Ringen um den Ring geht weiter

ST.GALLEN. Die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege rät von einem goldfarbenen Ring über dem neuen Altar in der Kathedrale ab. Trotzdem hält die Bauherrschaft weiter daran fest. Und will noch mehr Experten beiziehen.

Malolo Kessler
Drucken
Teilen
«Er wird im Raum als Fremdkörper wahrgenommen»: Das schreibt die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege über den Ring. (Bild: pd)

«Er wird im Raum als Fremdkörper wahrgenommen»: Das schreibt die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege über den Ring. (Bild: pd)

Er ist goldfarben, schwebt im Raum – und ist äusserst umstritten: der Ring, der über dem neuen Altar in der Kathedrale aufgehängt werden soll. Bereits bei der städtischen und kantonalen Denkmalpflege ist er auf wenig Begeisterung gestossen. Daraufhin hat die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege, die höchste Denkmalpflege-Instanz in der Schweiz, ein Gutachten erstellt. Dieses liegt nun vor: Die Kommission empfiehlt ebenfalls, auf den Ring zu verzichten. «Wie immer man nun den im Projekt vorgesehenen elliptischen Ring liturgisch und theologisch begründen mag, wird er im Raum als Fremdkörper wahrgenommen», heisst es im Bericht.

Verletzung der Kuppelmalereien

Der Ring breche und störe die «so präsente monumentale Ruhe, die das Innere der Kathedrale auszeichnet», schreibt die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege weiter. Zudem durchschneide er optisch «die klare und ruhige Tektonik der räumlichen Strukturen». Im Projekt vorgesehen ist, dass der Ring an Drähten mit vier bis fünf Millimetern Durchmesser an der Decke aufgehängt wird. Die Kommission zweifelt auch an dieser Aufhängung: Es bleibe fraglich, ob die Kabel, so dünn sie dereinst sein mögen würden, nicht doch sichtbar blieben und so «den beabsichtigten gleichsam schwebenden Zustand des Rings zunichte» machten.

Zudem müssten zur Befestigung der Kabel Löcher in die Kuppel gebohrt werden. «Dadurch würden die Kuppelmalereien in nicht absehbarer Weise verletzt», schreibt die Kommission schliesslich. Ein Eingriff, der nicht rückgängig gemacht werden könne.

Weitere Experten beiziehen

Die Arbeitsgruppe, die das Neugestaltungsprojekt für den Altarraum begleitet und aus Seelsorgern, Denkmalpflegern, Bistumsvertretern und Delegierten des Administrationsrates besteht, hat sich am Dienstag mit dem Gutachten auseinandergesetzt. Die Bauherrin, der katholische Konfessionsteil, steht nach wie vor hinter dem Ring. «Er ist Bestandteil des Projekts», sagt Hans Wüst, Präsident des Administrationsrates. Die Bauherrin habe auch den Architekten gegenüber eine Verantwortung. «Es wäre unfair, jetzt einfach zu sagen, dass wir den Ring nicht wollen, weil die Denkmalpflege dagegen ist.» Daher habe man entschieden, den Ring «nochmals mit anderen Experten aus dem denkmalpflegerischen Bereich anzuschauen».

Dass man das Gutachten fachlich anzweifeln könne, glaube er nicht, sagt Niklaus Ledergerber, städtischer Denkmalpfleger und Mitglied der Arbeitsgruppe.

Es sei eine Angelegenheit, darin sind sich Ledergerber und Wüst einig, die von zwei völlig verschiedenen Standpunkten aus betrachtet werden könne. Während für die Denkmalpflege das Raumempfinden im Vordergrund steht, ist für die Bauherrin die liturgische Aussage von grösster Bedeutung. «Nun stellt sich die Frage, was höher gewichtet werden soll», sagt Ledergerber. Diese Frage soll bald beantwortet werden. Laut Wüst fällt die Bauherrschaft den Entscheid, ob Ring oder nicht Ring, voraussichtlich im ersten Quartal des kommenden Jahres.

Baubeginn nach Pfingsten

Abgesehen vom Ringen um den Ring ist die Neugestaltung des Altarraums auf gutem Weg. Die Baubewilligung für die Altarlandschaft – ohne Ring – liegt bereits vor. Geplant ist, mit den Bauarbeiten nach Pfingsten 2013 zu beginnen.