Rheinecker rocken Australien

Bis anhin sind die jungen Rocker von Woodbridge vor allem in der Schweiz aufgetreten, doch nun hat ihnen Drummer Pascal Kern, der in Australien aufgewachsen ist, die Chance verschafft, dort auf «Rock Circus Tour» zu gehen.

Corina Tobler
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RHEINECK/MELBOURNE. Wer die Berichte aus dem überfluteten Australien sieht und liest, ist froh, sich gerade nicht auf der anderen Seite des Erdballs aufzuhalten. Doch genau dort – und glücklicherweise der Flut entkommen – sind momentan die jungen Rheinecker Dominik Naef, Remo Cadalbert und Pascal Kern, zusammen mit Benjamin Bruderer als Rockband Woodbridge bekannt. Die drei machen nicht nur Ferien Down Under, sondern spielen ab morgen unterstützt vom Australier Simon Sherideen, der Bruderers Part übernimmt, in einigen der besten Rockclubs des Landes. Woodbridge wandern musikalisch auf den Spuren von Bands wie AC/DC, Guns 'n' Roses oder Motörhead und komponieren vor allem Vintage-Rock. Es wird also ein besonderes Gefühl für sie sein, im «Cherry Club» an der berühmten AC/DC Lane aufzutreten.

Flut verhindert Konzerte

Möglich gemacht hat die «Rock Circus Tour» Drummer Pascal Kern. Er ist bereits seit November in Melbourne, wo er im Silvers Grand Magic Circus arbeitete, der einem Bekannten seiner Familie gehört. Australien ist für Kern weit mehr als eine Feriendestination; es ist seine zweite Heimat. Er hat in Canberra seine Kindheit verbracht. Nach abgeschlossener Lehre nimmt sich der Automatiker nun sechs Monate Zeit, das Land neu zu entdecken. «Dominik und Remo wollten die Gelegenheit nutzen und Australien besuchen. Es ist immer eine Erfahrung wert, für ein fremdes Publikum zu spielen. Also klapperte ich die Livemusik-Lokale in Melbourne ab und konnte für diese Woche drei Konzerte organisieren», erzählt er. Gigs in Sydney und Canberra sind in Verhandlung.

Geplant waren auch Auftritte in Brisbane, doch die Überschwemmung liess diese wortwörtlich ins Wasser fallen. «Das Wetter war schon länger schlecht und die Spannung und Besorgnis der Leute spürbar. Wir verliessen die Stadt einen Tag bevor die Flut Brisbane erreichte. Nach vier Tagen Roadtrip im Van erreichten wir Melbourne.» Dort empfing die drei schönstes australisches Sommerwetter – etwas, was nicht nur Pascal, sondern auch sein Vater Philipp Kern in Rheineck vermisst. «Das und das freie Denken der Australier. Zudem herrscht dort eine riesige Solidarität, und ich stand viel weniger unter Druck als in der Schweiz – obwohl ich hart arbeitete. Doch am Wochenende konnte ich entspannt im Pazifik liegen», schwärmt Philipp Kern.

Traumland, das Träume erfüllt

Er und seine Frau verliessen die Schweiz 1982 in Richtung Canberra. Zunächst war er dort als Patissier in einem Fünfsternehotel tätig, seine Frau führte einen Coiffeursalon. Später machte sich die Familie selbständig und eröffnete eine Bäckerei unter dem Namen «Swiss Bakehouse». «Wir hatten ein Riesenglück, dass alles so toll klappte. Australien war für uns ein Traumland, in dem sich unser Traum erfüllte.» Dennoch kehrten Kerns 2000 in die Schweiz zurück – um der Ausbildung ihrer Kinder willen. «Sie sollten die gleichen beruflichen Chancen haben wie wir, und das war in Australien nicht möglich», erklärt Kern.

Die Begeisterung, die das Land noch immer in Kern auslöst, lässt erahnen, dass er nicht zum letztenmal in Australien war. «Meine Frau und ich fühlen beide, dass wir da hingehören. Und ich habe einige Pläne, die ich als Pensionär dort verwirklichen könnte», sagt er nur. Gut möglich ist auch, dass die Eltern dann nicht die einzigen Familienmitglieder im Land der Kängurus sind. Denn auch Sohn Pascal fühlt sich dort sehr wohl. «Ich spiele ernsthaft mit dem Gedanken, einmal hier zu wohnen. Aber auch die Schweiz gefällt mir – ich lass es auf mich zukommen, ich bin ja noch jung», meint er schmunzelnd. Darum geniesst er vorerst sein Rock-Abenteuer mit Woodbridge, die dieses Jahr einiges vorhaben. «Im Sommer spielen wir wieder in der Schweiz, und die Veröffentlichung unserer ersten Studioaufnahmen steht kurz bevor», freut sich Kern. Doch zuerst wird Australien gerockt.

www.woodbridgerock.com

Zwei Generationen in Australien: Pascal Kern, Dominik Naef und Remo Cadalbert (von links) 2011 in Sydney; das Team des Swiss Bakehouse an der Royal Canberra Show 1998 (Marlies und Philipp Kern, Mitte, Pascal (zweiter von rechts). (Bilder: zVg)

Zwei Generationen in Australien: Pascal Kern, Dominik Naef und Remo Cadalbert (von links) 2011 in Sydney; das Team des Swiss Bakehouse an der Royal Canberra Show 1998 (Marlies und Philipp Kern, Mitte, Pascal (zweiter von rechts). (Bilder: zVg)