RHEINECK: Es wird nichts verscherbelt

Der Stadtrat bringt am 21. Mai zwei Anträge zur Abstimmung. An der Bürgerinformation interessierte der Kaufrechtsvertrag mehr als die Sanierung Pflegewohnheim.

Andrea C. Plüss
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Für Stadtpräsident Hans Pfäffli ist die Projektentwicklung des Grüenau-Areals eine «Riesenchance». (Bild: Andrea C. Plüss)

Für Stadtpräsident Hans Pfäffli ist die Projektentwicklung des Grüenau-Areals eine «Riesenchance». (Bild: Andrea C. Plüss)

Andrea C. Plüss

Die RLC AG soll das Kaufrecht für das rund 4000 m2 grosse Werkhofareal an der Florastrasse 6 erhalten. Damit wäre rund die Hälfte des Grüenau-Areals in einer Hand, da die RLC bereits das Kaufrecht am Theresienheim-Grundstück besitzt und (Neu-)Eigentümer der Liegenschaft Florastrasse 3 ist.

Am Informationsanlass kamen mehrheitlich Fragen auf, die sich auf eine spätere Entwicklung und Gestaltung des Areals bezogen. Stadtpräsident Hans Pfäffli machte deutlich, dass mit dem Kaufrechtsvertrag kein Entscheid über eine zukünftige Arealnutzung getroffen würde. Ohne eine Sicherheit wäre die RLC aber wohl kaum bereit, die hohen Entwicklungskosten zu tragen, die für eine Arealentwicklung dieser Dimension anfallen. Die Stadt selbst würde dies nicht tun wollen; die Bauentwicklung sei nicht ihre erste Kompetenz.

Unansehnliches Areal soll aufgewertet werden

Lieber ginge er eine «Patenschaft» mit der RLC ein, als «das Risiko der eigenen Entwicklung zu tragen», sagte Pfäffli. Ob denn die Bildung einer Landreserve für den Stadtrat keine Option gewesen sei, war damit bereits beantwortet. Auf die Frage, was bei einer Ablehnung des Kaufrechtsvertrags passieren würde, entgegnete Pfäffli, das Werkhofareal sei so, wie es jetzt sei, eher unansehnlich und ohne Nutzungszweck. Auch die zukünftige Verkehrsanbindung wurde vom Publikum hinterfragt. Hierzu sagte Beat Vetterli, Projektverantwortlicher der RLC, es sei am sinnvollsten, den Verkehr mit einer Ausfahrt in die Bahnhofstrasse zu führen. Die Verkehrsführung im Gesamtareal sei nicht einfach, sagte er. Umso wichtiger sei eine grösstmögliche Planungssicherheit. Die RLC hat bereits Gespräche mit den Eigentümern der Liegenschaften auf dem Grüenau-Areal geführt und beabsichtigt, die Gespräche nach dem 21. Mai wieder aufzunehmen.

Für das Werkhofareal ist ein Preis von gut 1,6 Mio. Franken (400 Franken pro Quadratmeter) vereinbart, das Kaufrecht wird der RLC für zehn Jahre eingeräumt. Falls sich der Marktwert bis zum Grundbucheintrag um mehr als fünf Prozent verändern sollte, würde der Preis den Marktgegebenheiten angepasst. Die Befürchtungen von Anita Zimmermann, das attraktive Grundstück in Zentrumsnähe würde «verscherbelt», zerstreute Pfäffli: Man handle nicht «aus der Not heraus» oder unter Druck, sondern weil sich jetzt die Gelegenheit biete, das zentrumsnahe Gebiet durch ein einheitliches Entwicklungskonzept aufzuwerten. Die RLC geht von etwa vier Jahren für den gesamten Planungsprozess aus.

Wird der Kaufrechtsvertrag von der Bürgerschaft angenommen, würde (wahrscheinlich noch vor dem Sommer) ein Planerlass aufgelegt. Er betrifft die Einzonung der Theresienheim-Liegenschaft (jetzt Zone für öffentliche Bauten und Anlagen) in eine Wohn-und Gewerbezone, voraussichtlich WG3.

Zukunftsgerichtete, attraktive Einrichtung

Zu Beginn der Infoveranstaltung hatte Titus Ladner von der RLC das Projekt zur Erneuerung des Pflegewohnheims «In der Kruft» vorgestellt. Die Pläne tragen den veränderten Anforderungen an Alters- und Pflegeheime Rechnung. Durch eine Aufstockung des bestehenden Ostflügels um zwei Geschosse sowie eine Erweiterung des Hauptgebäudes Richtung Süden kann die Bettenzahl von aktuell 42 auf 52 aufgestockt werden. Geplant sind überwiegend Einzelzimmer mit eigener Nasszelle und Balkon, dazu zwei Doppelzimmer für Paare sowie zwei ­Ferienzimmer. In einem eingeschossigen, autonomen Pavillon werden acht Einzelzimmer für schwer demenzkranke Bewohner zur Verfügung stehen. Bauherr der Sanierung und Erweiterung ist der Zweckverband Pflegewohnheim Thal-Rheineck. Die Investitionskosten in Höhe von 9,48 Mio. Franken werden gemäss Verteilschlüssel des Zweckverbands zu 45,2 Prozent von Rheineck übernommen.

Der Stadtrat beantragt, dem Verpflichtungsanteil von gut 4,28 Mio. Franken zuzustimmen. Der Betrag kann vollumfänglich aus dem Erneuerungsfonds des Zweckverbands beglichen werden, damit der Gemeindehaushalt nicht belastet wird.