RORSCHACH: Wirt entlässt gesamte Belegschaft und setzt auf neues Konzept

Seit dem Konkurs des «Stadthof»-Pächters vor drei Jahren harzt es im bürgerlichen Restaurant. Der jetzige Pächter will deshalb künftig italienische Spezialitäten servieren. Dem Personal hat er gekündigt.
Jolanda Riedener
«Sandro» Saravanamuthu will den «Stadthof» mit neuem Konzept beleben. (Bild: Rudolf Hirtl (August 2016))

«Sandro» Saravanamuthu will den «Stadthof» mit neuem Konzept beleben. (Bild: Rudolf Hirtl (August 2016))

Jolanda Riedener

jolanda.riedener@tagblatt.ch

Chandran Saravanamuthu – in Rorschach bekannt als Sandro – hat das Restaurant Stadthof spontan übernommen und weitergeführt, nachdem das Pächterehepaar Kettenmayer den Betrieb quasi über Nacht verlassen hatte. Seit August 2016 funktionierte diese Lösung scheinbar gut. Jetzt hat Saravanamuthu per Ende März dem ganzen Personal gekündigt, schreibt das «Rorschacherecho». Er plane einen Neustart im Stadthof und will künftig auf italienische Küche setzten. «Sandro» Saravanamuthu machte sich in der Stadt mit der beliebten und gut besuchten Pizzeria Capri an der Bäumlistorkelstrasse einen Namen, die er seit bald 18 Jahren führt.

Bis anhin gab es im «Stadthof» eine bürgerliche Küche, für die der mit 14 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnete Küchenchef Fritz Tatzl verantwortlich war. Er habe die Kündigung Ende Dezember erhalten. Auch den vier Lehrlingen wurde gekündigt.

«Stadthof»-Team bedauert Kündigungen

«Nach dem Abgang der Kettenmayers waren wir froh, dass es weiterging», sagt Tatzl. Man habe sich gefreut, dass «Sandro» Crew und Küche beibehalten habe. Das erste Jahr sei etwas schwierig gewesen, die Tischreservationen waren rückläufig. Inzwischen liefe es aber wieder besser. «Sandro hat diese Entscheidung getroffen, wir bedauern das», sagt Tatzl und spricht für das seit dem Abgang der Kettenmeyers eingeschweisste, neunköpfige Team. Offen kommuniziert habe man bezüglich der Neuorientierung mit dem «Stadthof»-Team nicht. Am 24. März sind die Angestellten gemäss Tatzl zum letzten Mal im Einsatz.

«Fritz Tatzl ist ein hervorragender Koch und das ganze Team hat tolle Arbeit geleistet», sagt Saravanamuthu, der seit vielen Jahren in der Hafenstadt lebe und sich mit Rorschach verbunden fühlt. Das Letzte was er wolle, sei, dass der «Stadthof» schliessen müsse. Allerdings hätten sich die Besucherzahlen nicht so entwickelt, wie gewünscht. «Nach dem Konkurs brauchte es Zeit, das Restaurant wieder aufzubauen.» Deshalb sei «Sandro» auch sofort eingesprungen, als die Pächter 2016 Konkurs gingen. «Wir haben in den ‹Stadthof› investiert. Die Leute kamen aber nicht. Im ‹Capri› dagegen mussten wir Gäste aus Platzgründen wegschicken.» Als logische Konsequenz will Saravanamuthu nun auch im «Stadthof» auf italienische Küche setzten. Dazu brauche es einen sauberen Schnitt und deshalb habe er sich auch vom Personal trennen müssen. Das Lehrlingsamt kümmere sich um die vier freigestellten Lernenden und helfe ihnen, ihre Lehre in einem anderen Betrieb mit ähnlicher Küche zu beenden. «Ich bin sicher, dass sie eine neue Lehrstelle finden werden.»

Den «Stadthof» will Chandran Saravanamuthu zu einem Restaurant für alle machen, mit einem guten Preis-Leistung-Verhältnis. Insbesondere Familien seien willkommen. Ende März ist Neueröffnung. «Es wird eine Kinderecke geben und wir werden weiterhin Schnitzel-Pommes anbieten.» Die Küche werde ähnlich – aber nicht genau gleich – wie im «Capri» sein. Es gibt auch neue Öffnungszeiten: Saravanamuthu will einen Sieben-Tage-Betrieb einführen. Auch den Pavillon am See will er ebenfalls weiterhin während der Sommermonate betreiben.

Den Saal vom Restaurant trennen

Die Stadt als Eigentümerin des Betriebs schreibt dem Pächter bezüglich des Gastrokonzepts nichts vor: «Der Pächter kann das Restaurant führen, wie er will», sagt Stadtpräsident Thomas Müller auf Anfrage. Derzeit sei der Pächter auch für die Saalvermietung verantwortlich. Das will man gemäss Stadtpräsident künftig aber, wie auch in anderen Städten üblich, allerdings trennen. Wie die Bewirtschaftung des Saals gehandhabt wird, sei noch offen. Diese Woche steht gemäss Müller noch ein Gespräch mit Saravanamuthu an.

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