Rosenberg statt Frischfleisch

Die Stadt St. Gallen soll einen Rosenbergplatz erhalten. Das beantragt der Quartierverein Rosenberg (Tagblatt vom Freitag). Eine Nachfrage zeigt: Der Quartierverein rennt damit bei der städtischen Strassennamen-Kommission offene Türen ein.

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Die FHS und ihr Vorplatz. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die FHS und ihr Vorplatz. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Stadt St. Gallen soll einen Rosenbergplatz erhalten. Das beantragt der Quartierverein Rosenberg (Tagblatt vom Freitag). Eine Nachfrage zeigt: Der Quartierverein rennt damit bei der städtischen Strassennamen-Kommission offene Türen ein. Wäre es nach dieser gegangen, hätte der Vorplatz der Fachhochschule hinter dem Hauptbahnhof längst einen Namen.

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Die Strassennamen-Kommission hatte dem Stadtrat im vergangenen Jahr «Frisch-Platz» dafür vorgeschlagen – zu Ehren des Schriftstellers und Architekten Max Frisch. In nächster Nähe der Fachhochschule schien ein Literat oder Wissenschafter naheliegend, wie Théo Buff, Präsident der städtischen Strassennamen-Kommission, sagt. Doch beim Stadtrat fand der Vorschlag keine Gnade. Die Bezeichnung wecke Assoziationen an Frischfleisch und ähnliches. Frisch ginge nur mit Vornamen, hiess es.

Darauf wollte die Strassennamen-Kommission wiederum nicht eingehen. Schliesslich waren Ende der 1960er-Jahre alle Vornamen aus den Strassennamen der Stadt verbannt worden. Seither gilt die grundsätzliche Regel, bei Strassennamen auf sie zu verzichten. «Wir machen da keine Ausnahme», sagt Buff.

Die Strassennamen-Kommission zog ihren Vorschlag zurück und fand schnell Ersatz. Den neuen Namen hielt sie aber geheim, um etwas Gras über den Frisch-Platz wachsen zu lassen. Nun, da der Quartierverein seinen Vorschlag kund getan hat, schweigt auch Théo Buff nicht länger: «Wir sind ebenfalls auf den Namen Rosenbergplatz gekommen.» Das sei der richtige Name, wenn man auf den Literaten verzichte.

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Zwei Parteien sind also unabhängig voneinander auf den selben Namen gestossen – ein schöner Zufall und eine Freude für alle Beteiligten. Die Meinungen gehen aber auseinander, was die Grösse des Platzes betrifft. Théo Buff will die geneigte Asphaltfläche am Fusse des FHS-Turms so benennen, Quartiervereinspräsident Martin Schregenberger gleich das ganze Gebiet zwischen FHS und Lokremise. Geographisch besteht also noch Klärungsbedarf.

Um Weihnachten herum will Théo Buff dem Stadtrat den Antrag für den Rosenbergplatz vorlegen. Sollte dieser zustimmen, würde das Tauffest im Frühling steigen. (cw)