RORSCHACH: Erziehung ist auch Männersache

Nach der Geburt eines Kindes steht Schweizer Arbeitnehmern laut Gesetz ein Ferientag zu. Für viele ist das zu wenig. Einige Unternehmen der Region Rorschach sind aber bereits grosszügiger.

Sandra Grünenfelder
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Heutzutage sorgen viele Eltern gleichberechtigt für ihren Nachwuchs. (Bild: Fotolia)

Heutzutage sorgen viele Eltern gleichberechtigt für ihren Nachwuchs. (Bild: Fotolia)

Die klassische Rollenverteilung von Mann und Frau scheint ein Auslaufmodell zu sein. Moderne Männer sind nicht mehr bloss Ernährer, sondern wollen auch in Sachen Kindererziehung gleichberechtigt sein. Eine Volksinitiative des Vereins «Vaterschaftsurlaub jetzt» fordert deshalb einen bezahlten Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen. Bisher steht jedem Arbeitnehmer in der Schweiz für die Geburt eines Kindes ein Ferientag zu. Unternehmen sind jedoch frei, mehr zu gewähren. Wie viel Papi-Zeit geben Arbeitgeber aus der Region Rorschach ihren Mitarbeitern? Eine Umfrage zeigt: Es gibt Unternehmen, bei denen frischgebackene Väter mehr als das gesetzliche Minimum erhalten.

So etwa die Starrag AG in Rorschacherberg. Dort darf sich jeder Mitarbeiter auf fünf Tage bezahlten Vaterschaftsurlaub freuen. «Wir sind in diesem Bereich sehr fortschrittlich», sagt Personalleiter Urs Bänziger. Das liege auch daran, dass die Starrag AG dem Gesamtarbeitsvertrag der Maschinenindustrie unterstellt sei. Auch bei der Nestlé Suisse SA in Rorschach steht laut Muriel Högger, Mitarbeiterin in der Personalabteilung, Männern ein verlängerter Vaterschaftsurlaub von fünf Tagen zu. Mitarbeiter der Firma Stürmsfs in Goldach erhalten zwei Tage bezahlte Freizeit und dazu 500 Franken als Geburtsgeschenk.

Verständnis von Arbeitgeberseite ist wichtig

Die Firma Permapack in Rorschach gewährt ihren Mitarbeitern das gesetzlich vorgeschriebene Minimum von einem Tag. Gemäss Personalleiter Peter Gasser könne aber auf Wunsch des Arbeitnehmers nach der Niederkunft der Partnerin ein unbezahlter Urlaub von bis zu fünf Tagen eingezogen werden. «Diese Regelung hat bisher gut funktioniert. Von Seiten der Mitarbeiter gibt es zudem nur wenig Nach­frage», sagt Gasser. Gleiche Bedingungen gelten auch für Mitarbeiter der Amcor Flexibles ­Rorschach AG. Für den Geschäftsführer Roger Wick ist die Regelung nach Obligationenrecht gut vereinbar, solange von Arbeitgeberseite auch ein gewisses Mass an Verständnis für den Mitarbeiter eingeräumt wird. «Wenn jemand länger als einen Tag zu Hause bleiben möchte, sind wir so flexibel und gewähren ihm Ferien», sagt er. Als Präsident des Arbeitgeberverbands Rorschach und Umgebung hält Wick eine Erhöhung des Vaterschaftsurlaubs nicht für notwendig. «Die einzelnen Unternehmen sollen selbst entscheiden, wie viel Tage Vaterschaftsurlaub sie ihren Mitarbeitern gewähren.» Dieser Spielraum solle nicht von der öffentlichen Hand diktiert werden. Das sieht Sylvia Sturzenegger, Stellenleiterin der Beratungsstelle für Familienplanung, Schwangerschaft und Sexualität des Kantons St. Gallen, anders. «Die heutige Regelung ist veraltet», sagt sie. Ein längerer Vaterschaftsurlaub wäre mehr als angebracht, weiss Sturzenegger aus Erfahrung. So erhielt die Frau in den Tagen nach der Geburt Unterstützung. Ausserdem sei diese Phase ein zentraler Moment, um eine Bindung zwischen Eltern und Kind zu schaffen.