Richtungswechsel beim Richtplan

Der kantonale Richtplan wird regelmässig angepasst. Wichtigste Änderung für die Stadt: Standorte für Fachmärkte und andere stark frequentierte Bauten werden abschliessend festgelegt.

Tobias Hänni
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Seit 2003 wird der kantonale Richtplan alle zwölf Monate überarbeitet. Dieses Jahr stehen hauptsächlich Änderungen im Bereich der Siedlungsplanung an. Davon betroffen ist vor allem die Stadt St. Gallen und Umgebung.

Güterbahnhof und St. Fiden

Wichtigste Änderung ist die Definition von sogenannten «Positivstandorten für publikumsintensive Einrichtungen». Zu solchen Einrichtungen zählen Einkaufszentren, Freizeitanlagen und andere Bauten mit einem grossen Besucher- oder Benützerkreis. «Bei den Positivstandorten weiss ein Investor künftig: Hier darf ich eine solche Einrichtung bauen», erklärt der Kantonsplaner Ueli Strauss-Gallmann. Bislang seien lediglich Kriterien für die Beurteilung beantragter Standorte festgelegt worden. Von den Gemeinden vorgeschlagene Standorte seien unter Vorbehalt in den Richtplan aufgenommen worden. Und später wieder rausgekippt, nachdem sich gezeigt habe, dass der Standort die Kriterien wie Umweltverträglichkeit und ÖV-Anbindung nicht erfülle.

«Das hat die Projektplanung für Grossinvestoren unsicher gemacht», sagt Strauss. Nun würden die Gebiete festgelegt, auf denen der Bau von Einkaufszentren oder anderen kommerziellen oder öffentlichen Anlagen mit viel Kundschaft überhaupt möglich sei.

Auf Stadtgebiet hat der Kanton sieben solcher Standorte in den Richtplan aufgenommen. Darunter das Güterbahnhofareal sowie das Gebiet Bach St. Fiden samt Bahnhof. Auf die beiden Standorte hat die Stadt selber ein aufmerksames Auge geworfen. Der Güterbahnhof gehört im städtischen Richtplan zu den «planerischen Intensivgebieten». St. Fiden wird als Areal mit «erheblichem innerstädtischen Entwicklungspotenzial» bezeichnet.

Kommen sich kantonaler und städtischer Richtplan nicht in die Quere? «Nein, der Richtplan legt die konkrete Nutzung der Areale nicht fest», sagt Strauss. Es würde lediglich die Möglichkeit für den Bau solcher Einrichtungen auf diesen Gebieten geschaffen.

Der Westen soll weiter wachsen

Zu den geplanten Anpassungen des Richtplans gehört auch die Aufnahme des Industriegebiets St. Gallen West/Gossau Ost in die «Liste der zur Standortaufbereitung vorgesehenen Wirtschaftsstandorte». Die Aufbereitung solcher Dienstleistungs- und Industriestandorte erfolgt gemäss Strauss zwar durch die Gemeinden, etwa wenn das Gebiet besser parzelliert oder eine neue Strasse gebaut werden muss. «Der Kanton kann aber die Gemeinden unterstützen, etwa durch Beratung bei der Arealentwicklung» Ist ein Standort fertig aufbereitet, wird er vom kantonalen Amt für Wirtschaft aktiv vermarktet.

Bis Ostern können sich die Gemeinden und die Bevölkerung zu den Änderungen einbringen. Der Richtplan liegt bei allen Gemeinden auf oder kann von der Internetseite www.areg.sg.ch ausgedruckt werden.

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