RORSCHACH: Klamotten, Kaffee und Kuchen

Kleider ab Stange oder von Zalando kommen bei Michèle Müller und Flurina Stäheli nicht an. In Rorschach führen sie eine Veranstaltung durch, bei der Pullis gegen Hosen getauscht werden können.

Jolanda Riedener
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Flurina Stäheli (links) und Michèle Müller laden in der Rorschacher Brauerei zum Kleidertausch ein. (Bild: Jolanda Riedener)

Flurina Stäheli (links) und Michèle Müller laden in der Rorschacher Brauerei zum Kleidertausch ein. (Bild: Jolanda Riedener)

RORSCHACH. Von Gummistiefeln bis zu Cocktailkleidern gibt es am Sonntagnachmittag am «Tauschrausch» in der Kornhausbrauerei Rorschach alles. Blusen und Jacken reihen sich an der Kleiderstange, Hosen sind auf den Tischen in der Brauerei ausgebreitet. Rund 40 Personen stöbern, im Hintergrund wummert der dumpfe Bass eines Reggaesongs.

Den Event haben die beiden Freundinnen Flurina Stäheli und Michèle Müller veranstaltet. «Uns ist das Zusammenkommen am Sonntagnachmittag wichtig», sagt die 26jährige Michèle Müller, die Tochter des Braumeisters. Bei Kaffee und Kuchen, einem kühlen Bier oder einem Glas Wein soll das Anprobieren vor allem Spass machen.

Zum dritten Mal führen die beiden «Tauschrausch» durch. Der Eintritt kostet sieben Franken. Die mitgebrachten Kleidungsstücke werden an der Kasse abgegeben: Für jedes Teil erhalten die Besucher einen Jeton, diesen können sie wiederum gegen ein anderes Textil tauschen. Die Stücke werden am Eingang abgegeben und sortiert: Sommerkleider etwa kommen vorerst nicht ins Regal, sondern werden für den nächsten Event im Mai aufgehoben. Damit der Anlass spannend bleibt, verfügen Müller und Stäheli über einen Grundstock an Kleidern. Weniger interessante Mode sortieren sie mit ihren Helfern aus und spenden sie der Schweizer Berghilfe.

«Wir erleben, dass einige mit zehn Kleidungsstücken herkommen und nur zwei Teile nach Hause nehmen. Diese schätzen sie dafür umso mehr», sagt die 25jährige Stäheli. Diese Wertschätzung sei ein Ziel der Veranstaltung.

Kleidung hat einen emotionalen Wert

Mode sagt den Veranstalterinnen aber nicht so viel: «Modetrends sind uns egal.» Auch Kleidung im Internet zu bestellen, wie es viele junge Frauen zum Beispiel bei Zalando tun, kommt für die beiden nicht in Frage. «Wenn ich etwas trage, muss ich dabei ein gutes Gefühl haben», sagt Müller, die an der Zürcher Hochschule Medien und Kunst studiert. «Kleider kaufe ich gerne in den Ferien, dann haben sie für mich einen emotionalen Wert und sind ein Andenken.»

Kennengelernt haben sich die beiden auf der Gastrofachschule, später wohnten sie zusammen in St. Gallen und tauschten untereinander Kleidungsstücke aus.

Nachhaltigkeit, Regionalität und die Wertschätzung von Dingen verbindet die beiden. Das möchten sie auch den Besuchern an ihrer Veranstaltung weitergeben. «Wir hörten von Bekannten, die ihre Kleider einfach in den Abfall werfen. Für uns zwei Recyclingfreaks war das echt hart», sagt Müller. Für den selbstgemachten Kuchen verwenden sie saisonale Produkte aus der Region. Auch scheinbaren Abfall versuchen die beiden wiederzuverwerten: Sie arbeiten an Schmuck oder peppen ihre Kleidungsstücke auf, Upcycling nennt sich dieses Phänomen. Das Konzept der Wiederverwertung scheint am «Tauschrausch» aufzugehen: Die Brauerei ist an diesem Nachmittag gut gefüllt. In der aus Bierharassen gebauten Umkleidekabine werden einige Jeans probiert und finden auch einen neuen Besitzer.