RORSCHACHERBERG: Statt Milch gibt’s nun Fleisch

Drei Generationen Buob-Landwirte produzierten Molkerei-Milch. Diese Ära ist nun vorbei. In der vierten Generation wird Fleisch produziert – nicht zuletzt des tiefen Milchpreises wegen.

Marianne Bargagna
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Bernadette und Gebhard Buob sen., Gebhard Buob jun. und seine Frau Andrea mit der jüngsten Tochter inmitten ihrer Mutterkühe. (Bild: mb)

Bernadette und Gebhard Buob sen., Gebhard Buob jun. und seine Frau Andrea mit der jüngsten Tochter inmitten ihrer Mutterkühe. (Bild: mb)

Marianne Bargagna

redaktionot@tagblatt.ch

Unverstellt die Aussicht vom Bauernhof der Familie Buob auf den Bodensee. Die Lage ihres Hofes in der Gemeinde Rorschacherberg wissen die Buobs zu schätzen und geniessen täglich den Blick auf den See. Nicht nur sie. Auch die Kühe, die zusammen mit ihren Kälbern auf der Wiese oberhalb von Rorschach weiden. Idylle pur, wären da nicht die in den vergangenen Jahren stetig gesunkenen Milchpreise. Preise, die ein Auskommen der Bauernfamilie nicht mehr gewährleisten. Darum hat sich Gebhard Buob jun., der den Hof seines Vaters Anfang Jahr übernommen hat, entschieden, die Molkerei-Milchproduktion aufzugeben und auf Fleischproduktion umzustellen.

Auf dem Hof an der Hofstrasse 61 vollzieht sich damit nach vielen Jahren eine einschneidende Veränderung. Angesichts der aktuellen Milchpreis-Situation verständlich, auch für Markus Ritter, den Bauernverbandspräsidenten, der den Landwirten, die ihre Kosten mit dem Milchpreis nicht mehr decken können, einen Wechsel empfiehlt, zum Beispiel zur Fleischproduktion.

«Nie dachten wir an eine Umstellung»

Ein Blick zurück zeigt, dass es für Milchproduzenten schon viel bessere Zeiten gab. Gebhard Buob sen. erinnert sich an die Anfänge auf dem Hof. Sein Grossvater begann hier mit der Milchproduktion. Diese führte dessen Sohn weiter. Gleiches tat dann Gebhard Buob sen. Im Jahr 1983 richtete er neben dem Hof seiner Eltern einen eigenen Betrieb ein zusammen mit seiner Frau Bernadette. Ihre Zukunft sahen sie damals in der Milchproduktion. «Nie dachten wir an eine Umstellung.» Die damaligen Voraussetzungen waren auch gut. Für einen Liter Milch erhielten Buobs damals 87 Rappen. Es wurde noch besser. Bernadette Buob blättert in einem Ordner, wo sie die Abrechnungen der vergangenen Jahre fein säuberlich gesammelt hat. «Der Milchpreis stieg bis auf einen Franken und sieben Rappen. Damals konnten wir gut leben, auch ohne Direktzahlungen.»

Von einem Preis von über einem Franken können die heutigen Landwirte nur träumen. 65 Rappen beträgt aktuell der offizielle Richtpreis der Branchenorganisation Milch für einen Liter Milch. Je nach Milchabnehmer variieren die Preise aber stark und können bis zu 20 Rappen unter den Richtpreis fallen, das heisst bis auf 45 Rappen. In einer Pressemitteilung weist die Organisation der Schweizer Milchproduzenten darauf hin, dass die Milchproduzenten aber 77 Rappen für den Liter Milch erhalten müssten, um überleben zu können.

Düstere Vorahnungen werden wahr

Trotz des vor Jahren einsetzenden schleichenden Preiszerfalls blieben Buobs zuversichtlich und investierten 1999 noch in einen neuen Laufstall. Zu jener Zeit gab’s noch 85 Rappen pro Liter Milch. Buob sen. erinnert sich: «Damals sagte uns ein Betriebsleiter: ‹Ihr müsst damit rechnen, dass es nur noch 64 Rappen geben wird›.» Er schüttelt den Kopf: «Wir glaubten nicht, dass der Preis so tief sinken wird.» Seine Frau fügt hinzu: «Und die Milch somit keinen Wert mehr haben soll.»

Die düsteren Vorahnungen des Betriebsleiters wurden wahr. Und während die Milchpreise fielen, stiegen nach Aussage von Buob sen. die Kosten für Versicherungen, Gebäudeunterhalt und Tierarzt. Zusätzlich müssen die Milchproduzenten den Milchabnehmer Transportbeiträge bezahlen. Eine Situation, die Gebhard Buob jun. veranlasste, sich Gedanken über die Zukunft zu machen. Das war vor etwa drei Jahren. Dann der Entscheid: Fertig Milchproduktion, Umstellung auf Fleischproduktion. Heute steht von den einst über 30 Milchkühen noch eine in Buobs Stall. Auf der Weide grasen friedlich 15 Mutterkühe mit ihren Kälbchen. Zehn Rinder und ein Stier gehören ebenfalls zur Viehfamilie. Gebhard Buob jun. und seine Frau Andrea möchten einmal 40 Mutterkühe ihr Eigen nennen und das Fleisch selbst vermarkten. Fast etwas wehmütig sagt Buob jun., der nicht nur als Bauer, sondern auch als Rohrnetzmonteur arbeitet: «Ich habe gerne gemolken. Und wer weiss, wenn der Milchpreis nicht so stark gesunken wäre, wer weiss...» Die Würfel auf dem Buob-Hof sind nun aber gefallen – statt Milch gibt’s nun Fleisch.