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ROSENBERG: Zeitzeugen des Zenits

Der Südhang des Rosenbergs zeichnet sich durch vielfältige Architektur, grosszügiges Grün und romantische Kleinräumigkeit aus. Ein Rundgang durchs Quartier zeigt: Vieles erinnert an die Blütezeit der Stadt, manches befindet sich im Umbruch.
Luca Ghiselli
Bewachsen: Das Haus an der Zwinglistrasse 30 wurde 1897 von den St. Galler Architekten Scheier & Dürtscher erbaut. Es galt damals als «Haus für den einfachen Mann».

Bewachsen: Das Haus an der Zwinglistrasse 30 wurde 1897 von den St. Galler Architekten Scheier & Dürtscher erbaut. Es galt damals als «Haus für den einfachen Mann».

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Kein anderes Quartier der Stadt verkörpert den Glanz vergangener Blütezeiten so verschnörkelt und diskret zugleich wie der Südhang des Rosenberg. Als die Stickereiblüte Ende des 19. Jahrhunderts auf ihrem Höhepunkt angelangt war, wurde hier gebaut, soviel es ging. In diese Zeit fällt auch die Gründung des Quartiervereins, der 1888 ins Leben gerufen wurde. Präsident des Vereins ist heute Martin Schregenberger. Der Architekt und ehemalige Denkmalpfleger hat am Dienstagabend während über zwei Stunden vom Uni-Campus bis zum Bahnhof Nord geführt. Dabei erzählte über Gebäude, Menschen und Gärten des Rosenbergs.

Rund 40 Interessierte waren der Einladung gefolgt. Im Fokus der Führung standen Villen, die das Ortsbild am südwestlichen Hang des Rosenbergs stark prägen. Gebaut wurden viele davon Ende des 19. Jahrhunderts, als auch das Strassennetz über den Hügel entstand.

Von der Neu-Renaissance zum Betonanbau

Die Zwinglistrasse zum Beispiel entstand erst in den 1880er-Jahren, später wurde sie zu Zwecken der Arbeitslosenbeschäftigung von der Winkelried- zur Dufourstrasse weitergeführt. An der Zwinglistrasse 30 steht ein von Kletterpflanzen fast vollständig verhülltes Dreifamilienhaus aus der Neu-Renaissance. Italienisch mutetet der Bau der Architekten Scheier & Dürtscher aus dem Jahr 1897 an. «Die Architekten zu jener Zeit wurden kritisch beäugt, weil nach damaligem Massstab ihre Häuser zu wenig prunkvoll waren», sagt Schregenberger. Scheier und Dürtscher störte das wenig: «Sie bekannten sich dazu, ‹Häuser für den einfachen Mann› zu bauen.» Nur ein paar Häuser weiter steht die repräsentative Villa des Stickereifabrikanten Adolf Iklé. Der Grossvater der ehemaligen Bundesrätin Elisabeth Kopp gab den prunkvollen symmetrischen Bau 1888 beim Baumeister Carl Hermann Weigle in Auftrag. Später war in der Villa die Rudolf-Steiner-Schule untergebracht. Auf der Südseite fällt das Grundstück gegen die Tellstrasse stark ab, vor bald zehn Jahren wurde auf dieser Seite ein Betonanbau für Büronutzungen realisiert.

Es ist eines von vielen Zeichen, dass auch am Sonnenhügel der Stadt die Zeit nicht stehen bleibt und sich neue architektonische Strömungen unter die bestehenden Bauten mischen. Ein weiteres Indiz dafür ist das «Baumhaus», ganz oben an der Zwinglistrasse. Dabei imponiert neben der Architektur auch der jahrelange Rechtsstreit, der um die Höhe des Hauses bis vor Bundesgericht ausgefochten wurde. Er endete 2010, in dem der Hauseigentümer den Bau um 38 Zentimeter kürzen musste. «Ein Schildbürgerstreich», wie Schregenberger sagt. Das Baumhaus sei Beweis dafür, dass sich auch zeitgenössische Architektur gut in historische Ortsbilder einfügen könne. Rund 300 Meter weiter östlich, wo sich die Winkelried- und die Zwinglistrasse kreuzen, befindet sich die Villa Burg, ein neugotischer Bau. «Das erkennt man daran, dass sie gotischer ist als die Gotik», sagt Schregenberger und lacht. Erbaut wurde die Villa, die bis heute zu Wohnzwecken genutzt wird, 1888 von Wilhelm Dürler. Ebenfalls düster ist die Winkelriedstrasse 1, ganz am Fusse des Rosenbergs. Hier wohnte einst die bekannte Schriftstellerin Salcia Landmann, und hier wuchs auch ihr Sohn, der Rechtsanwalt Valentin Landmann, auf.

Das Schlössli als Sommersitz

Doch der Rosenberg ist mehr als herrschaftliche Villen aus der Blütezeit der Stickerei mit ausufernden Gartenanlagen. Auch zu anderen historischen Bauten hat Martin Schregenberger auf seinem Rundgang geführt. Zum Beispiel das Huberpärkli an der Dufourstrasse. Ursprünglich war es dem St. Galler Komponisten Ferdinand Huber gewidmet, aus dessen Feder unter anderem das bekannte Volkslied «Lueget, vo Berg und Tal» stammt. Vor zwei Jahren enthüllte der Quartierverein im selben Pärkli dann eine Büste von Paul Huber, ebenfalls St. Galler und ebenfalls Komponist, allerdings aus dem 20. Jahrhundert.

Ganz oben am Rosenberg, am Höhenweg, thront das Fehr’sche Schlössli über Stadt und Quartier. Gebaut wurde es im 16. Jahrhundert und erfüllte seit seiner Errichtung eine ganze Reihe von Funktionen. Zunächst Privatbesitz der Familie Hahn, diente es ab 1687 als äbtisches Lehen für Stadtbürger. Die Stadtgrenze verlief zu jener Zeit entlang des Höhenwegs. Später war das Schlössli Sommersitz der Bürgermeister, gelangte wieder in Privatbesitz und wurde zwischen 1927 und 1987 als Altersheim genutzt. Seit einiger Zeit dient es als Unterkunft für Schüler des Instituts am Rosenberg.

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