RORSCHACH: Die Bienen verstehen lernen

Die Biene ist nicht nur Honigsammlerin, sondern auch Lebewesen. Imkerin Undine Westphal zeigt in zwei Einführungskursen, worauf es beim Imkern ankommt.

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Die Imkerin Undine Westphal erklärt den Kursteilnehmern die verschiedenen Zellen einer Wabe. (Bild: Michael Götz)

Die Imkerin Undine Westphal erklärt den Kursteilnehmern die verschiedenen Zellen einer Wabe. (Bild: Michael Götz)

Undine Westphal ist Schulimkerin an der Grund- und Stadtteilschule Hamburg-Bergstedt und hat Bücher wie «Frauenpower am Bienenstock» geschrieben. Bei der Imkerin steht nicht die Honiggewinnung im Vordergrund, sondern das Lebewesen Biene. Kürzlich gab sie auf Einladung der Natur-Imkerin Alice Oberli in Rorschach zwei Einführungskurse in das Imkern. «Was wir heute machen, ist ein Kennenlernen der Biene», betont die Imkerin. «Wir schnuppern nur. Danach seid ihr noch keine Imker, aber ihr könnt euch in etwa vorstellen, was euch erwartet.»

Bienen halten benötigt Zeit und Investitionen

Wer Bienen halten möchte, muss sich an die Spielregeln halten. Dazu gehört die amtliche Meldepflicht des Bienenstocks, um die Ausweitung der Faul- oder Sauerbrut, eine ansteckende Bienenkrankheit, zu bekämpfen. «Die Biene ist ein Sonnentier.» Darauf ist bei der Standortwahl zu achten. Einen Bienenstock darf man auch nicht verstellen, denn Bienen haben ihr «GPS» so genau eingestellt, dass sie Mühe haben, das Flugloch anzufliegen, wenn es auch nur um wenige Zentimeter verschoben wurde. Bienen halten braucht Zeit. Anfang April bis Ende Juli ist die hohe Zeit der Bienenvölker. Da muss man im Abstand von sieben bis neun Tagen am Stock arbeiten. Wer imkern will, muss mit einem Startkapital von 2000 Euro rechnen. Eine Honigschleuder allein kostet gegen 600 Euro. Auch eine Schutzkleidung gehört zum Imkern. Dann braucht es einen grossen Raum zum Lagern der Waben und der Imkerutensilien. «Bienenhaltung kostet Kraft.» Denn die Zargen, die Rahmen mit den Waben, lassen sich nicht nur mit zwei Fingern heben.

Biene ist nicht gleich Biene. Sie durchläuft verschiedene Stadien. Drei Wochen dauert es, bis die Biene aus dem Ei schlüpft, dann arbeitet sie fast drei Wochen im Stock und nur in den letzten zwei Wochen ihres fünf- bis sechswöchigen Lebens fliegt sie aus und sammelt Nektar. Bienen kennen keinen Schlaf. Während der kalten Jahreszeit bilden sie eine Traube und produzieren durch Zittern der Flugmuskulatur Wärme, mit der sie die Traube aufheizen. Die männlichen Bienen werden Drohnen genannt. Ihr einziger Lebenszweck ist es, sich mit der Königin zu paaren. Sie legt im Sommer bis zu 2000 Eier pro Tag und steuert das Volk mit Hilfe von Geruchsstoffen, die sie ausscheidet. Wer ein guter Imker werden möchte, sollte seine Bienen viel beobachten, um zu lernen. Bienen leben im Austausch mit der Umgebung. Um ihr Leben entfalten zu können, sind sie auf eine wesensgemässe Haltung angewiesen.

Michael Götz

redaktionot@tagblatt.ch