RÉSUMÉ: Winkeln gibt sich nicht auf

Der FC Winkeln bezahlt seine Spieler als einziger Club der Liga nicht. Nach der Vorrunde belegen die St. Galler den letzten Rang. Der Beweis, dass dieses Modell in der 2. Liga interregional nicht funktioniert?

Pascal Koster
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Für Roger Kobler (weiss) und den FC Winkeln gab es in letzter Zeit nicht mehr viel zu jubeln. (Bild: Ralph Ribi)

Für Roger Kobler (weiss) und den FC Winkeln gab es in letzter Zeit nicht mehr viel zu jubeln. (Bild: Ralph Ribi)

Pascal Koster

sport@tagblatt.ch

13 Spiele, 5 Zähler: So lautet die überaus magere Zwischenbilanz der Winkler nach der Vorrunde. Den Abstieg können sie nur mit einer fulminanten zweiten Saisonhälfte verhindern. Der Rückstand auf den rettenden elften Platz dürfte nach dem Nachhol-Spiel zwischen Chur und Frauenfeld neun Punkte betragen. Dazu kommt, dass Wil II und Schaffhausen II – beide sind direkte Konkurrenten um den Klassenerhalt – in der Not auf Verstärkung aus ihren Challenge-League-Teams zählen können. Winkeln muss dagegen froh sein, wenn es überhaupt einen ligatauglichen Spieler zu sich lotsen kann. Im Gegensatz zu allen anderen Vereinen der Gruppe 6 der 2. Liga interregional schafft der FC Winkeln keine Geldanreize.

Den Abstieg in Kauf nehmen

Silvan Wüthrich, der Winkler Präsident, wirkt nicht niedergeschlagen: «Mir war vor Saison­beginn schon bewusst, dass es schwierig wird. Ich bin vom Ergebnis nicht überrascht.» Obwohl sie Winkeln den Abstieg kosten dürfte, hält Wüthrich an der Club-Philosophie fest. «Wir werden den Weg mit eigenen unbezahlten Spielern weitergehen. Die Philosophie des Vereins ist ligaunabhängig.» Bei einem allfälligen Abstieg ändere sich kaum etwas. Weil Winkeln in der Vergangenheit auf eigene Spieler gesetzt hätte, bliebe der Grossteil. Auch am Trainer würde festgehalten werden, so Wüthrich.

Der Präsident wehrt sich dagegen, alles an der Club-Philosophie festzumachen. «Vergangene Saison haben wir bewiesen, dass ein Team ohne Lohn in der 2. Liga interregional bestehen kann.» Damals coachte Markus Lehmann die St. Galler interimsmässig zum souveränen Klassenerhalt. Danach räumte er den Posten. Seit Sommer ist Thomas Koller Übungsleiter der Winkler. Er war bereits Spieler und Juniorentrainer im Verein. Vor Saisonbeginn schwebten dem 38-Jährigen noch 15 Punkte als Hin­rundenziel vor. Nur gerade ein Drittel der Vorgabe wurde erreicht. «Sportlich gesehen ist nicht alles so gelaufen, wie ich es mir gewünscht habe», sagt er. «Ich dachte, wir sind qualitativ besser. Dann merkte ich schnell, dass uns die Gegner in diesem Bereich überlegen sind.»

Von Schwarzmalerei ist trotz allem weder beim Präsidenten noch beim Trainer etwas zu spüren. «Mit der Mannschaft bin ich zufrieden. Ich hatte noch nie ein Team, das gemeinsam derart durch dick und dünn geht», so Koller. Wenn es im Fussball nicht laufe, würden sich normaler­weise innerhalb der Mannschaft Grüppchen bilden. «Dieses Team ist aber nach wie vor eine Einheit.» Das stimmt ihn zuversichtlich. «Die Mission ist immer noch der Klassenerhalt. Abgesehen von Freienbach und Linth sind alle Mannschaften bezwingbar.» Er ist überzeugt, dass wenn Winkeln von den ersten Rückrunden-Spielen einige gewinnt, der Schalter kippt. «Wir brauchen nur ein Erfolgserlebnis.»

Langfristige Kaderplanung

Der in Herisau wohnhafte Koller bleibt über den Winter nicht ­untätig. «Ich versuche ein, zwei Spieler zu mobilisieren. Die würden dann aber nicht nur diese halbe Saison bei uns spielen.» Die Teamverantwortlichen arbeiten mit Weitsicht. Trainer Koller, Präsident Wüthrich und Sportchef Roger Kobler befassen sich seit einiger Zeit mit der Zusammenstellung einer Mannschaft, die über eine längere Zeit für den FC Winkeln auflaufen würde. So könnten die St. Galler Rückschläge wie den Abgang von Topskorer Sven Lehmann besser verkraften. Der Stürmer wechselte im Sommer zum 1.-Liga-Club Gossau und konnte nicht ersetzt werden. Wie auch? Winkeln bietet bekanntlich kein Geld.

In 13 Runden trafen die St. Galler nur zwölfmal. Sie haben die schlechteste Offensive der Liga. Koller bleibt auch diesbezüglich ruhig. Er ist sich sicher: «Meine Stürmer werden in der Rückrunde ein anderes Gesicht zeigen.» Nicht der Erfolg, sondern das gegenseitige Vertrauen hält die Winkler zusammen.