RORSCHACH: «Alle finden ihren Platz»

Eineinhalb Monate nach den provozierenden Aussagen Thomas Müllers stellt die lokale Amnesty-International-Gruppe Plakate auf, die zu Solidarität aufrufen.

Janina Gehrig
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Die Aussage auf den Plakaten der Menschenrechtsorganisation sind in mehrere Sprachen übersetzt worden. (Bild: Jil Lohse)

Die Aussage auf den Plakaten der Menschenrechtsorganisation sind in mehrere Sprachen übersetzt worden. (Bild: Jil Lohse)

Janina Gehrig

janina.gehrig@tagblatt.ch

Zuerst habe er gedacht, der Stadtpräsident habe eine unbedachte Äusserung gemacht, sagt Arne Engeli. «Doch Thomas Müller hielt an seiner Aussage, der Islam habe hier nichts verloren, fest.» Engeli spricht vom Interview, in dem Rorschachs Stadtpräsident mit Aussagen über den Islam und sogenannte «gesunde Rassisten» provozierte (Tagblatt vom 16. September). Die Aussagen hatten schweizweit Schlagzeilen gemacht, es hagelte Proteste in den sozialen Medien, der St. Galler Regierungsrat Martin Klöti rügte Müller für seine «unreflektierten Thesen» und seine «zynischen Worte». Auch für Engeli, Mitglied von Amnesty International, Gruppe Rorschach, war klar: «Wir mussten eine Antwort geben dazu.»

Die Antwort, sie steht nun auf zwei Plakaten geschrieben auf dem Marktplatz in Rorschach, ­einen Monat lang. Der Satz «Bei uns in Rorschach finden Menschen aller Kulturen und Religionen ihren Platz» – übersetzt in mehrere Sprachen – solle etwa darauf hinweisen, dass Integration ein gegenseitiger Prozess sei, sagt Engeli, der für Friedensprojekte des Hilfswerks Heks acht Jahre lang in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien unterwegs war. Man habe keine Polemik führen wollen. Schliesslich sei der Protest gegen Müllers Aussagen schon genügend in Leserbriefen zum Ausdruck gekommen. «Wir wollten ein positives Zeichen setzen. Für viele Türken, Bosnier und Albaner, die seit Jahren hier leben und arbeiten, sind die Worte Müllers eine Beleidigung.»

«Die Leute sollen davor stehen bleiben»

«Für mich sollen die Plakate ein Denkanstoss sein. Die Leute sollen davor stehen bleiben, vielleicht mit jemandem darüber sprechen», sagt Justin Koller, der zudem Mitglied der Initiativgruppe Begegnung und Dialog Region Rorschach ist. Es gehöre zu den Menschen, Vorurteile zu haben. Diese jedoch zu nähren mit ­abwertenden Bemerkungen, sei «nicht klug», sagt er.

Silvia Heuberger, Verantwortliche der lokalen Amnesty-International-Gruppe, sagt, es gehe auch darum, aufzuzeigen, dass die Integration in Rorschach «ein grosser Erfolg» sei. Gerade die Schulen hätten vorbildliche Integrationsarbeit geleistet. Ein «schönes Beispiel» für die Integrationsarbeit in Rorschach sei auch das Projet Urbain vom Quartierverein, sagt Engeli.

Die Plakate, welche gestern enthüllt wurden, haben bereits erste Passanten dazu verleitet, auf ihrem Spaziergang durch die Altstadt kurz anzuhalten.