ROCHADE: Eine Übergabe ohne Wehmut

Heini Segers Jahr als Stadtparlamentspräsident neigt sich dem Ende zu. Der SVP-Politiker blickt stolz auf seine Amtszeit zurück und freut sich, bald wieder öfter Krawatte gegen Fechtanzug tauschen zu können.

Luca Ghiselli
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Heini Seger war 2016 als Stadtparlamentspräsident höchster Stadtsanktgaller. Nach einem strengen Jahr freut er sich nun, wieder mehr Zeit für Familie und Freizeit zu haben. (Bild: Claudio Heller)

Heini Seger war 2016 als Stadtparlamentspräsident höchster Stadtsanktgaller. Nach einem strengen Jahr freut er sich nun, wieder mehr Zeit für Familie und Freizeit zu haben. (Bild: Claudio Heller)

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

In zwölf Jahren ist Heini Seger nie ohne Anzug und Krawatte im Parlament erschienen. Und auch als dessen Präsident blieb der Schlips nie im Schrank, wenn er als höchster Stadtsanktgaller die Stadt an Apéros, Umzügen oder Jubiläumsfeiern vertrat. «Das gehört für mich einfach dazu», sagt Seger. Es sei ein Ausdruck von Respekt gegenüber dem Amt. Wenn der Bauingenieur bei sich im Büro an der Frongartenstrasse arbeitet, darf es aber auch mal funktionaler sein. Dafür hat er bald wieder mehr Zeit: In wenigen Wochen übergibt der SVP-Parlamentarier sein Amt als Parlamentspräsident an Franziska Ryser (Junge Grüne). Einen Ratschlag will er ihr nicht auf den Weg geben. «Sie wird diese Aufgabe gut meistern», sagt er nur.

Besonnene Sachpolitik im Zentrum

Für ihn sei es ein lehrreiches Jahr gewesen, hält Seger fest. Der Perspektivenwechsel und der Blick hinter die Kulissen hätten ihn in der Überzeugung bestärkt, dass Sachpolitik insbesondere auf lokaler Ebene wichtig sei. Er sei kein Heisssporn mehr, sondern gehe die Dinge ruhig und besonnen an. So sehr Seger sein Jahr als Parlamentspräsident nicht überbewerten will, so möchte er die Erfahrung auch nicht missen. «Es ist nicht jedem vergönnt, seine Stadt auf diese Weise vertreten zu dürfen. Ich bin deshalb meiner Fraktion und dem ganzen Parlament für die Gelegenheit sehr dankbar.» Streng sei es zwar gewesen, habe er doch sein Privatleben auf ein Minimum reduziert, um Beruf und das Amt unter einen Hut zu bringen. «Deshalb freue ich mich nun, wieder mehr Zeit für Freunde, Familie und Hobbys zu haben.» Als er im Januar dieses Jahres das Amt von Thomas Meyer (CVP) übernahm, lud der leidenschaftliche Fechter seinen Vorgänger zum Duell. «Seither hatte ich keinen Degen mehr in der Hand», sagt Seger und lacht.

Die ruhigste Budgetsitzung

Die Diskussionskultur im Parlament beurteilt Seger als anständig und gesittet. «Ich habe in diesem Jahr aber wieder gemerkt, dass manche Dinge anders laufen, wenn Wahljahr ist», sagt Seger. Da gebe es im Rat immer solche, die sich über Voten und Vorstösse profilieren wollten. Er selbst könne sich da gut zurücknehmen. «Ich war noch nie an einer Budgetsitzung so entspannt wie dieses Jahr», sagt er. Als Parlamentspräsident musste er nur sicherstellen, dass alles geordnet abläuft.

Bei seinem Amtsantritt im Januar liess Seger offen, ob er im Herbst erneut fürs Stadtparlament kandidiere. Er hat sich dafür entschieden und wurde wiedergewählt. Was reizt ihn noch am Parlament? «Es ist mir über die Jahre ans Herz gewachsen», sagt er. Die Politik fasziniere ihn nach wie vor. Beweisen müsse er sich aber nichts mehr, sagt Seger. «Ich höre auf, sobald ich keine Lust mehr habe. Diese Freiheit nehme ich mir.» Dass er bis zum Ende der bevorstehenden Legislaturperiode im Rat bleibe, sei aber eher unwahrscheinlich.