Rollstuhllager droht das Aus

Gehhilfen und WC-Aufsätze können im Krankenmobilienmagazin rund um die Uhr günstig gemietet werden. Seit der Beitrag der Stadt St. Gallen wegfällt, ist die Weiterführung des Lagers in Frage gestellt. Lösungen sind keine in Sicht.

Elisabeth Reisp
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Eine Kundin lässt sich im Krankenmobilienmagazin der Spitex St. Gallen Ost beraten. Vor Weihnachten ist der Andrang besonders gross. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Eine Kundin lässt sich im Krankenmobilienmagazin der Spitex St. Gallen Ost beraten. Vor Weihnachten ist der Andrang besonders gross. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Das Krankenmobilienmagazin der Spitex St. Gallen Ost hat bis 2014 von der Stadt einen jährlichen Beitrag von 14 000 Franken erhalten. Für das laufende Jahr wurde dieser Beitrag gestrichen. Bei der Spitex Ost hoffte man, der Betrag würde im Budget der Stadt für das kommende Jahr wieder berücksichtigt werden. Vergebens. Das Magazin mit Rollatoren, Rollstühlen, WC-Aufsätzen und vielem mehr aufgeben will der Verein Spitex St. Gallen Ost nicht. Wie weiter, das wissen die Verantwortlichen aber auch noch nicht.

Grosse Nachfrage über Festtage

Im Krankenmobilienmagazin gibt es alles, was ein kranker oder verunfallter Mensch braucht, um zu Hause den Alltag zu bewältigen. Für einen kleinen Beitrag können die Hilfen gemietet und müssen nicht selber angeschafft werden. Gerade an Weihnachten sei der Bedarf danach gross, sagt Andrea Hornstein, Geschäftsführerin Spitex St. Gallen Ost. Wer beispielsweise über die Festtage gerne die hochbetagte Mutter von auswärts oder aus dem Spital nach Hause nehmen möchte, braucht eventuell einen Rollator oder ein Duschbrett für die Zeit des Besuches. Im Krankenmobilienmagazin können diese Dinge gemietet werden.

«Ein Jahr lang konnten wir die nötigen 14 000 Franken ausnahmsweise selber stemmen.» Wie das Magazin in Zukunft finanziert werden solle, sei offen. Die Preise zu erhöhen, dagegen wehrt sich die Spitex. «Wir haben bewusst tiefe Preise, damit auch Leute mit kleinem Budget an die notwendigen Hilfen kommen.» Denn die Kosten von Krankenmobilien werden gemäss Hornstein nicht von den Krankenkassen übernommen. Im Januar treffe sich der Vorstand von Spitex St. Gallen Ost, um eine Lösung zu finden. Das Magazin zu schliessen, sei Vorderhand aber keine Option. «Es handelt sich um einen Service public.»

Auf Budget 2016 gehofft

Hornstein hatte gehofft, dass die Sparmassnahme der Stadt nur für das Jahr 2015 gelte und der Betrag für nächstes Jahr wieder gesprochen werde. Das Stadtparlament lehnte aber – nach langer Diskussion – erneut ab. Hornstein, selbst Parlamentsmitglied (PFG), musste für dieses Geschäft an der Budgetsitzung in Ausstand treten. Die bürgerliche Mehrheit des Parlaments stellte sich auf den Standpunkt, private Anbieter seien genug vorhanden, welche die gleiche Leistung wie das Magazin übernehmen könnten.

Tatsächlich bieten Apotheken und orthopädische Fachgeschäfte auch Gehhilfen und ähnliches an. In der Regel können deren Preise aber nicht mit jenen des Magazins mithalten. Das Krankenmobilienmagazin ist zudem an 365 Tagen bedient. So kann gemäss Hornstein auch kurzfristig etwas bezogen werden und zugleich werden die Kunden auch richtig beraten. Das sei auch der Vorteil gegenüber dem Onlineversand.

Kauf lohnt sich meistens nicht

«Das Magazin wird von Jung und Alt rege genutzt, daher können und wollen wir nicht von einem Tag auf den anderen Tag schliessen», sagt Hornstein. 250 Personen haben gemäss Hornstein derzeit eine Hilfe aus dem Magazin zu Hause. Das Magazin steht nicht nur für Spitex-Klienten zur Verfügung, sondern ist eine Dienstleistung für die ganze St. Galler Bevölkerung. Die meisten Patienten brauchten diese Hilfsmittel nur für eine befristete Zeit. Ein Kauf der benötigten Hilfsmittel lohne sich in der Regel nicht, «und ist aus ökologischen Gründen auch nicht sinnvoll».

Andrea Hornstein Geschäftsführerin Spitex St. Gallen Ost (Bild: Hanspeter Schiess)

Andrea Hornstein Geschäftsführerin Spitex St. Gallen Ost (Bild: Hanspeter Schiess)

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