Rorschach ist «krimineller»

Die Stadt St. Gallen wird gerne als Kriminalitätshochburg des Kantons bezeichnet. In absoluten Zahlen stimmt das zwar. Doch die Kriminalstatistik 2012 zeigt: Im Verhältnis zur Einwohnerzahl gibt es «kriminellere» Gemeinden im Kanton.

Tobias Hänni
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In St. Gallen sind vergangenes Jahr 6927 Straftaten registriert worden, rund 2 Prozent mehr als 2011. Für einmal steht damit die Hauptstadt in der Kriminalstatistik besser da als der Gesamtkanton. In diesem hat die Kriminalität im Jahr 2012 insgesamt um 6,4 Prozent zugenommen. Bei den Drogendelikten, die nach dem Betäubungsmittelgesetz in der Statistik separat ausgewiesen werden, gab es in der Stadt St. Gallen eine Zunahme von rund 30 Prozent auf 1496 Zuwiderhandlungen.

Betrachtet man die Anzahl der Fälle, belegt die Kantonshauptstadt mit knapp 7000 Straftaten und rund 1500 Drogendelikten den einsamen Spitzenplatz unter den Gemeinden im Kanton. Bei einem genaueren Blick in die Kriminalstatistik 2012 zeigt sich aber: St. Gallen ist im Verhältnis zur Einwohnerzahl nicht die Kriminalitätshochburg des Kantons, für das es nach landläufiger Meinung gerne gehalten wird.

Grenznähe als Risiko

Mit 94,2 Straftaten pro 1000 Einwohner liegt St. Gallen deutlich hinter Wil, das 102,4 Straftaten aufweist. Erstaunlich auch, dass St. Margrethen (101,3) und Rorschach (99,1 Straftaten) «krimineller» als St. Gallen sind (Grafik). Auch bei den Drogendelikten nimmt nicht St. Gallen, sondern Buchs den Spitzenplatz ein. In der Rheintaler Gemeinde gibt es auf 1000 Einwohner 21,4 Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei, nennt verschiedene Gründe für die vergleichsweise hohe Kriminalitätsrate in den kleineren regionalen Zentren. «Zum einen stellt die Grenznähe ein erhöhtes Risiko dar», sagt er mit Bezug auf Grenzgemeinden wie St. Margrethen oder Buchs. Zum andern spiele die gute Anbindung dieser Städte ans Autobahnnetz eine Rolle: «Für osteuropäische Banden, die mit Autos zu den Tatorten fahren, sind dies ideale Ziele.»

Heinz Indermaur, Sekretär der städtischen Direktion Soziales und Sicherheit, hat noch eine andere Erklärung dafür, dass St. Gallen bei der Kriminalität nicht an erster Stelle steht. «Im Gegensatz zu Rorschach beispielsweise haben wir ein eigenes Polizeikorps.» Dass die Stadtpolizei auch in der Nacht Präsenz zeige, sei in der Kriminalitätsbekämpfung ein klarer Vorteil.

Rekordhalter Lausanne

Auch im nationalen Vergleich ist die Kriminalitätsrate in St. Gallen eher tief. Gesamtschweizerischer Rekordhalter ist Lausanne, wo auf jeden fünften Einwohner eine Straftat kommt. Sogar in der vermeintlich beschaulichen Tourismus-Destination Luzern werden – im Verhältnis zur Einwohnerzahl – mehr Delikte verübt als in St. Gallen. Von den acht grössten Schweizer Städten weist lediglich Winterthur eine noch geringere Zahl von Straftaten pro 1000 Einwohner auf. Auch bei den Drogendelikten bewegt sich St. Gallen im hinteren Drittel des Städtevergleichs und belegt hinter Basel und Luzern den drittletzten Platz.

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