RORSCHACH: Eine malerische Reise zu Wasser

Elisabeth und Thomas Krucker laden ab Samstag zum Rendezvous Ostschweizer Kunstschaffender ein. Unter dem Thema «Maritim» steht im Kornhaus das Wasser im Mittelpunkt.

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Das Titelbild der Ausstellung «Maritim» ist eine Postkarte der P.M.S. Mauretania, circa 1909. (Bild: PD/Abdruck Courtesy Carnival UK)

Das Titelbild der Ausstellung «Maritim» ist eine Postkarte der P.M.S. Mauretania, circa 1909. (Bild: PD/Abdruck Courtesy Carnival UK)

Das Thema könnte passender nicht sein. See, Schifffahrt, Hafen – unter dem Titel «Maritim» eröffnen Elisabeth und Thomas Krucker vom Verein Kulturfrühling am kommenden Samstag das 15. Rendezvous Ostschweizer Kunstschaffender. Im Kornhaus in Rorschach, direkt am Wasser gelegen, zeigen vier Kunstschaffende ihre Werke. Die beiden nehmen die Besucherinnen und Besucher mit an Bord auf eine malerische Reise.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das Wasser. «Ein greifbares Thema», sagt Organisatorin Elisabeth Krucker. Die vier Kunstschaffenden interpretieren es ganz unterschiedlich. Harlis Schweizer Hadjidj hat eigens für das Rendezvous eine Serie von kleinformatigen Bildern gemalt. Sie reist selber oft an Ferienorte am Meer. Eindrücke von Gewässern von Algerien bis Helsinki finden sich in den Werken der St. Gallerin wieder. Malerei, Motiv, Farbe und Form sind eng verwoben mit genauem Blick und reduzierten Ausdrucksmitteln.

Ein starker Kontrast dazu ist die Arbeit von Sonja Hugentobler. Die kleinformatigen Bilder der Künstlerin aus Trogen haben sich in den vergangenen Jahren zu raumgreifenden Bildinstallationen entwickelt. So etwa ihre Installation «Gestrandet II», für die das Foto eines grossen Schiffswracks in Übersee die Ausgangslage bildet. Sonja Hugentobler lässt Flüchtiges und Festes, Klares und Widersprüchliches gleichzeitig erscheinen.

Videoarbeit weckt Erinnerungen an grosse Pläne

Abgerundet wird die Ausstellung «Maritim» durch Christina Hemauer und Roman Keller aus Zürich. Die beiden zeigen im Kornhaus ihre Videoarbeit «la partenza», die von 2014 bis 2016 im Porto Petroli in Genua entstand. Von diesem Hafen wurde bis 1997 auch die Schweiz mittels einer Ölpipeline beliefert. «Wir haben den Film bereits an einer Ausstellung in Arbon gesehen und waren begeistert», sagt Elisabeth Krucker. Hemauer und Keller thematisieren die Beziehungen zwischen technischen Errungenschaften und Kulturgeschichte. So sind in «la partenza» Bilder vom Meer und von der Genueser Hafenlandschaft zu sehen. Dazwischen singt ein Chor, bestehend aus Hafenarbeitern, melancholische Melodien.

Die Ausstellung weckt damit auch Erinnerungen an die Zeit um 1900 bis 1950, als die Schweiz von weiteren Anschlüssen ans Meer träumte. Damals hatte man noch Pläne für die Hochrheinschifffahrt von Basel zum Bodensee und weiter mit der Bahn über die Ostalpen und zum Balkan. Diese Pläne wurden in den 60er-Jahren wieder begraben, die Ostalpenbahn durch die Neat durch Gotthard und Lötschberg ersetzt. Wie man einst von der «Schweiz am Meer» träumte, schildert der Historiker und Autor Andreas Teuscher in seinem gleichnamigen Buch. Er wird am 11. Juni an der Matinee im Kornhaus referieren (siehe Kasten).

Kultureller Nachholbedarf in Rorschach

Für die Ausstellungsmacher Elisabeth und Thomas Krucker ist es bereits das achte Jahr, in dem sie den Ausstellungsraum im Kornhaus in einen Begegnungsort für Künstler und Kunstinteressierte verwandeln. Das findet Anklang: Rund 1400 Besucherinnen und Besucher zählten sie in den zwei Ausstellungen im vergangenen Jahr. Die Besucher kommen aus der nahen und weiteren Region.

Einheimische treffen Kruckers im Kornhaus hingegen selten. «Das ist schade.» Kulturell sieht das Ehepaar in der Hafenstadt ohnehin Nachholbedarf. Es gebe keine geeigneten Ausstellungsräume für Kunst, sagt Elisabeth Krucker. «An Interesse der Künstler mangelt es nicht.» Gerade Ostschweizer Kunstschaffende schätzten diese Plattform und das Ambiente der Hafenstadt. «Das Feedback ist durchwegs positiv.» Kruckers hoffen auf einen kulturellen Aufschwung, spätestens dann, wenn das Kornhaus saniert wird. Wie lange die beiden das Rendezvous Ostschweizer Kunstschaffender noch organisieren, ist indes ungewiss.

Kruckers wollen demnächst Platz für jüngere Organisatoren machen.

Linda Müntener

linda.muentener@tagblatt.ch

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