet er die ungleiche Besteuerung in seiner Heimatstadt. Hinter dem allfälligen Zuzug vermutet er denn auch die Motivation, Steuern zu sparen: «Der Kanton Zürich schaffte die Pauschalbesteuerung ab, folglich zieht es den Oligarchen nach St. Gallen.»

«Keinen Sündenbock suchen»

Auch Nationalrätin Yvonne Gilli (Grüne) sieht in Chodorkowski ein «exemplarisches Beispiel für die Behandlung von Superreichen in der Schweiz». Nun gehe es aber nicht darum, einen Sündenbock zu suchen. Vielmehr möchte sie «gerechtere Rahmenbedingungen» – beispielsweise bei der Besteuerung – schaffen. Nationalratskollegin Lucrezia Meier-Schatz (CVP) sieht die Pauschalsteuer nicht als Grund, sich gerade im Kanton St. Gallen niederzulassen: Chodorkowskis Familie wohne bereits seit längerem im Kanton Waadt. «Dort gibt es fast 1400 pauschal besteuerte Personen. In St. Gallen sind es lediglich deren 79.» Spekulationen, wieso der Oligarch genau die Rosenstadt erwählte, will Meier-Schatz keine anstellen.

Zuzüger willkommen heissen

Marc Hanslin, Präsident der örtlichen FDP, vermutet, dass die Seelage sowie die Infrastruktur den Ölmillionär anlockten. Genauso wie Stadtpräsident Erich Zoller freut er sich über den prominenten Zuwachs. Den Vorwurf der Sonderbehandlung kann Zoller indes nicht nachvollziehen. «In Rapperswil-Jona heissen wir alle Neuankömmlinge herzlich willkommen». Diese würden zu einem gemeinsamen Zmorge-Essen eingeladen. Der Zuzug der Chodorkowskis sei für Stadt und Behörden eine besondere Situation, auf die er sich habe vorbereiten müssen – beim gemeinsamen Pizzaessen. Dies sei jedoch die einzige Sonderbehandlung, die dem russischen Ölmillionär zukam.

Über das weitere Vorgehen entscheidet nun der Kanton: Dort ist das Gesuch Chodorkowskis um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung hängig. Bevor dieses nicht beantwortet ist, können auch über steuerrechtliche Aspekte nur Mutmassungen angestellt werden.