Rollende Köpfe, stehende Ovation

Das Musical «Madame Tussaud» des Gymnasiums Friedberg feierte am Samstag im Fürstenlandsaal Premiere. Die bunte Vielfalt an Texten, Gesang und Musikstücken begeisterte das Publikum. Und den Rektor.

Manuela Bruhin
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Gymnasiastin Sarah Gerber spielt Madame Tussaud. (Bild: Michel Canonica)

Gymnasiastin Sarah Gerber spielt Madame Tussaud. (Bild: Michel Canonica)

GOSSAU. Kurz nach 20 Uhr betritt das Orchester die Bühne, im vollbesetzten Fürstenlandsaal ist es mucksmäuschenstill. Dies ändert sich nach wenigen Minuten, als der Chor die Zuschauer zum Mitklatschen animiert. Die erste Szene entführt sie nach Paris kurz vor 1789. «Fischweiber» von Les Halles bieten ihre faule Ware an und ziehen über König Louis XVI her. Das bequeme Staatsoberhaupt hat die Lacher schnell auf seiner Seite – etwa, als er sich von seinen Dienern sein Gewand überziehen lässt oder sich über die nächtlichen Eskapaden seiner Gemahlin, Königin Marie Antoinette, aufklären lässt. Das Musical lässt jedoch auch Platz für Szenen, die zum Nachdenken anregen – über das Konsumverhalten, die Medien und Verleumdungen. Dazwischen finden sich mitreissende Chor-, Tanz-, Orchester- und Banddarbietungen.

Bild: Michel Canonica
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Für den musikalischen Leiter Guido Helbling war es das letzte Mal, dass er bei einer Eigenproduktion der Schule als Komponist mitgewirkt hat. Im Sommer wird er pensioniert.

Ein nervöser Regisseur

Dass die Geschichte gut ankommt, erleichtert vor allem Regisseur und Rektor Lukas Krejci. «Wir waren seit den Herbstferien mit den Proben beschäftigt. Da das Stück vorher nicht bestanden hat, zeigt erst die Premiere, ob die Gags ankommen und sich das Publikum berühren lässt.» Er sei daher sehr nervös gewesen, gesteht er. «Alles hat jedoch super geklappt.» Und wirklich: Als kurz vor 23 Uhr der Vorhang fällt, werden die Darsteller, Musiker und Sänger mit frenetischem Applaus und einer stehenden Ovation gefeiert.

Für Krejci war es das erste Musical als Rektor. Eine wunderschöne Zusammenarbeit mit der gesamten Schule sei es gewesen: «Ich war fast neidisch, nicht selbst mitspielen zu können», lacht er. Die «Hardrockoko-Opera» sei auf vielerlei Arten etwas ganz Besonderes. Zum einen gebe es keine eigentliche Hauptrolle. «Zum anderen haben die Jugendlichen gleich einen Bezug zur Geschichte. Themen wie Parties, Grenzerfahrungen und Verschuldung seien nach wie vor aktuell, sagt Krejci. Auch actionreiche Szenen kämen dank der Französischen Revolution und den damit verbundenen Enthauptungen nicht zu kurz.

Kunstvolle Gewänder

So bunt sich die Geschichte zeigt, so anspruchsvoll war es, bis alle Szenen gepasst haben. Die Barockzeit sei eine logistische Herausforderung. «Zuletzt war es ein Wettlauf gegen die Zeit, bis alles gepasst hat», sagt Krejci. Das Nähatelier etwa sei bis zum Schluss auf Hochtouren gelaufen. Und neben den intensiven Vorbereitungen durfte auch der Schulbetrieb nicht zu kurz kommen. Eine Gratwanderung, die das Gymnasium einmal mehr gemeistert hat.

www.tussaud.ch