RORSCHACHERBERG: Betroffener Fahrgast im Bus-Streit: "Der Chauffeur hielt nicht an"

Der Streit im Seebus geht in die dritte Runde. Nicht das Kleinkind habe ihn genervt, schilderte der Buschauffeur in seiner Version. Jetzt meldet sich der betroffene Fahrgast zu Wort. Er sieht den Vorfall wieder etwas anders.
Jolanda Riedener
Der Fahrgast drückte nicht Stop und ärgerte sich dann, dass der Chauffeur nicht angehalten hatte. (Bild: Rudolf Hirtl)

Der Fahrgast drückte nicht Stop und ärgerte sich dann, dass der Chauffeur nicht angehalten hatte. (Bild: Rudolf Hirtl)

Ein Streit im Rorschacher Seebus bewegt seit Dienstag auch über die Region hinaus. Ein Kleinkind soll im Bus ständig die Stop-Taste gedrückt haben. Der Chauffeur musste mehrmals anhalten, obwohl niemand aus- oder eingestiegen ist. "Als der Passagier schliesslich tatsächlich aussteigen wollte, hielt der Chauffeur den Bus nicht an", schildert Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen den Vorfall. In den sozialen Netzwerken sowie auf www.tagblatt.ch wurde das Thema heiss diskutiert.

Darauf meldete sich der Buschauffeur mit einer völlig anderen Version des Geschehens: Nicht ein Kleinkind, das ständig gedrückt habe, verärgerte Chauffeur Rainer Löwen. An der Haltestelle Zelgstrasse habe niemand Stop gedrückt, deshalb sei er weitergefahren. Danach habe ein Fahrgast losgebrüllt, weil er nicht anhielt.

In der Zwischenzeit hat sich auch der Fahrgast mit dem Kleinkind gemeldet, der das Thema in den Medien verfolgt hat. Er zeigt sich enttäuscht über die Schilderungen und hat eine weitere Version des Vorfalls. "Ich war am Dienstag etwas spät dran und wollte meine dreijährige Tochter zu ihrer Tagesmutter bringen, bevor ich zur Arbeit ging", sagt Sam Ogbuokiri. Der gebürtige Nigerianer wohnt seit einiger Zeit mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Rorschach. Der 37-Jährige arbeitet ebenfalls in der Hafenstadt im Bereich Produktion. "Normalerweise gehe ich den Weg zu Fuss", sagt Ogbuokiri. Aber eben: Er war spät dran.

"Meine Tochter hat geweint und war verängstigt"

Seine Tochter habe bei der Zelggstrasse den Stop-Knopf gedrückt, der Buschauffeur habe darauf aber nicht angehalten. Deshalb habe er laut "Stop" gerufen. Sam Ogboukiri habe erwartet, der Busfahrer würde noch anhalten, da er den verlangten Halt offensichtlich übersehen hatte. Als er dann eine Haltestelle später aussteigen wollte, sei in dem ganzen Tumult seine dreijährige Tochter aus dem Kinderwagen gefallen. "Sie hat geweint und war verängstigt", sagt Ogboukiri. Es seien zwar zwei weitere Passagiere im Bus gewesen, niemand habe aber daran gedacht, ihm zu helfen. Von den Bedrohungen gegen den Buschauffeur will er nichts wissen. Auch, warum die Polizei alarmiert wurde, sei für ihn rätselhaft.

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