Rorschach im Bann der Stimmen

RORSCHACH. Die zehnte Auflage des A-cappella-Festivals überzeugt bisher musikalisch auf der ganzen Linie. Bliss ernten am Freitag Standing Ovations. Am Samstag folgt ein hochklassiger Restaurant-Abend, wie ihn das Festival noch selten erlebt hat.

Corina Tobler
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Mit Herzblut: Bliss verkörpern im Stadthofsaal die Schweizer Vertretung am Eurovision Song Contest.

Mit Herzblut: Bliss verkörpern im Stadthofsaal die Schweizer Vertretung am Eurovision Song Contest.

Zwei Erfolgsgeschichten kommen an diesem Freitagabend im Stadthofsaal zusammen. Das Rorschacher A-cappella-Festival, im Jahr 2003 von einer Gruppe Musikbegeisterter ins Leben gerufen, hat sich national und international einen Namen gemacht. Bliss kamen 2008 als aufstrebende Formation erstmals für einen Auftritt im Restaurant in die Hafenstadt. Ein Jahr später konzertierten sie im Stadthofsaal. Dieses Jahr kehrten sie als eine der erfolgreichsten Schweizer Formationen zurück, um das zehnte Festival zu eröffnen.

Gesang und Comedy vereint

Ihr Programm «Euromission» nimmt den «Null-Punkte-Fluch» der Eidgenossenschaft am Eurovision Song Contest aufs Korn. Als diesjährige Vertretung auserkoren, versuchen Bliss die Ehre der Schweiz zu retten. Die Gruppe des nervösen Managers (Christian Hiesch) hat allerdings interne Prioritäts- und Kommunikationsprobleme. Der eitle Schlagerstar mit Rockerherz (Claudio Tolfo) sorgt sich mehr um sein spärliches Haar als um den Sieg. Der welsche Frauenheld (Matthias Arn) sieht die Musik als Mittel zum Bezirzen der Zuhörerinnen, der Bündner Bauer (Tom Baumann) würde lieber rappen statt singen. Der notfallmässig in die Gruppe gerutschte Deutsche (Lukas Hobi) kämpft mit dem Schweizerdeutschen, und dem ungarischen Stoiker (Viktor Szlovak) am Bass ist alles gleichgültig.

Die überzeugend gespielten Charaktere schaffen es aber trotzdem singenderweise vom «Highway to Hell» über «Chasing Cars» und «Man in the Mirror» auf die Eurovisionsbühne. Dort treten sie nicht nur als Schweizer mit einem von Volks-, Rap-, Rock- und Popmusik gespickten Beitrag auf, sondern verkörpern auch betrunkene Engländer, glitzernd eingekleidete Griechen, Tschechen mit zwei linken Beinen und aufbegehrende Iren. Mit ihrem musikalischen und komödiantischen Können reissen Bliss das Publikum von den Stühlen – ein Festival-Auftakt nach Mass.

Fünf Formationen, fünf Länder

Der Samstag knüpft nahtlos daran an. Die Gäste in den Rorschacher Lokalen kommen in den Genuss eines beeindruckenden Programms. Die fünf Gruppen stammen aus ebenso vielen Ländern und ziehen das Publikum mit vielfältigem Repertoire in ihren Bann. Im «Mariaberg» machen die Österreicher von Safer Six mit einem Querschnitt durch Rock und Pop den Auftakt. Auf sie folgt die ungarische Formation Vivat Bacchus, die einen tollen Auftritt bietet. Ihr stimmgewaltiger, mehrsprachiger und sympathisch dargebotener Querschnitt durch Trinklieder, Beatbox und Klassik löst wahre Begeisterungsstürme aus.

Etwas leisere Töne schlägt die Weinfelder Gruppe Rolls Voice an. Sie besticht mit gepflegtem, jazzigem Klang und landet mit dem amüsanten Roger-Cicero-Song «Nicht artgerecht» einen Hit. Die Lacher auf ihrer Seite hat auch die einzige Frauengruppe, die Zuckerröhren aus Berlin. Der Name täuscht: Von der TV-Show «Bauer sucht Frau» bis hin zur künstlerischen Selbstverliebtheit ist nichts vor den Eigenkompositionen der Damen sicher. Weniger scharfzüngig, aber umso charmanter und mit viel Italianità lassen Mezzotono aus Apulien den Abend ausklingen. Der Funke springt auch hier über; die Gäste fordern lautstark Zugabe. Die gibt's – am kommenden Wochenende.

Mit Schalk: Die Zuckerröhren überzeugen im «Mariaberg» mit witzigen Eigenkompositionen. (Bilder: Corina Tobler)

Mit Schalk: Die Zuckerröhren überzeugen im «Mariaberg» mit witzigen Eigenkompositionen. (Bilder: Corina Tobler)

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