RORSCHACH: Auch Maschinen spielen Musik

In Produktionsräumen zeitgenössische Musik samt Klängen von Werkzeugen und Maschinen: Das bietet am 21. Mai «Musik im Industrieraum» in Rorschacher Betrieben mit Uraufführung eines eigens dafür komponierten Werks.

Fritz Bichsel
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Sopranstimme und Schmiedehammerklang: Barbara Camenzind und Ulisse Gianinazzi in der Schmiede Zwissler, der ersten Station. (Bild: Fritz Bichsel)

Sopranstimme und Schmiedehammerklang: Barbara Camenzind und Ulisse Gianinazzi in der Schmiede Zwissler, der ersten Station. (Bild: Fritz Bichsel)

RORSCHACH. In der Schmiede Zwissler Musiker des grossen Ensembles in zwei Räumen, der Dirigent irgendwo dazwischen, Besucher zwischen Betriebseinrichtungen, Schmiedehammer als Teil der Aufführung, das kleine Ensemble in einem Lagerraum: So ist «Musik im Industrieraum» an der ersten Station zu erwarten – samt Uraufführung der Komposition «Schmied» von Carola Bauckholt, eines Auftragswerks für Collegium Novum und studio-klangraum Basel. Weitere Aufführende kommen von contrapunkt St. Gallen.

Industrieraum als Konzertlokal

Die Gestalter dieses Musikexperiments in kleinen und grossen Produktionsbetrieben sowie einer Lagerhalle wollen erlebbar machen, wie Musik die Wahrnehmung eines Raums beeinflusst und umgekehrt der Raum die Wahrnehmung von Musik. Dafür führen sie zeitgenössische Werke – auch für ein breites Publikum geeignete – und musikferne Industriearchitektur zusammen. «Davon, wie das klingen und funktionieren wird, muss auch ich mich überraschen lassen», sagt die beteiligte Rorschacher Sängerin und Musikerin Barbara Camenzind.

Raum- und Musikerlebnis werden sehr unterschiedlich. An der zweiten Station geht's in die Handdruckerei Lehner mit uralten Maschinen in einstigen Feldmühle-Räumen und in eine Lagerhalle der Lagero. Hier ist die Uraufführung eines eigens für diesen Anlass entstandenen Werks zu erleben: «Maschinenmusik» vom für Experimente bekannten Komponisten Moritz Müllenbach. Zum Abschluss erklingen in der Scapa, im grossen Raum in ihrem Hauptgebäude, dem einstigen Zentrum der Feldmühle, Werke von fünf Komponisten. Hier treten unter Leitung von Peter Tilling Ensembles vom Collegium Novum Zürich und auch Solisten auf: Sängerin Barbara Camenzind, Sopran, mit «Der Turm zu Babel» (treffend zur vielsprachigen Belegschaft der Scapa und früher der Feldmühle) und Urs Walker, Violine.

Barbara Camenzind zeigt sich sehr erfreut, dass diese Rorschacher Betriebe Räume für Musik öffnen und auch über ihre Produktion informieren. In den grösseren Räumen können die Besucher sitzen. Die Mitorganisatorin ist dankbar, dass Gottlieb Kündig von der Lagero und die Musikschule dafür Stühle beschaffen und ebenso die Pulte.

Premiere in Rorschach

Das studio-klangraum Basel mit Komponist Beat Gysin experimentiert gerne mit Musik. Die Idee «Musik im Industrieraum» mit zeitgenössischen und avantgardistischen Werken trug es an das bekannte Collegium Novum Zürich und für die Ostschweiz an contrapunkt St. Gallen. Über Barbara Camenzind als Mitglied von contrapunkt führte der Weg in die von Industrie geprägte Stadt Rorschach. Hier wird das während mehrerer Besichtigungen erarbeitete Programm nun am 21. Mai erstmals aufgeführt. Weitere Orte und Industrieareale in der Schweiz folgen.

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