RESTAURANTSZENE: Neue Ära im «Concerto»

Renato Blättler wird im Herbst neuer Pächter des «Concerto». Er will, dass es mit Tonhalle und Theater als Einheit wahrgenommen wird. Und er pflegt eine Gastronomie mit sozialem Engagement.

Beda Hanimann
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Die neuen Gesichter: Renato Blättler und Tanja Geiger vom Verein Wert-Voll. (Bild: Claudio Heller)

Die neuen Gesichter: Renato Blättler und Tanja Geiger vom Verein Wert-Voll. (Bild: Claudio Heller)

Beda Hanimann

beda.hanimann

@tagblatt.ch

«Das Olma-Zelt wird es sicher nicht mehr geben», sagt Renato Blättler. Die Aussage kündigt eine neue Ära im Restaurant Concerto in der Tonhalle an. Das 1993 nach einer Totalsanierung der Tonhalle eröffnete Lokal war zuerst von der Säntis Gastronomie geführt worden, die letzten 13 Jahre gehörte es zur Gastronomiegruppe von Peter Schildknecht. Nächsten Herbst übernimmt der Thurgauer Gastronom und Ausbildner Renato Blättler den Betrieb, wie die Genossenschaft Konzert und Theater St.Gallen letzte Woche meldete (Ausgabe vom 20. Dezember).

Das «Concerto» sei ein sehr schöner Betrieb mit dem schönsten Garten der Stadt, sagt Blättler. Und er sagt auch: «Was uns umtreibt, ist nicht die Gastronomie. Wir wollen Ausbildungsplätze schaffen.» Ein überraschendes Bekenntnis eines Beizers, das sich aber mit einem Blick auf seinen Werdegang erklärt.

Von Romanshorn via Zürich nach St. Gallen

2003 führte Blättler die Gastronomie des Schlosses Romanshorn und war in den Aufbau der dort stationierten Akademie ­Bodensee involviert. Später engagierte er sich in Zürich zusammen mit Tanja Geiger für Sozialprojekte im gastronomischen Umfeld. Heute sind die beiden Gesamtleiter beziehungsweise Finanzverantwortliche des Vereins Wert-Voll, dessen Ziel es ist, Jugendliche mit zusätzlichem Unterstützungsbedarf in der ­Gastronomie auszubilden. Der Verein führte verschiedene Betriebe wie das «Schiff» in Kesswil und die Wirtschaft im Schloss ­Arbon. Heute ist er Pächter des Hotels Greuterhof in Islikon und seit knapp zwei Jahren des Café St-Gall in der Hauptpost.

Die Übernahme des «Concerto» sieht Blätter als Gelegenheit für den Verein, «den Standort St. Gallen zu stärken». Von einer gezielten Expansionsstrategie in der Stadt will er jedoch nichts wissen. «Wenn sich neue Möglichkeiten ergeben, prüfen wir sie. Die Gegebenheiten müssen stimmen», sagt Tanja Geiger.

Das war im «Concerto» der Fall. Zur Führung des Restaurants gehören auch die Betreuung der Theaterkantine und die Pausengastronomie in der Tonhalle und im Theater. «Für uns ist klar: Die Kulturinstitutionen sind unsere ersten internen Kunden, wir sind Dienstleister», sagt Blättler. Geschäftsführer vor Ort werden Ruth und Gabriel Frick sein, die bereits jetzt in Wert-Voll-Betrieben tätig sind.

Enormes Potenzial dank Tonhalle und Theater

Kernpunkt des Konzepts ist es deshalb, Restaurant- und Kulturbetrieb eng aneinanderzubinden. Nicht nur die Öffnungszeiten, sondern auch das kulinarische Angebot soll auf den Spielplan ausgerichtet sein. «Wir wollen als Einheit wahrgenommen werden», sagt Blättler. Bauliche Änderungen gibt es in der Küche, im Lokal selber werde es punktuelle Aufhellungen geben und «andere Akzente in der Tischkultur».

Letztlich aber seien es ­Menschen, sei es das Personal, das das Ambiente schaffe, sagt Tanja Geiger. Neu positionieren müsse man so ein Lokal nicht, ein Potenzial von 150'000 Theater- und Konzertbesuchern sei da, ­findet Blättler. «Wir müssen einfach einen guten Job machen.» Bleiben wird auch der Name «Concerto». «Das ist eine Ins­titution in der Stadt, ihn zu ändern wäre Unsinn», sagt Tanja Geiger.