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Riethüsli-Halle: «Garantien gibt es nie»

Die St. Galler Staatsanwaltschaft stellt das Verfahren wegen des Dreifachhallen-Einsturzes im Riethüsli ein. Untersuchungsrichterin Jolanda Dörig setzt darauf, dass die Baubranche hellhörig geworden ist.
Jolanda Dörig Untersuchungsrichterin Staatsanwaltschaft St. Gallen (Bild: Quelle)

Jolanda Dörig Untersuchungsrichterin Staatsanwaltschaft St. Gallen (Bild: Quelle)

Frau Dörig, zweieinhalb Jahre hat die Staatsanwaltschaft im Fall der eingestürzten St. Galler Riethüsli-Dreifachhalle ermittelt. Nun stellt sie das Verfahren ein. Bleibt da bei Ihnen kein Gefühl von Unzufriedenheit zurück?

Jolanda Dörig: Nein. Artikel 53 des Strafgesetzbuches besagt: Ein Verfahren kann eingestellt werden. Eine der Voraussetzungen dafür: Der Schaden muss gedeckt sein. Von diesem Artikel haben wir Gebrauch gemacht.

Die Staatsanwaltschaft zweifelte am erfolgreichen Ausgang eines Prozesses gegen die Verantwortlichen. Weshalb? Es wurden nicht mehr SIA-konforme Teile an den Enden der Hauptträger verwendet – da muss doch jemand zur Verantwortung gezogen werden können.

Dörig: Für uns ist klar, welche Personen als Verantwortliche in Frage kommen könnten. Ob die Schuldfrage mit weiteren Ermittlungen abschliessend hätte geklärt werden können, ist offen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die Staatsanwaltschaft zieht unter anderem die Kostenfrage als Argument für ihren Entscheid herbei. Zur Klärung der Schuldfrage wären allenfalls weitere teure Gutachten nötig gewesen, und bei einem allfälligen Freispruch hätte der Staat hohe Kosten übernehmen müssen. Aber mit diesen Risiken muss doch jeder leben, der einen Prozess eingeht.

Dörig: Es müssen neben der Deckung des Schadens weitere Voraussetzungen für eine Verfahrenseinstellung gegeben sein. Das Interesse des Geschädigten und der Öffentlichkeit müssen gering sein. In diesem Fall bestand letzteres in drei Punkten: zu wissen, was passiert ist; die Halle möglichst rasch wieder aufzubauen; und dafür zu sorgen, dass so etwas nicht mehr passieren sollte.

Nochmals, Frau Dörig: Die Klärung einer Schuldfrage kann aber doch keine reine Geldfrage sein – trotz Ihrer Argumente.

Dörig: Darum geht es hier nicht. Die Voraussetzungen nach Artikel 53 des Strafgesetzbuches für eine Verfahrenseinstellung sind erfüllt. Zudem hätte man den Schadenplatz bei einer Weiterführung des Verfahrens noch nicht freigeben können.

Genau das wird durch die Einstellung des Verfahrens möglich: Der Wiederaufbau kann nun an die Hand genommen werden. War dies das wichtigste Argument, das für die Einstellung sprach?

Dörig: Diese Überlegung floss mit ein. Sie war aber nicht entscheidend.

Aber die Staatsanwaltschaft ist schon auch dem Ruf aus der Politik gefolgt, dass die Halle möglichst rasch wieder aufgebaut werden soll.

Dörig: Nein. Sonst hätten wir schon viel früher anders reagieren müssen.

Das Baudepartement des Kantons St. Gallen hatte sein Desinteresse an einer Weiterführung des Falls bekanntgegeben. Hätte die Staatsanwaltschaft trotzdem weiterziehen können?

Dörig: Wir hätten das Verfahren weitergeführt, wenn die Voraussetzungen für eine Einstellung nicht gegeben gewesen wären.

Die Baubranche sei nach dem Urteil sensibilisiert, teilte die Staatsanwaltschaft gestern weiter mit. Wörtlich schreibt sie, dass «sichergestellt» sei, dass sich ähnliche Vorfälle nicht wiederholen könnten. Worauf gründet sich Ihre Überzeugung?

Dörig: Darauf, dass die Baubranche hellhörig geworden ist. Die Untersuchung der Empa ist auf ein grosses Echo gestossen. Die Empa erhielt viele Anfragen dazu und wurde auch für Vorträge zum Thema angefragt.

Trotzdem: Es ist doch unmöglich, im Einzelfall zu garantieren, dass so etwas nicht mehr vorkommen kann.

Dörig: Ein Fehlverhalten von Menschen ist nie ganz auszuschliessen. Garantien gibt es nie und nirgends.

Dann war «sicherstellen» ein zu grosses Wort?

Dörig: Ja. Es ist davon auszugehen, dass die Baubranche durch den Einsturz der Riethüsli-Dreifachhalle sensibilisiert worden ist. Interview: Daniel Walt

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