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RORSCHACH: Mit Nerven und Empathie

Nach 37 Jahren geht Paul Huber, Leiter der Sozialen Dienste, in Pension. Sein Handeln vergleicht er mit einer Mischung aus Mutter Theresa und John Wayne.
Res Lerch
Die Probleme der Hilfesuchenden habe Paul Huber jeweils ernst genommen. (Bild: Res Lerch)

Die Probleme der Hilfesuchenden habe Paul Huber jeweils ernst genommen. (Bild: Res Lerch)

Res Lerch

redaktionot@tagblatt.ch

Die Sozialhilfekosten und Armut sind mediale Dauerthemen. Wenn jemand die Schattenseiten des Daseins in Rorschach bestens kennt, dann ist es Paul Huber. Nicht anonym, wie in den Medien, sondern von Angesicht zu Angesicht. Nach 37 Dienstjahren tritt er Ende April von der sozialen Bühne ab. Und wer über fast vier Jahrzehnte in diesem Metier tätig ist, hat sich Automatismen zugelegt, die eine derart lange Zeit in diesem Spannungsfeld überhaupt möglich machen. «Ohne viel Gespür, ein gutes Nervenkostüm und Empathie geht das nicht», sagt Huber.

Es war der 3. Januar 1981. Im Radio lief damals landauf und landab «Woman in Love» von Barbara Streisand. Paul Huber trat seinen Job als stellvertretender Vormundschaftssekretär an und war damals auch Stellvertreter von Walter Luchsinger. 1986 übernahm er die Leitung des Vormundschafts- und Sozialversicherungsamtes. 2001 erfolgte in Rorschach der Zusammenschluss des Vormundschaftsamtes mit dem Sozialamt – mit Paul Huber als Gesamtleiter. «Diese Konzentration hat sich bewährt und wir konnten so auch schneller und effizienter in schwierigen Situationen reagieren.»

Kind im Stich gelassen: «Das ging mir nahe»

«Das schönste Feedback in diesem Job bekommt man immer von der Klientel selber», sagt Huber. «Ich habe in all den Jahren Menschen und Familien kennengelernt, die aus unterschiedlichsten Gründen, teils aus eigenem Verschulden aber oft auch ohne eigenes Dazutun, in eine soziale Schieflage geraten sind. Da gilt es, ein gutes Augenmass zu haben und im Hintergrund auch ein Team, das gleich tickt». Huber hat Menschen temporär begleitet, die eine Zeit lang auf Sozialhilfe angewiesen waren und sich dann wieder aus der Unterstützung verabschiedet haben. Aber er hatte auch mit Menschen zu tun, die nicht mehr in der Lage sind, Eigenständigkeit zu erhalten und deshalb unterstützungsbedürftig bleiben.

Markante und auch prägende Erlebnisse prägten die 37 Jahre. Paul Huber erinnert sich an ein Kind, das von seinen Eltern regelrecht verlassen wurde. «Das ist mir sehr nahe gegangen. Aber der immense Aufwand auf vielen Ebenen hat sich gelohnt. Die Geschichte ist für den heute Jugendlichen gut ausgegangen», freut sich Huber heute noch. Gleichzeitig gab es viele kranke und beeinträchtigte Menschen, die durch alle Ämter ohne Unterstützung der IV begleitet wurden.

«Es ist dann wahrscheinlich eine Mischung aus Mutter Teresa und dem hüftschiessenden John Wayne, dass letztlich eine gute Balance ermöglicht», ist Huber überzeugt. «Es geht nicht, wenn man die Problematik des Hilfesuchenden schludrig bearbeitet und ihn nicht ernst nimmt. Das Gegenüber muss aber auch erkennen, dass klare Rahmenbedingungen herrschen und eine Selbstbedienungsmentalität nicht opportun ist. Wenn das beiden Seiten klar ist, dann kann man miteinander kreative Lösungswege suchen.» Die Grösse der Stadt Rorschach habe zwangsläufig dazu geführt, dass man sich auch ausserhalb der Sozialen Dienste antreffe. «Der überwiegend grosse Teil dieser Begegnungen war von gegenseitigem Respekt geprägt.»

Am Montag leistet Paul Huber seinen letzten Arbeitstag. Mit ihm wird auch Magda Brand ihren letzten Arbeitstag zelebrieren. Sie war 25 Jahre in seinem Team. «Ich werde die Professionalität des ganzen Teams vermissen, aber es war mir eine Ehre und ich schätze mich auch glücklich, Teil davon gewesen zu sein.» Weiterhin bleibt Huber während zwei Arbeitstagen pro Woche dem Vermittleramt treu. «Ich konnte mir ein Büro in den Technischen Betrieben einrichten.» Langweilig wird es ihm ganz sicher nicht, denn Velofahren, Schwimmen und Ferien machen sind angesagt.

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