RORSCHACH: Dem Tierwohl verpflichtet

Dem Tierschutzverein Rorschach fehlt es an Kapazitäten zur Betreuung der Meldestelle. Er hat sich nun an die zuständigen Tierschutzbeauftragten gewandt und ist teilweise auf taube Ohren gestossen.

Jolanda Riedener
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Nicht jede Katze lebt so unbeschwert: Bei nicht artgerechter Haltung stehen auch die Gemeinden in der Pflicht. (Bild: (Urs Bucher))

Nicht jede Katze lebt so unbeschwert: Bei nicht artgerechter Haltung stehen auch die Gemeinden in der Pflicht. (Bild: (Urs Bucher))

«Wir haben uns Ende September schweren Herzens dazu entschieden, die Betreuung der Meldestelle zu reduzieren», schreibt Markus Mebold, Präsident des Tierschutzvereins Rorschach und Umgebung, im Jahresbericht. Die Meldestelle zu betreuen sei mit einem hohen Aufwand verbunden. Bisher war Daniela Capiaghi zuständig und betreute die Meldestelle 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Im Oktober hat sie laut Mebold ihr Amt aus beruflichen Gründen abgegeben.

Die Meldestelle nimmt Anrufe entgegen und bietet Helfer auf, zum Beispiel wenn ein Tier verletzt ist. Daniela Capiaghi habe die meisten Einsätze gleich selber getätigt. Bei vermissten oder gefundenen Tiere habe die ehrenamtliche Mitarbeiterin nach Übereinstimmungen bei der Schweizerischen Tierschutzmeldezentrale gesucht. «Handelt es sich um Wild oder Vögel, haben wir direkt mit dem Wildhüter oder der Vogelvolière St. Gallen zusammengearbeitet», sagt Mebold.

Aggressive und beleidigende Anrufer
Auf der Suche nach einer Nachfolge für die Betreuung der Meldestelle haben sich laut Mebold einige Personen gemeldet. Niemand habe das Amt aber länger behalten wollen. Einerseits seien die Anzahl der Telefonate unterschätzt worden, andererseits seien Anrufer auch unfreundlich, aggressiv und beleidigend gewesen. Der Meldedienst wird nun auf verschiedene Schultern verteilt: «Das Telefon ist nur noch ein bis zwei Stunden am Tag besetzt», sagt Mebold. Alle Helfer seien berufstätig. Eine Combox, die man regelmässig abhöre, sei eingerichtet worden.

Ausserdem verweise man Anrufer an die Tierschutzbeauftragten der jeweiligen Gemeinden. «St. Gallen ist einer der wenigen Kantone, der das so handhabt», sagt Mebold. Jede Gemeinde ernennt einen Tierschutzbeauftragten. Einen Mehraufwand seit der Änderung hat die Tierschutzbeauftragte von Rorschach, Claudia Brunner, nicht wahrgenommen. Es sei zurzeit eher ruhig. Ob es generell weniger Fälle gibt oder ob viele nicht wissen, dass die Tierschutzbeauftragten zuständig sind, kann Brunner nicht sagen. Auch für Mark Eichmann, Tierschutzbeauftragter in Thal, hat sich bisher noch nicht viel verändert. Die Zusammenarbeit mit dem Tierschutzverein funktioniert laut Eichmann gut. Auch in Rorschacherberg steht Susanne Josuran Stark regelmässig mit dem Tierschutzverein in Kontakt: «Bei Hinweisen zu nicht artgerechter Haltung wenden wir uns ans Veterinäramt», sagt sie.
«Wir pflegen mit vielen Gemeinden eine gute Zusammenarbeit», will Mebold ausdrücklich betonen. Dennoch sei das nicht überall so. Einige der Gemeinden im Einzugsgebiet, wozu Berg, Eggersriet, Goldach, Mörschwil, Rorschach, Rorschacherberg, Steinach, Thal, Tübach und Untereggen gehören, seien nicht einmal bereit, einen Mitgliederbeitrag von 40 Franken pro Jahr zu bezahlen. Mit welchen Gemeinden die Zusammenarbeit zu wünschen übrig lässt, will Mebold nicht kommunizieren. «Es laufen noch Gespräche», sagt er. Man hoffe, dass diese noch einlenken werden.