Rigolo wird sesshaft und Müller verunglimpft

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Mädir Eugster erstellt seine Erinnerungspyramide auf dem Hafenplatz in Rorschach. (Bilder: Rudolf Hirtl/PD)

Mädir Eugster erstellt seine Erinnerungspyramide auf dem Hafenplatz in Rorschach. (Bilder: Rudolf Hirtl/PD)

Die Dame hat eine üppige Figur, durchaus sexy, und verhüllt ihre weiblichsten Stellen nur mit ein paar Vogelfedern. Kein Wunder bleibt der eine oder andere Passant gestern Vormittag auf dem Marktplatz stehen und riskiert einen Blick. Um ein Rendezvous bemüht sich männiglich allerdings vergeblich, denn die vom Rorschacher Bildhauer Urs Koller geschaffene nackte Lady ist aus Kunststoff und Aluminium gefertigt und steht auf einer verrosteten Stahlplatte. Umgeben ist die Skulptur von einer Pyramide aus Holzstämmen. Deren Spitze ist mit einem rosafarbenen Tuch verpackt, versehen mit dem Hinweis «40 Jahre Rigolo».

Um die Bevölkerung auf diesen stolzen Geburtstag hinzuweisen, stellt Rigolo in der ganzen Ostschweiz 40 Kunst-Pyramiden auf. Die auffälligen Stangenbauten werden mit einem Werk eines örtlichen Kunstschaffenden bereichert. In Rorschach sind es neben Urs Koller auch Erwin Schatzmann (auf dem Kirchplatz) und der Gründer des theatralischen Spektakels höchstpersönlich, Mädir Eugster. Der mittlerweile 62-jährige Rigolo-Erfinder hat am Bodensee von 1972 bis 1976 das damalige Lehrerseminar Mariaberg besucht. Nach der Umbenennung auf Pädagogische Hochschule St. Gallen ist er im Jahr 2004 für einen Sommer nach Rorschach zurückgekehrt. Im Rahmen von «150 Jahre Lehrerinnen- Lehrerbildung auf Mariaberg Rorschach» war Mädir Eugster als Gastkünstler tätig. «Mit Rorschach verbinden mich viele schöne Erinnerungen», sagt der Artist nachdenklich und geniesst die warmen Sonnenstrahlen auf dem Hafenplatz. Seine Erinnerungen aus den vergangenen 40 Rigolo-Jahren befestigt er auf Holzlatten geklebt an seiner Pyramide. Darunter auch jene an die Rorschacher Artisten Josef Spohn und Lorenz Tobler.

Die als «Eyecatcher» gedachten Pyramiden stehen einige Wochen an den ausgesuchten Orten, dann ziehen sie innerhalb der Ostschweiz weiter. Wenn auch der Rigolo nicht mehr herumzieht wie in den Gründungsjahren, so tun es doch die Pyramiden. Etwas Nomadenhaftes ist dem Rigolo noch geblieben. In Flawil gegründet, in Wattwil zuhause, ist der Rigolo ein echter Ostschweizer Circus. Anlässlich seines Jubiläums nimmt Rigolo Swiss Nouveau Cirque seine Show «Wings» aus dem Jahr 2014 wieder auf. Vom 16. November bis 17. Dezember zeigt das Ensemble um Hauptdarstellerin Marula Eugster 20 Vorstellungen jeweils von Donnerstag bis Sonntag in der Olma-Halle 1.1 in St. Gallen. Die Show baut auf der legendären Sanddornbalance von Mädir Eugster auf, die mittlerweile weltweit gezeigt wird.

Weltweit zugänglich ist auch die Webseite thomasmueller.weebly.com / Diese offensichtliche Reaktion auf das viel diskutierte Interview mit Rorschachs Stadtpräsident bewegt sich allerdings weit unter der Gürtellinie. «Thomas Müller, Stadtpräsident, gesunder Rassist und Vollidiot» ist auf der ersten Seite zu lesen. Als seine Errungenschaften werden auf den Folgeseiten Islamophobie, Sozialhilfe-Schikane und gesunder Rassismus genannt. Die Macher der Homepage bleiben ebenso anonym wie die Urheber der Plakate, die in der Stadt auf die Webseite aufmerksam machen. Ziemlich feige, kann man da nur sagen.

In den 80er-Jahren galt Jonny Müller als Pionier der Video-Kunst in der Ostschweiz. Mittlerweile ist der Goldacher seit bald 50 Jahren künstlerisch tätig. Er wird dies mit einer grossen Jubiläumsausstellung feiern. Zuvor stellt er aber noch im Stellwerk in Heerbrugg aus. Von 29. September bis 1. Oktober ist dort eine neue Form seiner Pop Art zu sehen, die noch nie ausgestellt wurde. Müller zeigt Computergrafiken aufwendig auf Büttenpapier gedruckt und mit Acrylfarbe übermalt. (rtl/pd)