REPTILIEN: Exoten im Eselschwanz

Eine Leserin hat im Naturschutzgebiet Eselschwanz exotische Schildkröten entdeckt. Wie sehr fremde Arten den Einheimischen schaden, sind sich Experten uneinig.

Lisa Wickart
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Diese Schildkröte gehört eigentlich nicht in den Alten Rhein. (Bild: Katharina Linsi)

Diese Schildkröte gehört eigentlich nicht in den Alten Rhein. (Bild: Katharina Linsi)

Lisa Wickart

lisa.wickart@tagblatt.ch

«Ich habe sie im Eselschwanz bei Rheineck entdeckt», sagt Katharina Linsi. Die Leserin spricht über das Bild, welches sie dem Tagblatt zukommen lassen hat. Darauf zu sehen ist eine über 30 Zentimeter grosse Schildkröte mit gelben Streifen im Gesicht. Linsi vermutet, dass das Tier ausgesetzt wurde, heimisch sei es nicht. Sie habe sogar schon ein weiteres Exemplar gesehen. Stefan Kundert von der Schildkröten-Interessengemeinschaft Schweiz bestätigt die Vermutung der Leserin: «Es handelt sich um eine Gelbwangen-Schmuckschildkröte, die entweder ausgesetzt oder entlaufen ist.» In freier Wildbahn ist das Tier normalerweise in ruhigen Gewässern der USA zwischen Südost-Virginia und dem nördlichen Florida anzutreffen. In der Schweiz sind die Schildkröten beliebte Haustiere aus dem Zoogeschäft. Im Winter halten die Tiere Winterstarre. In ihrem ursprünglichen Lebensraum in Nordamerika erleben sie einen milderen Winter als hier. Auszumachen scheint es ihnen bis jetzt nicht viel: «Wenn es um Temperaturen geht, sind Schildkröten tatsächlich etwas anpassungs­fähig», sagt Kundert.

Dass exotische Tiere ausgesetzt werden, ist keine Seltenheit: «Insbesondere exotische Repti­lien werden immer wieder gesichtet», sagt Jonas Barandun, wissenschaftlicher Mitarbeiter des ­Naturmuseums St. Gallen. Dies geschehe jedoch nicht immer ­bewusst. Vor allem Schildkröten schafften es oft, sich davonzuschleichen. Fortpflanzen können sich Schmuckschildkröten hier nicht. Die Sonneneinstrahlung und die Umgebungstemperaturen unseres Klimas genügen nicht zur Ausbrütung der Eier.

Die Verbreitung von exotischen Reptilien birgt ein Risiko: «Die Tiere können einheimische Arten mit Krankheiten anstecken», sagt Barandun. Wie sehr die Exoten der heimischen Flora und Fauna schaden können, ist umstritten. Einzelne Tiere in ­Gewässern seien jedoch kein Problem. «Wenn die Tiere jedoch gegenüber Menschen eine Gefahr darstellen, müssen sie eingefangen werden.» Als Beispiel nennt der Biologe den Fall einer Schnappschildkröte in einer Badi. Schmuckschildkröten dagegen seien ungefährlich. Wie lange die Exemplare im Eselschwanz noch zu sehen sind, ist unklar: «Sobald ein harter Winter mit starkem Frost auftritt, sehen die Über­lebenschancen schlecht aus.»