RORSCHACH: Mit Neptun auf Tuchfühlung

Schutz und Rettung des menschlichen Lebens im und um das Wasser – so lautet die Devise des Seerettungsdienstes Rorschach. Zehn Kinder erhielten Einblick in die spannende Tätigkeit der Seeretter.

Franca Hess
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Philipp Gaus zeigt die Ausrüstung des Rettungsbootes, die Kinder lauschen gespannt und staunen. (Bild: Franca Hess)

Philipp Gaus zeigt die Ausrüstung des Rettungsbootes, die Kinder lauschen gespannt und staunen. (Bild: Franca Hess)

RORSCHACH. Ihr Einsatzgebiet ist der st. gallische Teil des Bodensees von Altenrhein bis nach Steinach. Alarmieren kann man sie über die Nummer 118. Mit der «Neptun II» oder der «Christophorus» sind sie im Jahr 2015 ganze 104mal ausgelaufen, um in der Not zu helfen. Die Rede ist von den Mitgliedern des Seerettungsdienstes (SRD) Rorschach. Der Ferienpass Am Alten Rhein bietet einen Kurs an, in dem Kinder einen Einblick in die Arbeit des Seerettungsdienstes bekommen.

Reinhard Bock und Philipp Gaus sind mit 50 und 35 Dienstjahren bereits alte Hasen in der Seerettung. Gemeinsam empfangen sie die Kinder. Zuerst gibt es allerlei Informationen zum SRD Rorschach. Phillipp Gaus erzählt Wissenswertes über die Geschichte des SRD, die Ausbildung und berichtet über Highlights der Einsätze, dies alles mit einer Powerpoint-Präsentation veranschaulicht. Mit seinen spannenden und gut verständlichen Ausführungen zieht Gaus die Kinder in seinen Bann. Ruhig und interessiert hören sie zu.

Tragische und skurrile Einsätze

Mit Spannung verfolgen die Kinder die Ausführungen zu den oft tragischen, teilweise aber auch witzigen Einsätzen. Gaus erzählt von Bränden, von gekenterten Booten, abgestürzten Flugzeugen und von Leichen, die der SRD bergen musste. Aber er berichtet auch von skurrilen Einsätzen. Eine Anruferin meldete ein aufgelaufenes Schiff in ihrem Garten. Einmal sei ein entflohenes Kalb im Bodensee gelandet und habe gerettet werden müssen. Immer wieder melden sich Kinder und teilen sich mit. Wortmeldungen wie «das eine Schiff, das gebrannt hat, gehörte der Familie meiner Kollegin» oder «so etwas ist meinem Onkel auch passiert» zeigen die Anteilnahme der Kinder. Alle Rettungsschwimmer des SRD üben nebenbei einen anderen Beruf aus, und dies in Vollzeit. Der SRD ist wie die Feuerwehr organisiert. Wenn es einen Alarm gibt, dürfen sie die Arbeit verlassen. «Als Stift hatte ich immer gehofft, dass es einen Alarm gibt», gibt Gaus schmunzelnd zu. Langsam werden die Kinder hibbelig. Sie freuen sich auf die bevorstehende Fahrt mit einem der zwei Rettungsboote. Gaus merkt das und lässt die Kinder nicht länger warten: «So ich will euch nicht weiter langweilen, los geht's.»

Vollgas mit dem Rettungsboot

Voller Vorfreude besteigen die Kinder das Boot. Die Kursleiter verteilen Schwimmwesten und geben die Verhaltensregeln durch. Gaus erklärt, dass dies zwar automatische Schwimmwesten seien, sie aber auch von Hand bedient werden könnten. «Wer daran zieht, den werfen wir ins Wasser!», witzelt er. «Ach ja, und wenn jemand ins Wasser fällt, ruft ihr laut: <Mann über Bord>!» Endlich kann die Bootsfahrt losgehen. Gut festhalten lautet die Devise, denn Reinhard Bock gibt zünftig Gas. Immer wieder spritzt Wasser aufs Deck. Einige Kinder retten sich ins wärmere und trockene Innere, die Wagemutigen bleiben lieber draussen und wünschen gar mehr Tempo. Unterwegs zeigt und erklärt Gaus die Ausrüstung des Rettungsbootes.

Bald steuert Bock wieder auf den Hafen zu, die Zeit ist um. Heil und glücklich, aber teilweise klatschnass steigen die Kinder aus dem Boot. Nach dieser turbulenten Fahrt strecken bei der Frage «Wem schaukelt's?» praktisch alle Kinder auf.