Rorschachs Treffpunkt im Advent

Für den Geschichtenerzähler Bertolt Specker ist der Advent auf dem Lindenplatz ein ganz besonderes Erlebnis. Seit acht Jahren trägt er an einem Abend eine Weihnachtsgeschichte vor – minutiös vorbereitet und mit viel Vorfreude.

Andrea Sterchi
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Musik und Geschichten rund um Weihnachten: Im Dezember wird der Lindenplatz immer zu einer ruhigen Oase in der oft hektischen Adventszeit. (Bild: Corina Tobler)

Musik und Geschichten rund um Weihnachten: Im Dezember wird der Lindenplatz immer zu einer ruhigen Oase in der oft hektischen Adventszeit. (Bild: Corina Tobler)

RORSCHACH. An Weihnachten denkt Bertolt Specker das erste Mal bereits Anfang Oktober. Dann steigt er in den Estrich hinauf und holt ganz bestimmte Kisten hervor. Sie enthalten einen besonderen Schatz. Seit mehreren Jahren sammelt Bertolt Specker nämlich Weihnachtsgeschichten und Gedichte. «Ich bin immer an neuen oder mir unbekannten interessiert. Mittlerweile habe ich eine ansehnliche Weihnachtsbibliothek beisammen», erzählt er. Wieder unten, öffnet er die Kisten und vertieft sich darin. Bis er findet, was er sucht – diejenige Geschichte und Gedichte, die er auf dem Lindenplatz vortragen möchte.

Advent auf dem Lindenplatz

Ab Montag, 1. Dezember, öffnet sich wieder jeden Abend ein Lädeli an der Weihnachtslaterne. Dazu singen und musizieren Chöre und Musikgruppen aus der Region und lassen Geschichtenerzähler Weihnachtsvorfreude aufkommen (siehe Text unten). Darunter auch Bertolt Specker. Seit acht Jahren macht er beim Advent auf dem Lindenplatz mit. «Es herrscht eine ganz besondere Stimmung. Es dunkelt ein, in der Stadt schliessen die Läden und die Lichter leuchten warm aus den eindrucksvollen Adventsfenstern», beschreibt er. Dazu die Musik, die Leute, gross und klein, die sich regelmässig auf dem Lindenplatz versammelten. Die Anlässe seien die passende Begleitung durch den Advent, weil sie ruhig und feierlich, aber gleichzeitig auch abwechslungsreich seien.

Umso wichtiger ist für ihn deshalb die Auswahl seiner Geschichte und Gedichte. Mal trifft er sie aufgrund eines vorgegebenen Themas – etwa vom Adventsfenster, das an seinem Abend öffnet, – mal wählt er selbst eines. Dieses Jahr ist es der Weihnachtsstern, in Anlehnung an den kürzlich eröffneten Stärnliweg in Rorschacherberg.

Besinnlich oder humorvoll?

Ebenfalls ein Auswahlkriterium ist für ihn die Länge der Geschichte, das Publikum und der Ort, wo er sie vorträgt. «Manche Geschichten eignen sich eher für die warme, heimelige Stube, andere passen unter freiem Himmel besser», sagt er. Letztlich berücksichtigt er auch den Stil. Soll die Geschichte besinnlich sein oder darf sie eine Spur Humor enthalten? Seine Lesung probt Bertolt Specker dann intensiv. Einerseits, weil er sich seriös vorbereiten müsse, wolle er vor dem Publikum bestehen. Andererseits sei ihm der persönliche Zugang zur Geschichte wichtig. «Ich muss sie vor meinem inneren Auge sehen, muss ich sie selber empfinden.» Letztlich gehe es bei einer Lesung darum, auch bei den Zuhörenden eigene und Emotionen hervorzurufen. Immer wieder liest er die Texte laut, macht sich Gedanken über Betonung und Lautstärke, überlegt sich, wie er die verschiedenen Stimmen imitieren kann. Lampenfieber verspürt er hingegen kaum. Als Schauspieler beim Theater Sinnflut könne er damit gut umgehen. Viel grösser sei dafür die Vorfreude.

Bertolt Specker Geschichtenerzähler (Bild: pd)

Bertolt Specker Geschichtenerzähler (Bild: pd)