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RORSCHACH: Von der Walz ins Bett der Badhütte

Eine Gruppe Handwerker übernachtet kurzerhand vor Rorschachs Wahrzeichen. Mit ihrem Brauch wollen sie Melik Scheurer nach vier Jahren Wanderschaft zurück in seine Heimat Wattwil begleiten.
Jolanda Riedener
Melik Scheurer (mit blauer Schleife) mitten unter seinen Handwerkerfreunden. (Bild: Jolanda Riedener)

Melik Scheurer (mit blauer Schleife) mitten unter seinen Handwerkerfreunden. (Bild: Jolanda Riedener)

RORSCHACH. Ein bunter Haufen verbrachte die Nacht auf gestern vor dem Metalltor der Rorschacher Badhütte. Die 17 Handwerker begleiten ihren Kollegen Melik Scheurer während einer Woche von Nürnberg nach Wattwil. Dieser kehrt nach vier Jahren auf der Walz in seine Heimat zurück. Tradition, ihr Handwerk und Freundschaft ist, was die Gruppe verbindet.

Um halb neun Uhr tragen die ersten bereits ihre traditionelle Kluft: Schlaghosen, weisses Hemd, Weste mit acht Knöpfen, Jacke mit sechs Knöpfen, zur Krönung einen schwarzen Hut. Die Meisten sind noch in ihrem Schlafsack eingepackt und trinken Kaffee. «Es war kühl, aber okay», ist sich die Runde einig. Bei sieben Grad übernachteten die Handwerker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auf dem Holzboden vor der Badhütte, wo im Sommer die Tische und Stühle des Restaurants stehen. Es riecht nach abgestandenem Zigarettenrauch.

Melik Scheurer ist 24 Jahre alt und machte sich nach der Ausbildung zum Steinbildhauer für vier Jahre auf Wanderung. «Ich wollte die Welt sehen», sagt Scheurer. Lange war er in Deutschland unterwegs und bot sein Handwerk für den landesüblichen Lohn an. Seine Reise führte ihn weiter nach Dänemark, England, Neuseeland und Sri Lanka, wo er an einem Projekt der katholischen Kirche arbeitete.

Die Handwerker marschieren mit Stock und Gepäck in Richtung Rathaus. Ein älteres Ehepaar bleibt stehen und schaut der Gruppe nach. Im Rathaus lassen sie sich einen Stempel in ihr Wanderheft geben. «Es beinhaltet Arbeitszeugnisse und dokumentiert, wo wir überall waren», sagt Scheurer. Auch im Rathaus bringen die Handwerker die Angestellten zum Staunen: So viele Gesellen auf einmal seien noch nie hier gewesen.

Reaktionen sind unterschiedlich

«Nicht überall ist diese Tradition so bekannt wie hier», sagt Scheurer. Die Reaktionen auf ihr Auftreten seien unterschiedlich: «In Neuseeland hielt man uns für Fans von <Herr der Ringe> und in Sri Lanka dachte man, wir sind schwul.» Früher war es für die Handwerksmeister Pflicht, auf Wanderschaft zu gehen. Heute tun es einige, um Berufserfahrung zu sammeln und das Handwerk zu verfeinern. Scheurer zum Beispiel bearbeitet heute nicht mehr nur Stein, sondern auch Holz. Immer mit dabei haben die Wanderer Arbeitskleidung, Schlafsack und etwas Werkzeug.

Der Grund für ihn heimzukehren, ist der Zivildienst, den Melik Scheurer leisten muss. Nach vier Jahren ständig unterwegs freut er sich aber darauf: «Ständig etwas Neues aufzubauen, ist anstrengend.» Die einwöchige Reise wird am Samstagnachmittag in Wattwil enden. Gearbeitet haben die Kollegen während dieser Zeit aber nicht. Vielmehr war es eine Feier, um Melik Scheurer nach Hause zu begleiten. Davor geht es nach St. Gallen und Altstätten. «Wo wir heute Nacht pennen, werden wir sehen», sagt Scheurer.

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