Rorschach hat auch Meerjungfrauen

Miriam Elisabeth Furgler stammt eigentlich aus zwei ganz verschiedenen Welten. Als sie im lettischen Riga geboren wurde, war Europa noch geteilt. Lettland gehörte damals zur Sowjetunion, und der Kalte Krieg teilte unseren Kontinent in West und Ost auf.

Res Lerch
Drucken
Teilen
Miriam Elisabeth Furgler präsentiert ihre Meerjungfrauen. (Bild: Res Lerch)

Miriam Elisabeth Furgler präsentiert ihre Meerjungfrauen. (Bild: Res Lerch)

Miriam Elisabeth Furgler stammt eigentlich aus zwei ganz verschiedenen Welten. Als sie im lettischen Riga geboren wurde, war Europa noch geteilt. Lettland gehörte damals zur Sowjetunion, und der Kalte Krieg teilte unseren Kontinent in West und Ost auf. Und es war schon fast eine kleine Sensation, als Furgler im April 1989 ausreisen durfte und sich hier in Rorschach niederliess. Möglich haben das nicht nur ihre guten Beziehungen in der Regierung gemacht, sondern vor allem ihre Liebe zu Walter. «Ich bin die erste Lettin, die noch vor der ganz grossen Wende in die Schweiz ziehen durfte», freut sie sich heute noch.

*

Wer sich heute mit ihr unterhält, landet früher oder später bei den Meerjungfrauen und beim Bernstein. Während die Meerjungfrauen in die Welt der Phantasie gehören, ranken sich um das Material Bernstein – nicht zuletzt wegen dem legendären und noch verschollenen Bernsteinzimmer – wilde Geschichten. Ein bisschen realer wird es im Atelier der Rorschacher Malerin. «Mit dem Malen kann ich vieles verbinden und verarbeiten, und meine Meerjungfrauen sind denn auch eher eine Verbindung von Quallen mit meiner Ausbildung als Modefachfrau», verrät sie. Und das Thema Bernstein fasziniert sie schon seit jeher, denn an den Küsten Rigas wurde dieses kostbare Material vielfach angespült.

*

Miriam Elisabeth Furgler hat an der Fachhochschule in Riga Mode studiert. Das erstaunt insofern wenig, da auch ihre Eltern künstlerisch tätig waren. Ihr Vater war ein bekannter Kunstschmied in Lettland und ihre Mutter war als Vitragistin – Gestalterin von Kirchenfenstern – und als Kinoplakatmacherin tätig. Als Modedesignerin musste sie nicht nur gut zeichnen können, sondern schon früh mit Farben arbeiten. «Seit ich in der Schweiz bin, habe ich mich mehrheitlich auf das Malen konzentriert und durfte meine Werke schon vielerorts ausstellen. Ich arbeite immer noch ganz bewusst nicht nach einer Vorlage, sondern frei aus meinem Kopf und lasse so auch meiner Phantasie freien Lauf.»

*

Miriam Elisabeth Furgler hat ein etwas flippiges Flair. Das überträgt sich fast nahtlos in ihre Bilder. Die Gesamtzahl aller Werke liegt mittlerweile bei rund einhundert Bildern. Malen wird sie weiterhin mit viel Engagement und Phantasie. Und vielleicht geht auch noch ein Wunsch ihrerseits in Erfüllung: «Eigentlich würde ich gerne mein Schaffen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen und suche daher einen Ausstellungsplatz. Ich bin da völlig offen», sagt sie.

*

Ihre Werke bieten mehr als Meerjungfrauen und Bernsteinbilder. Man findet bei ihr auch Bilder mit geographischen Strukturen in mutigen Farbkombinationen. Sie modelliert zudem Figuren und Büsten und hat nach wie vor einen starken Hang zur Mode. «Da kann ich sehr gut ganz extravagante Sachen – aktuell kreiere ich Winterkopfschmuck – für mich allein herstellen, die ich dann am liebsten beim Promenieren zeige», sagt sie und fügt auch gleich an: «Aber nicht in Rorschach. Das passiert dann eher in St. Moritz.»

In dieser Rubrik werden in loser Folge Menschen aus der Region, die man aus dem Alltag kennt, näher vorgestellt.

Bild: Res Lerch

Bild: Res Lerch

Aktuelle Nachrichten