RORSCHACH: Für die Tourist-Info wird es eng

Die SBB wollen Billette nur noch selber verkaufen. Geschäfte, die ebenfalls Tickets im Angebot haben, fürchten um ihre Existenz. So auch die Tourist-Information in Rorschach.

Martin Rechsteiner
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Ohne SBB-Billette ist die Zukunft der Tourist-Information am Hafen ungewiss. (Bild: Martin Rechsteiner)

Ohne SBB-Billette ist die Zukunft der Tourist-Information am Hafen ungewiss. (Bild: Martin Rechsteiner)

RORSCHACH. Die Ankündigung der SBB, Billette künftig nicht mehr über Dritte zu verkaufen, hat vergangene Woche Aufsehen erregt. Stellen wie die Post, die Kioske, Migrolino oder Stationshalter sollen ab spätestens 2018 vom Geschäft ausgeschlossen sein. Die SBB wollen so pro Jahr fünf Millionen Franken sparen. Dies löst bei den Betroffenen Verkaufsstellen Missmut aus.

So auch bei St. Gallen-Bodensee Tourismus, welcher die Tourist-Information am Hafen Rorschach betreibt: «Natürlich bedauern wir den Entscheid der SBB, die Verträge nicht mehr zu verlängern», sagt Tourismusdirektor Frank Bumann. Der Verkauf von Bahnbilletten sei ein wichtiges finanzielles Standbein der Tourist-Information in Rorschach. «Verlieren wir dieses, ist unklar, wie es weitergeht.» Dies könne sich negativ auf den starken Tagestourismus während der Sommermonate in der Hafenstadt auswirken. «Jetzt müssen wir mit der Stadt das Gespräch suchen», sagt Frank Bumann. Ob diese möglicherweise in den Erhalt der Tourismus-Information investieren wolle, gelte es nun abzuklären.

Der Bundesrat soll helfen

Der Rorschacher Stadtpräsident und Nationalrat Thomas Müller ist aber bereits anderweitig aktiv geworden. In Bern hat er einen Vorstoss eingereicht. Für Müller stehen die fünf Millionen Franken jährlicher Ersparnis für die SBB in einem Missverhältnis zum Leistungsabbau, da allein in der Ostschweiz 20 Verkaufsstellen betroffen wären. In seinem Vorstoss fragt er den Bundesrat deshalb an, ob sich dieser für den Erhalt der Drittverkaufsstellen einsetzen könne. «Gerade im Fall Rorschach hätte diese Massnahme der SBB einen spürbaren Abbau des Service public zur Folge», sagt Thomas Müller. Denn die Rorschacherinnen und Rorschacher müssten für einen Billettkauf jedes Mal von der Stadtmitte an den SBB-Schalter am Hauptbahnhof gehen – sofern sie weder online noch am Automaten am Stadtbahnhof ihre Billette lösen können.

In Goldach und Flawil könnten gar keine Billette mehr am Schalter gekauft werden. «Es ist wichtig, den Dialog mit den SBB selbst zu suchen», sagt Müller. «Am Mittwoch dieser Woche habe ich SBB-CEO Andreas Meyer am Rande der Herbstsession in Bern getroffen.» Grundsätzlich zeigten sich die SBB gesprächsbereit. Jetzt wolle er sehen, was passiere und wie sich die Gespräche entwickelten. «Ich bin aber davon überzeugt, dass wir eine gute Lösung finden.»

Das Billett per Telefon bestellen

Natürlich nehmen die SBB den Unmut der Drittverkäufer ernst, sagt SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi. Die Kritik weist er aber zurück: «Wer sein Ticket weder am Automaten, im Internet noch am Schalter lösen will, kann das telefonisch tun.» Der Kundendienst helfe gerne und sende bestellte Billette innerhalb von drei Tagen gegen eine Gebühr von fünf Franken per Post zu, sagt der Mediensprecher. «So kommen alle zu ihrem Billett.»

Der Bund verlange von den SBB auch, dass diese haushälterisch mit ihren Mitteln umgehen. «Da inzwischen weniger als ein Prozent aller Billette über Dritte verkauft wird, ist dieser Stop für die SBB eine zwingende Sparmassnahme», sagt Pallecchi. «Und», das sei nicht von der Hand zu weisen, «vier von fünf Billetten werden heute nicht mehr am Schalter verkauft.» Auch die SBB müssten mit dem technologischen und gesellschaftlichen Wandel gehen.