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RORSCHACH: Frau Försterin

Gerade einmal zwei Revierförsterinnen gibt es im Kanton St.Gallen. Eine ist die 22jährige Corina Stolz. «Alleine unter Männern» – für die neue Försterin des Reviers Rorschach-Sitter kein Problem.
Linda Müntener
Corina Stolz vermisst Baumstämme im Witenwald. Die 22-Jährige schätzt das Arbeiten an der frischen Luft. (Bild: Linda Müntener)

Corina Stolz vermisst Baumstämme im Witenwald. Die 22-Jährige schätzt das Arbeiten an der frischen Luft. (Bild: Linda Müntener)

Corina Stolz zieht die Arbeitsjacke an und wirft ihren blonden Pferdeschwanz nach hinten. Es ist ein kalter, nebliger Herbstmorgen. Der Boden im Witenwald ist mit bunten Blättern bedeckt. Die zierliche Frau schnallt sich das Messgerät ums Handgelenk und steigt auf den Baumstamm. Routiniert vermisst sie diesen und markiert ihn an der Vorderseite. Das Holz werde später an die Goldacher Firma Eilinger geliefert, erklärt sie. «Wieder etwas erledigt», sagt Corina Stolz und lächelt zufrieden. Ihre Pendenzenliste ist lang. Seit Anfang Oktober ist die 22-Jährige Revierförsterin im Forstrevier Rorschach-Sitter.

«Ich habe mich gut eingelebt», sagt Corina Stolz. Das ganze Gebiet kenne sie aber noch nicht. 1500 Hektaren Wald umfasst das Forstrevier Rorschach-Sitter. Für dieses ist Corina Stolz gemeinsam mit Revierförster Benjamin Gautschi zuständig. Eine spannende Aufgabe, sagt sie. Das Gebiet ist weitläufig, es gibt über 600 Waldeigentümer, private und Gemeinden. Für sie alle ist Corina Stolz Ansprechpartnerin.

Arbeitsplatz im Wald und im Büro

Die 22-Jährige ist eine der wenigen Frauen in der von Männern dominierten Branche. Lediglich zwei Revierförsterinnen gibt es im Kanton St.Gallen. Ein Grund für die tiefe Frauenquote sei wohl die erforderliche Ausbildung zur Forstwartin, sagt Corina Stolz. Diese sei körperlich anspruchsvoll. Sie selbst habe schon im Elternhaus gelernt, was es heisst, anzupacken. Im Garten oder im Haushalt zu helfen, ist für Corina Stolz selbstverständlich. Aufgewachsen ist sie im ländlich gelegenen St.Pelagiberg. Die sechs Kilometer zur Schule in Bischofszell fuhr sie täglich mit dem Velo.

Auf die Forstbranche wurde sie während der Oberstufe durch einen Bekannten aufmerksam. Corina Stolz war neugierig, schnupperte und merkte schnell: «Das will ich machen.» Die Bewegung, die Natur und die Ruhe des Waldes schätzt sie auch heute. So entschied sie sich für eine dreijährige Ausbildung zur Forstwartin im Forstrevier Ottenberg. Eine intensive Zeit. Ob Traktorfahren oder der Umgang mit Motorsägen und Maschinen – was viele ihrer Berufsschulkollegen schon vom elterlichen Landwirtschaftsbetrieb kannten, musste sie von Grund auf lernen. Mit Erfolg: Ihre Lehre schloss sie mit der Bestnote des Jahrgangs ab.

An die körperliche Belastung habe sie sich gewöhnt. «Gerade als Frau erträgt man diese aber nicht bis ins hohe Alter», sagt Corina Stolz. Deshalb absolvierte sie die Diplomausbildung zur Försterin mit Praktikum im Forstrevier Kirchberg. Als der dortige Revierförster auf Weltreise ging, übernahm sie die Stellvertretung. Ein Jahr lang hat sie das Forstrevier Kirchberg betreut, dann ist sie ins Forstrevier Rorschach-Sitter gewechselt. Als Revierförsterin plant Corina Stolz hier die Eingriffe in die Bestände der öffentlichen Wälder. Sie entscheidet, welche Bäume gefällt oder gepflanzt werden, wo ausgelichtet oder verjüngt werden muss. Privaten Waldeigentümern steht sie auch beratend zur Seite. Ausserdem leistet sie Öffentlichkeitsarbeit, führt Schulklassen oder Kindergärtler durch den Wald. Ein grosser Teil ihrer Arbeit sind administrative Aufgaben. Diese Kombination aus Büro und Wald sagt ihr zu. Im Forstwerkhof setzt sie sich für den technischen Fortschritt ein. Die Arbeitsrapporte werden via Tablett eingetragen, der Arbeitskalender soll den Teammitgliedern digital zugänglich sein. «Benjamin und ich sind als junges Team innovativ und offen für Neues», sagt sie und schmunzelt.

Corina Stolz fühlt sich sichtlich wohl im neuen Team. «Alleine unter Männern zu sein, ist für mich kein Problem», sagt sie lachend. Sie sei auf ihrem beruflichen Weg noch nie aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt gewesen. «Der Umgang ist familiär», sagt sie. Ob Mann oder Frau, spiele da keine Rolle.

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