RORSCHACHERBERG: Sie kämpft fürs Wappen

Sie hat schon in der Schulzeit politisiert. Jetzt sitzt Tabea Rohner im Vorstand der SVP. Die 19-Jährige nimmt kein Blatt vor den Mund. Den Gemeinderat kritisiert sie in einem Punkt scharf.

Linda Müntener
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Tabea Rohner vor dem Rorschacherberger Gemeindewappen bei der Mehrzweckhalle. Die 19-Jährige setzt sich im Vorstand der SVP Rorschacherberg für den Erhalt des traditionellen Wappens ein. (Bild: Linda Müntener)

Tabea Rohner vor dem Rorschacherberger Gemeindewappen bei der Mehrzweckhalle. Die 19-Jährige setzt sich im Vorstand der SVP Rorschacherberg für den Erhalt des traditionellen Wappens ein. (Bild: Linda Müntener)

Linda Müntener

linda.muentener@tagblatt.ch

Kurz nach Mittag, es ist ruhig im Dorf. Tabea Rohner, jung, blond, blaues Kleid, sitzt vor der Rorschacherberger Mehrzweckhalle. Am Gebäude prangt das Gemeindewappen. Den Ort für den Fototermin hat sie nicht zufällig ausgewählt. Das traditionelle Gemeindewappen und sein modernes Logo-Pendant geben in der Gemeinde zu reden (Tagblatt-Ausgabe vom 19. April). Für Tabea Rohner geht es in dieser Diskussion um mehr als bloss um eine Geschmacksfrage. Für sie geht es um Identität, Tradition und Mitspracherecht. Dafür will sich die junge Frau einsetzen.

Seit gut einem Monat sitzt Tabea Rohner im Vorstand der SVP Rorschacherberg. Die Petition «Für unser Wahrzeichen am Berg» ist das Baby des Komitees und der Partei. Dieses Baby will gehegt und gepflegt werden. Argumente darlegen, Leute mobilisieren, Unterschriften sammeln. «Es läuft gut», sagt Tabea Rohner. «Wir bekommen viel Zuspruch.» Die Petitionäre fordern, dass das moderne Gemeindelogo nicht länger als Ersatz für das traditionelle Wappen dient. «Denn das Wappen steht für die Geschichte», sagt Tabea Rohner. Der Gemeinderat habe in dieser Sache über die Köpfe der Bürgerinnen und Bürger hinweg entschieden. «Das geht so nicht.»

Vom Rathaus aufs Politparkett

Die Rorschacherbergerin scheut sich nicht, ihre Meinung zu sagen. Politisiert hat sie schon während der Oberstufe, im Schülerforum. Nach der Schule hat sie eine KV-Lehre auf der Gemeindeverwaltung Rorschacherberg absolviert. Im Rathaus ist sie immer wieder mit lokalpolitischen Themen in Kontakt gekommen. Ihr Interesse daran ist mit jedem Lehrjahr gewachsen. Dann hat sie beschlossen, selber mitzumischen. Nachdem sie SVP-Kantonsrat Mike Egger kennen gelernt hat, ist sie dem Vorstand der Jungen SVP des Kantons St. Gallen beigetreten. «Weil diese Partei meine Ansichten am besten repräsentiert», sagt sie. Ihre beiden besten Freundinnen – eine stammt aus Kuba, die andere aus Slowenien – hat dieser Schritt im ersten Moment verletzt. «Sie haben das persönlich genommen», sagt Tabea Rohner. «Ich habe ihnen erklärt, dass mein SVP-Beitritt nichts mit ihnen zu tun hat.»

Ihre Ansichten vertritt die 19-Jährige nicht nur im Kollegenkreis, sondern auch zu Hause am Esstisch. Sie komme aus keiner klassischen SVP-Familie. Mit ihrer «eher links positionierten» Mutter sei sie nicht immer einer Meinung. «Ich finde es spannend, wenn wir miteinander diskutieren», sagt Tabea Rohner. Den erbitterten Kampf von Links gegen Rechts kann sie aber nicht nachvollziehen. Statt sich gegeneinander auszuspielen, sollten die Parteien ihre Energie lieber für ihre eigenen Ziele nutzen. «Letztlich wollen sie alle nur das Beste für die Bürger.» Das Beste aus Tabea Rohners Sicht ist Eigenständigkeit. Von einem EU-Beitritt der Schweiz beispielsweise hält die Rorschacherbergerin wenig. «Wieso immer alles vereinheitlichen?», fragt sie. Jedes Land, jede Gemeinde, habe eigene Wurzeln und einen eigenen Charakter. Dies müsse man erhalten.

Vor einer Kandidatur das Profil schärfen

Mit ihren beiden Vorstands- ämtern hat die 19-Jährige den Grundstein für eine Politkarriere bereits gelegt. Ambitionen auf einen Sitz im Gemeinde- oder Kantonsrat hat sie derzeit aber noch nicht. Zwar schätze sie aufstrebende Jungpolitikerinnen und Jungpolitiker, die «Vollgas geben». Für eine Kandidatur sei ihr Profil aber noch nicht genug geschärft. Vorerst will sie sich vor allem für die Interessen der jungen Generation im Dorf stark machen. Das Klischee, die Jungen würden sich immer weniger für Politik interessieren, treffe nicht zu. «Oft setzen sie ihre Prioritäten einfach anders.» Bei Themen, die sie direkt betreffen, redet auch die junge Generation gerne mit, sagt Tabea Rohner. Und dann schlägt die SVP-lerin, wie eine Profipolitikerin, den Bogen wieder zum Anliegen ihrer Partei. Das neue Logo der Gemeinde Rorschacherberg, das gefalle auch den Jungen nicht.

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