Rote Karte für die Post

Was sich die Post seit Wochen erlaubt, ist einfach hanebüchen, eine Frechheit ersten Grades. Derweil hat sie einen seit Jahrzehnten festgelegten Auftrag, nämlich einen gut funktionierenden Service public anzubieten, dies flächendeckend für alle Postkunden.

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Was sich die Post seit Wochen erlaubt, ist einfach hanebüchen, eine Frechheit ersten Grades. Derweil hat sie einen seit Jahrzehnten festgelegten Auftrag, nämlich einen gut funktionierenden Service public anzubieten, dies flächendeckend für alle Postkunden.

Mit dem Versuch bei der Zustellung (noch bis Ende 2010) werden zuerst die Gewerbe- und Industriegebiete mit der Post bedient, obwohl Gross- und Kleinunternehmen vorwiegend über ein Postfach in ihrer näheren Umgebung verfügen.

Wo dies heute noch nicht zum Standard eines Betriebes zählt, sollte man zuerst diesen Betrieben ein solches zur Verfügung stellen und wenn nötig den Weiterausbau der Postfachanlagen prüfen. Im EDV-Zeitalter wird zudem ein Grossteil der Kommunikation in der Wirtschaft über den Bildschirm abgewickelt, weshalb sich die Post schon mehrmals über immer weniger Briefpostsendungen beklagt hat.

Das von den Verantwortlichen abgegebene Versprechen, dass alle Privatkunden bis spätestens 14 Uhr mit der Post bedient werden, wird im Versuch in keiner Art und Weise eingehalten. In den letzten beiden Wochen haben die Nachbarn und ich die Privatpost erst zwischen 15.30 und 16.15 Uhr erhalten, was wir auf lange Sicht nicht mehr akzeptieren. Wenn ich mich umhöre und erfahren muss, dass eine Tageszeitung erst am Nachmittag von der Post zugestellt wird, ist dies ganz klar der Abbau einer obligatorischen Dienstleistung.

Mit der Einführung von immer moderneren Sortiermaschinen und der Verlagerung von Verteilzentren zittern immer mehr Postangestellte um ihren Arbeitsplatz. Nicht umsonst sind am vergangenen Wochenende in Bern eine Grosszahl von Familienvätern, Arbeitskolleginnen und -kollegen mit einer Warndemonstration an die Öffentlichkeit getreten.

Der Sinn dieses Versuchsbetriebs mit der Postzustellung erst nach dem Mittag ist für mich nicht plausibel.

Für mich ist dieser aber ein klarer Beweis, dass man bei den Kleinen versucht abzubauen, während den Grossen immer mehr Macht und Mittel eingeräumt werden.

Kurt Stadelmann Kräzernstrasse 51, 9015 St. Gallen

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