Ritters chinesischer Abgang

ST.GALLEN. An der Delegiertenversammlung des St.Galler Bauernverbandes am Dienstag verabschiedete sich Präsident Markus Ritter nach acht Jahren definitiv auf die nationale Bühne. Sein Verband ist in jeder Hinsicht bestens aufgestellt.

Marcel Elsener
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Markus Ritters letzte Rede als Präsident der St. Galler Bauern – und karikiert als «wachstumsbremsender» Bauernführer mit Heugabel. (Bild: Ralph Ribi)

Markus Ritters letzte Rede als Präsident der St. Galler Bauern – und karikiert als «wachstumsbremsender» Bauernführer mit Heugabel. (Bild: Ralph Ribi)

Er kam aus dem Entlebuch und legte mit China los: Markus Ritter, acht Jahre lang oberster St. Galler Landwirt und seit November an der Spitze des nationalen Bauernverbands, zeigte am Dienstag in der Olma-Halle noch einmal eindrucksvoll, warum es «so einen nur einmal gibt», wie ein Zuhörer meinte. Im Blitztempo berichtete Ritter den Delegierten von seiner kürzlichen Begegnung mit den höchsten chinesischen Bauernvertretern.

Die Chinesen müssen einerseits ihre veraltete Landwirtschaft modernisieren, andererseits haben sie sich im Wissen um die künftig prekäre Ernährungssituation bereits elf Millionen Hektaren Kulturland in Asien und Afrika gesichert. Die Delegation habe gestaunt, wie innovativ die Schweizer Bauern produzierten. Ihrer Bitte, doch an der Entwicklung im Riesenland mitzuhelfen, habe er aber nicht entsprechen können, meinte Ritter: «Wir haben hier noch ein paar andere Sorgen.»

«Usigoh, usigoh!»

Längst nicht der einzige Moment dankbaren Gelächters im Publikum. Am Vorabend noch vor 300 Luzerner Bauern in Marbach «im hintersten Entlebuch», am nächsten Morgen vor 320 St. Galler Landwirten und drei Dutzend Gästen: Der Altstätter CVP-Nationalrat und Meisterlandwirt begeistert mit seinem rhetorischen Talent – im Rheintaler Dialekt erst recht. Auf kritische oder ernste Passagen wie der Ermahnung, die Schweiz müsse angesichts eines Selbstversorgungsgrads von 54 Prozent dringend «Antworten finden für die Differenz», lässt Ritter oft einen Spruch folgen, mit dem er seine Zuhörer wieder auf seine Seite reisst, beispielsweise: «Viele reden von Nachhaltigkeit, wir Bauern leben sie.»

In St. Gallen betonte der Präsident zum Abschied, wie viel Freude ihm das Amt bereitet habe, vor allem «die Nähe zur Basis, usigoh, usigoh!», also nach draussen aufs Land, auf die Höfe – und direkt hören, was beschäftige. Längst verlangen ihm die grossen Themen auf Bundesebene – Agrarpolitik 2014–17, Swissness, Raumplanung als wichtigste Stichworte – als frischgewähltem schweizerischen Präsidenten alles ab. Der neue «Captain» führe die Mannschaft zum Erfolg, man habe politisch «alles durchgebracht», schwärmte Urs Schneider, Vizedirektor und Kommunikationschef im schweizerischen Verband. Ritter markiere eine «wahnsinnige Präsenz», die Redenvorbereitung laufe «in Akkordarbeit». Und entgegen aller Befürchtungen komme sein Dialekt an und werde «noch zum Markenzeichen». Schneider dankte den St. Gallern, «uneigennützig eine solche Persönlichkeit abgegeben zu haben».

In welchem Tempo der Präsident, zweieinhalb Stunden Sitzungszeit waren schon vorbei, mittags die künftige Agrarpolitik des Bundes skizzierte, raubte auch dem St. Galler Volkswirtschaftsdirektor den Atem: «Muss ich jetzt auch so schnell reden?», fragte Beni Würth seine Amtsleiter am Gästetisch. Würth musste seinerseits «bad news» überbringen: Das Sparprogramm des Kantons werde auch die Landwirtschaft betreffen.

Ein Stock für den Erfolgreichen

Ritter übergibt einen Verband, der strukturell und finanziell auf gesunden Beinen steht. Wie erfreulich die Entwicklung seit 2005 war, belegte Vizepräsidentin Seline Heim beispielhaft – so konnten der aufgefrischte «St. Galler Bauer» seine Abo-Zahlen erhöhen und die Versicherung Agrisano ausgebaut werden. Der Erfolg lässt sich auch an den Mitgliederzahlen messen: Über 96 Prozent der direktzahlungsberechtigten Landwirte im Kanton sind dabei, «freiwillig und wohl überzeugt von der Arbeit des Präsidenten».

Zum ehrenvollen Abschied erhielt Ritter Feriengutscheine – und einen Stock, um die «Damen und Herren Kollegen im Nationalrat schön auf Landwirtschaftskurs» zu halten, oder um im Verband die Sektionen zu dirigieren, wenn sie «wie ein Haufen wilder Rinder in alle Richtungen» ziehen.

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