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RORSCHACHERBERG: Streit am Wiggenrain geht in die zweite Runde

Anwohner wehren sich gegen ein Strassenbauprojekt der Gemeinde. Sie befürchten mehr Verkehr in ihrem Quartier. Die Gemeinde hält aber an ihrem Vorhaben fest. Aufgeben wollen die Anwohner nicht.
Martin Rechsteiner
Auf der Grünflache (Bildmitte) links von der RHB-Trasse ist die neue Siedlung geplant. Geht es nach dem Gemeinderat Rorschacherberg, soll die Zufahrt vom Wendeplatz der Wiggenrainstrasse her gebaut werden (rechts unten). (Bild: Hardy Buob (Oktober 2017))

Auf der Grünflache (Bildmitte) links von der RHB-Trasse ist die neue Siedlung geplant. Geht es nach dem Gemeinderat Rorschacherberg, soll die Zufahrt vom Wendeplatz der Wiggenrainstrasse her gebaut werden (rechts unten). (Bild: Hardy Buob (Oktober 2017))

Martin Rechsteiner

martin.rechsteiner@tagblatt.ch

In Rorschacherberg rührt ein Bauherr mit der grossen Kelle an: Neun Einfamilienhäuser, drei Mehrfamilienhäuser mit je drei grosszügigen Wohnungen sowie eine Tiefgarage und Parkplätze sollen auf der Ebene neben dem Schloss Wiggen entstehen. Dafür will die Gemeinde die Bauzone erweitern und sie muss eine Zufahrtsstrasse bauen. Diese soll an das Ende der Wiggenrainstrasse, wo ein runder Platz mit einem Baum in der Mitte eine Art Kreisel bildet, angeschlossen werden (Ausgabe vom 8. Juli 2017).

Wie bei einem Grossprojekt dieser Art üblich, sind die Anwohner wenig erfreut. Kommt es zustande, werden sie sich auf mehrere Jahre andauernden Baulärm einrichten müssen. Der grösste Dorn im Auge ist ihnen aber nicht die Überbauung an sich, sondern die geplante Zufahrtsstrasse. Wegen ihr werden während der Bauzeit nicht nur laufend schwere Lastwagen und Bagger durch das Quartier donnern, sondern sie wird später auch zu massivem Mehrverkehr führen, so die Befürchtung. Für den geplanten Strassenanschluss müssten zudem einige Anwohner Land hergeben.

Ein Quartier stellt sich quer

Deshalb erhob eine IG aus 33 Anwohnern der Wiggenrainstrasse Einsprache, als die Pläne im Mai 2017 öffentlich auflagen. Ihr Anliegen: Die Strasse zur neuen Siedlung soll nicht über das Wiggenrain-Quartier, sondern nördlich vom See her oder über den Wiggenweg, durch das Grundstück des Schlosses Wiggen, das ebenfalls dem Bauherrn gehört, führen. Weiter monierten die Einsprecher den geplanten Zonentausch: Das Gebiet im Vogelherd, das als Ausgleich in Landwirtschaftszone umgewandelt werden soll, sei zu klein.

Jetzt ist die Gemeinde Rorschacherberg über die Bücher gegangen und hat in der aktuellen Ausgabe des «Rundblicks» die Änderungen vorgestellt. Aus dem Bericht wird klar: Ändern will die Gemeinde nicht viel. Sie hat die Fläche, die im Vogelherd ausgezont werden soll, minim angepasst. Die Strasse zur neuen Siedlung soll nach wie vor an die Wiggenrainstrasse anschliessen – und nun sogar 30 Zentimeter breiter werden.

«Wir haben die Pläne überarbeitet, sie erfüllen aus unserer Sicht alle rechtlichen Vorgaben», sagt Beat Hirs, Gemeindepräsident von Rorschacherberg. Man habe Varianten für eine Zufahrt zur neuen Siedlung nochmals gründlich geprüft. «Eine Strasse durch das Areal des Schlosses Wiggen ist wegen des Denkmalschutzes nicht möglich.»

Und auch die Erschliessung der Siedlung von Norden her mit direkter Einfahrt in die Tiefgarage, wie von der IG vorgeschlagen, geht laut der Gemeinde nicht: «Der Hang ist zu steil, wir dürfen dort keine Zufahrtsstrasse bauen, wenn es Alternativen gibt. Zudem ist die südliche Erschliessungstrasse vor 30 Jahren mittels Baulinie gesichert worden», sagt der Gemeindepräsident. Weiter sei es widerrechtlich, Bauland via Nichtbauland zu erschliessen und der Strasse würde eine historische bedeutsame Stützmauer zum Opfer fallen. Zu guter Letzt wäre auch ein massiver Terraineingriff nötig: «Eine Quartierstrasse durch eine Tiefgarage zu führen, erfordert eine Durchfahrtshöhe von 4,5 Metern, damit Baufahrzeuge und später auch Feuerwehr, Ambulanz und die Müllabfuhr zufahren können.»

«Die Gemeinde macht, was sie will»

Für die Mitglieder der IG sind das bloss Ausreden. Sie fühlen sich von der Gemeinde nicht angehört. Gründerin Ruth Gradenecker sagt: «Wir haben der Gemeinde zum Beispiel angeboten, von unserem Quartier aus eine kleine Notfallstrasse zu bauen, die von Dienst- und Rettungsfahrzeugen benutzt werden könnte.» Darauf sei niemand eingegangen. «Die Gemeinde macht was sie will und setzt sich über rechtliche Bestimmungen hinweg», sagt Gradenecker, die Land abtreten müsste, falls die Strasse gebaut wird. Es werde einfach drauflos «gemauschelt», wirft sie den Gemeindevertretern vor. «Wir mussten ihnen ja auch auf die Finger schauen, dass das mit der Umzonung im Vogelherd korrekt abläuft.»

Für die Mitglieder der IG ist der Fall deshalb klar: Sie wollen weiterkämpfen. «Über unseren Anwalt werden wir eine weitere Einsprache erheben», sagt Gradenecker. Die Pläne liegen seit heute bis zum 12. April im Gemeindehaus Rorschacherberg auf. Bis dann sind Einsprachen möglich.

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