Rollen, bis die Finger schmerzen

Ihr Name ist Xiamora Pérez Zapata. Seit 19 Jahren dreht sie Zigarren in der Fabrik «El Laguito» in der kubanischen Hauptstadt Havanna. Nach St. Gallen ist sie gekommen, um Zigarren rollend Werbung für eine neue Zigarre zu machen, die ihre Fabrik in Europa lancieren will.

Elisabeth Reisp
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Xiamara Pérez Zapata ist eine Torcedora, sie dreht seit 19 Jahren Zigarren. (Bild: Michel Canonica)

Xiamara Pérez Zapata ist eine Torcedora, sie dreht seit 19 Jahren Zigarren. (Bild: Michel Canonica)

Ihr Name ist Xiamora Pérez Zapata. Seit 19 Jahren dreht sie Zigarren in der Fabrik «El Laguito» in der kubanischen Hauptstadt Havanna. Nach St. Gallen ist sie gekommen, um Zigarren rollend Werbung für eine neue Zigarre zu machen, die ihre Fabrik in Europa lancieren will. In der Bar des Hotels Einstein wartet sie nun auf Interessierte, die ihr beim Rollen über die Schultern schauen wollen.

Nur die Besten dürfen reisen

Xiamora verdient in Kuba etwa 70 bis 80 Franken im Monat. In Fidel Castros Heimat ist das ein durchschnittlicher Lohn, trotzdem ist es wenig zum Leben. Für Reisen bleibt erst recht nichts übrig. Jetzt darf sie für zwei Monate durch Europa reisen, in Österreich und Frankreich war sie bereits. Sie gehört zu den besten Rollerinnen – auf Spanisch Torcedora – ihrer Fabrik. Daher ist sie eine der Auserwählten, die auf Promotionsreisen dürfen. Allerdings nur alle zwei bis drei Jahre. Es wird abgewechselt, damit alle Spitzenrollerinnen einmal um die Welt dürfen. Das Reisen sei schon ein ziemlicher Kulturschock, lässt die Kubanerin übersetzen. Nichtsdestotrotz möchte sie einmal nach China.

Im Hintergrund erklingt die sehnsüchtige Musik von Buena Vista Social Club, ansonsten ist die Einstein-Bar um 11.15 Uhr leer. Noch will niemand sehen, wie die teuren Zigarren hergestellt werden. Die 49-Jährige dreht aber gemach weiter, im Rhythmus der kubanischen Klänge und langsamer als sonst. Schliesslich geht es hier ums Zeigen. Sie braucht ein paar Minuten für eine Cohiba. Spitzen-Torcedoras wie sie drehen 140 Stück am Tag – je nach Sorte.

Schmerzende Finger

Xiamora sitzt an einem kleinen Tisch, ein Kubafähnlein verleiht ihrem Besuch einen offiziellen Charakter. Das Cerveza setzt einen Kontrapunkt.

Auf dem Tisch ein Haufen Tabakblätter. Eigentlich sind es fünf Haufen. Die Deckblätter, die eine schöne Optik garantieren, liegen zwischen zwei feuchten Lappen. Die anderen Blätter bleiben trocken. Mit dem Umblatt, das die Zigarre zusammenhält, beginnt Xiamora. Darin rollt sie drei verschiedene Sorten von Blättern ein: das Volado für die Brennbarkeit, das Seco für das Aroma und das Ligero für die Stärke, die die Zigarre haben soll. Die Torcedora wickelt die Zigarre in das mit stark verdünntem Harz benetzte Deckblatt. Mit einer kleinen Guillotine schneidet sie das Ende gerade.

Schmerzende Finger und Rückenschmerzen sind das Ergebnis jahrelanger Rollerei. Zigarren raucht Xiamora selber kaum. Sie bevorzugt Zigarillos. Diese unterscheiden sich nicht nur in der Grösse von den Zigarren. Für die Zigarillos wird auch eine andere Tabaksorte verwendet. Der qualitativ beste Tabak ist den Zigarren vorbehalten. «Und der beste Tabak wächst in Kuba», sagt der Übersetzer. Das habe mit der Erde und dem Klima zu tun. Vielleicht aber auch einfach mit dem Stolz, den die Kubaner auf ihre Zigarren haben.