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RORSCHACH: Giftige Körnchen im Kunstrasen

Laut einem holländischen Journalisten könnte ein Granulat in Kunstrasen gesundheitliche Risiken für Fussballer bergen. Ein solches Granulat kommt auch auf einem Allwetterplatz der Region zum Einsatz.
Sandra Grünenfelder
Granulat aus alten Pneus, wie auf dem Kunstrasen der Sportanlage Kellen, kann gesetzliche Grenzwerte überschreiten. (Bild: Sandra Grünenfelder)

Granulat aus alten Pneus, wie auf dem Kunstrasen der Sportanlage Kellen, kann gesetzliche Grenzwerte überschreiten. (Bild: Sandra Grünenfelder)

RORSCHACH. Der mediale Aufschrei war gross, nachdem ein holländischer Journalist Anfang Oktober seinen Film «Gefährliches Spiel» präsentierte. Wie der «Landbote» und weitere Medien berichteten, macht er darin auf die gesundheitlichen Risiken eines Gummigranulats aufmerksam. Das recyclierte Produkt aus alten Autoreifen wird auf vielen Kunstrasenplätzen eingesetzt und soll unter anderem auch Weichmacher enthalten, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein.

In der Region Rorschach gibt es mehrere Kunstrasen, auf denen regelmässig Fussball gespielt wird: in den Sportanlagen Bützel, Kellen und Rheineck. Setzen Sportlerinnen und Sportler auch hier ihre Gesundheit aufs Spiel?

Granulat aus alten Pneus auch in Tübach

Nicht so in der Sportanlage Bützel in Buechen. «Denn wir verwenden kein Granulat», erklärt Herbert Perchtold, Leiter des Bauamts in Thal. Künstliche Allwetterplätze können in verschiedenen Varianten erstellt werden. Die unverfüllten Kunstrasen wie auf dem Bützel verzichten auf ein Granulat. Bei dieser Variante sind die Kunststofffasern des Teppichs so dicht miteinander verwebt, dass die Borsten keine zusätzliche Stütze durch ein Granulat benötigen. Von gesundheitlichen Aspekten abgesehen, biete diese Form des Kunstrasens weitere Vorteile, sagt Perchtold. Einer davon sei die leichtere Wartung. «Wir müssen den Platz lediglich alle zwei bis drei Wochen saugen und aufbürsten.» Der verfüllte Kunstrasen hingegen ist mit einem Gummigranulat aufgefüllt, das dafür sorgt, dass die Kunststoffborsten gerade stehen. Dieser Kunstrasen muss regelmässig gereinigt und das fehlende Granulat ergänzt werden.

So wie auf dem Kunstrasenplatz in Rheineck. Hier spielen die Fussballer auf Gummigranulat. Dennoch laufen sie keine Gefahr, ein gesundheitliches Risiko einzugehen. Denn bei der Granulatfüllung handelt es sich um hochwertiges EPDM-Granulat, wie Markus Zünd, der Amtsleiter in Rheineck auf Anfrage mitteilt. Ähnlich wie im Fall der Niederlande setzt hingegen die Sportanlage Kellen in Tübach, wo sich gerade 200 Kinder zum Fussballcamp treffen, auf ein Granulat aus Recyclingmaterial. Womöglich bestehe das Granulat aus alten Autoreifen, wie Thomas Würth, Verwaltungspräsident des Zweckverbandes Kellen, bestätigt. «Dass ein gesundheitliches Risiko von dem Granulat ausgehen könnte, war in der Vergangenheit nie ein Thema», sagt er. Die Thematik werde aber in der nächsten Sitzung behandelt. «Dann entscheiden wir, ob eine fundierte Untersuchung eingeleitet werden muss.» Es wäre verfehlt, jetzt in Panik auszubrechen, so Würth. Denn konkrete Hinweise auf eine Gefahr würden keine bestehen. Als die Anlage vor acht Jahren gebaut wurde, habe man Wasserproben untersucht. «In den Proben wurde keine schädliche Belastung festgestellt.»

In Sporthallen empfiehlt sich eine gute Lüftung

Auch beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist man mit dem Thema vertraut. Auf 1. September 2016 wurde der Grenzwert für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe – sie stehen im Verdacht Krebs zu erregen – für Produkte, die mit der Haut oder mit dem Mund in Kontakt kommen könnten, auf ein Milligramm/kg gesenkt. «Bei Kunstrasen aus rezyklierten Pneus liegt der Wert teilweise darüber», sagt Mediensprecher Daniel Dauwalder. Das BAG gibt trotzdem Entwarnung. Nach einer Risikobewertung kommt es zum Schluss, dass nach wie vor kein erhöhtes Gesundheitsrisiko für Kunstrasen besteht, empfiehlt aber in Sporthallen eine gute Lüftung. Das Bundesamt für Sport teilt auf Anfrage mit, dass es sich in seinen Empfehlungen von Kunstrasen auf bautechnische Normen beschränkt. Der Entscheid für oder gegen ein Material liege bei der Bauherrschaft.

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