Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

RORSCHACH/RHEINTAL: Ansehen der Kirchenleute stärken

Man kennt Thomas Widmer als Medienverantwortlichen des Rorschacher Lichtjahres, als Texter einer hiesigen Werbeagentur und als Korrektor des «Tagblatts». Nun kandidiert er als Kirchenpräsident.
Monika von der Linden
Falls der Heimweh-Rorschacher Thomas Widmer am 25. März eine Mehrheit erhält, ist er ab 1. Juni Kirchenpräsident. (Bild: Rudolf Hirtl)

Falls der Heimweh-Rorschacher Thomas Widmer am 25. März eine Mehrheit erhält, ist er ab 1. Juni Kirchenpräsident. (Bild: Rudolf Hirtl)

Monika von der Linden

redaktionot@tagblatt.ch

Die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Diepoldsau-Widnau-Kriessern muss ihr Präsidium neu besetzen. Thomas Widmer, der während vieler Jahren in Rorschach tätig war, stellt sich der Wahl. Wird er am 25. März gewählt, tritt er am 1. Juni das Amt an.

Weshalb möchten Sie jetzt Präsident werden, nachdem Sie vor vier Jahren aus der Kirchenvorsteherschaft ausgetreten sind?

Thomas Widmer: Damals hatte ich einen Vollzeitjob und wollte mich entlasten. Ausserdem befand ich, dass es nach acht Jahren als Kivo-Mitglied Zeit für einen Wechsel war. Dies war gewährleistet, weil ich einen Nachfolger hatte.

Das erklärt den Austritt, nicht aber die erneute Kandidatur.

Ich wurde angefragt und sagte unter der Voraussetzung zu, dass sich niemand Jüngeres findet, der geeignet ist und die nötige Kapazität hat. Es ist schwierig, das Amt mit einem Vollzeitberuf zu kombinieren. Jetzt bin ich beruflich flexibler. Ich rechne mit dem Umfang einer halben Stelle.

Was reizt Sie, dieses aufwendige und schlecht bezahlte Amt zu bekleiden?

Mich interessiert die Vielfältigkeit in der Gemeinde. Sie ist ein leistungsfähiges KMU, das jährlich Hunderte von Veranstaltungen durchführt, die gesellschaftlich sinnvoll sind. Ausserdem arbeite ich in der Kivo mit Menschen zusammen, die alle in Professionalität und Erfahrung einen soliden Hintergrund haben.

Das leisten öffentliche Einrichtungen und Vereine ebenso.

Eine Kirchgemeinde erbringt Leistungen, die kein anderer Dienstleister anbieten kann. Taufen, Beerdigungen, Trauerbegleitungen und Religionsunterricht sind einige Beispiele dafür, wo die Kirche zukunftsfähig ist. Die Institution ist für die Lebensqualität einer Gesellschaft mitverantwortlich. Mich fasziniert die Vielfältigkeit.

Was verstehen Sie darunter?

Ich komme mir vor wie ein Mann, der eine grosse Modelleisenbahn geschenkt bekommt. Sie hat bereits eine Landschaft, Häuser und Verkehrsströme, ist aber längst nicht fertig, an ihr muss immer weiter gebaut werden. Es ist eine Welt, die nach aussen geöffnet sein muss.

Streben Sie nach dem sozialen Ansehen, das an dem Amt haftet?

Heute ist es schon fast rufschädigend, in der Kirche tätig zu sein. Wer sich in ihr engagiert, wird schnell als Frömmler oder Sektierer abgestempelt. Ich möchte dazu beitragen, dass das Christentum in einer erneuerten Form wieder an Ansehen gewinnt.

Wie kann das gelingen?

Die Kirche hat viele positive Spuren in der Gesellschaft hinter­lassen. Inzwischen hat der Staat viele der Aufgaben übernommen. Folglich wird sie jetzt als weniger bedeutend wahrgenommen. Die Kirche kann ihre ge­sellschaftliche Stellung stärken, indem sie sich ihrer Kernkom­petenz widmet. Das sind die vorhin genannten Dienstleistungen. Dann kann sie an Ausstrahlung gewinnen.

Wir sind im Jubiläumsjahr der Reformation. Wo sollte sich die Kirche erneuern?

Die Kirche muss Gott neu suchen. Das Gottesbild orientiert sich noch immer am Alten Testament. Wir neigen dazu, alles Alte als wahr anzusehen und richten uns an Lehren aus, die längst widerlegt sind. Gott lässt sich nicht vom Menschen manipulieren, er belohnt oder bestraft nicht. Dieses Gottesbild sehe ich als Grund an, warum viele Menschen daran verzweifeln, dass Gott Leid «zulässt». Das Bröckeln der Volkskirche liegt begründet in der Entmündigung der Menschen seit dem Mittelalter bis heute. Das haben die Menschen erkannt und das muss sich ändern.

Das ist die Aufgabe der Seelsorger, nicht des Präsidenten.

Ich finde, es ist ein Segen, dass unsere Pfarrpersonen in ihren Predigten Gott nicht als konservativ beschreiben und ihm einen neuen Stellenwert geben. Sie tragen dazu bei, dass wir uns Gott neu annähern können. Als Präsident möchte ich Leistungen herauskitzeln, die allen dienen. Dies wird möglich, wenn die Mitarbeitenden ihre Arbeit als Teil ihres Lebens wahrnehmen. Ich strebe einen modernen Führungsstil an, durch den die Mitarbeitenden ihre Kompetenzen ausschöpfen können.

Werden Sie ein grosszügiger oder ein sparsamer Präsident sein?

Ich bin nicht geizig, aber für eine hohe Finanzdisziplin. Ich achte darauf, dass die Kirchensteuern nicht versickern, sondern gezielt investiert werden. Es ist zum Beispiel wichtig, die Infrastruktur zu erhalten und zu pflegen, damit die Gebäude schön und begehrenswert bleiben. Hier langfristig zu planen verhindert, dass plötzlich riesige Beträge anfallen.

Wie lange möchten Sie der Kirchgemeinde vorstehen?

Ich sehe mich nicht als Übergangspräsidenten und sage dennoch, dass ich vier bis acht Jahre lang zur Verfügung stehe. Ich möchte das Amt auch wieder für Jüngere attraktiv machen, zum Beispiel für Berufsleute ebenso wie für Hausfrauen und Hausmänner. Taucht jemand auf, der oder die jünger ist als ich, geeignet ist und von der bestehenden Kivo akzeptiert wird, ziehe ich mich zurück.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.