Rentabilität ist schwierig abschätzbar

Mit knapp 16 Millionen Franken soll Gossau den flächendeckenden Ausbau eines Glasfasernetzes mitfinanzieren. Glasfaser ist unbestritten eine zukunftsorientierte Technologie. Doch ist es Aufgabe der Stadt, ein solches Netz zu finanzieren?

Désirée Baldegger, Eichenhof, 9200 Gossau
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Mit knapp 16 Millionen Franken soll Gossau den flächendeckenden Ausbau eines Glasfasernetzes mitfinanzieren. Glasfaser ist unbestritten eine zukunftsorientierte Technologie. Doch ist es Aufgabe der Stadt, ein solches Netz zu finanzieren?

Zwar wird das Projekt über die Investitionsrechnung der Stadtwerke abgewickelt. Im Energieboten wird auch geworben, dass sich der Glasfaser-Ausbau nicht (senkend) auf den Steuerfuss auswirkt. Diese unklare Aussage beweist: Die Rentabilität dieser Investition ist schwierig abzuschätzen. Man weiss nicht, wie viele Gossauer dieses Netz auch nutzen werden und es rentabel machen könnten. Dieses Risiko trägt letztlich immer die Stadt Gossau und somit die Gossauer Bevölkerung.

Der Ausbau der Glasfasernetze wird jetzt schon schweizweit vorangetrieben von Swisscom, Cablecom und Co. Es ist also nicht Sache der Stadt, Millionen in die Positionierung dieser Technologie zu investieren. Ich stimme deshalb Nein zum 16-Millionen-Kredit für dieses Luxusprojekt.

Ein Netz, das allen nützt

Als Mitglied des Stadtparlaments befasse ich mich schon seit längerem mit dem Thema Glasfasernetz. In der parlamentarischen Diskussion hat sich rasch gezeigt, dass niemand ernsthaft die Vorteile und Notwendigkeit eines Glasfasernetzes für Gossau in Zweifel zieht. Meinungsverschiedenheiten gibt es nur in der Frage, wer dieses Netz bauen soll: Private oder die Gossauer Stadtwerke. Bei der Beantwortung dieser Frage orientiere ich mich am Gemeinwohl und am Gemeinnutzen. Wenn wir das Glasfaserfeld den Privaten überlassen, bauen diese nur dort, wo für sie ein Gewinn möglich ist. Im schlechtesten Fall werden sogar mehrere Parallelnetze gebaut – allerdings nur im Zentrum. Die Aussengebiete von Gossau gehen dabei zwangsläufig leer aus. Zudem bringen Private die Glasfaser nur bis zur Strasse. Die Erschliessung des Hauses bleibt dem Besitzer überlassen. Da ist für mich rasch klar, dass der Bau durch die Stadtwerke praktisch nur Vorteile hat. Es wird nur ein Netz gebaut, das allen Anbietern offen steht. Der Wettbewerb findet so über das Dienstleistungsangebot statt und nicht im Leitungsbau. Die Glasfaser wird bis ins Haus geführt, und das gemäss Erschliessungsplan in jede Liegenschaft der grossflächigen Stadt Gossau. Unter dem Strich profitieren alle Privaten und Firmen von einem zusätzlichen Infrastrukturangebot der Stadtwerke. Und was es auch zu bedenken gilt: Der Bau des Glasfasernetzes belastet die Rechnung der Stadt Gossau und damit den Steuerzahler nicht. Die Stadtwerke finanzieren das Netz und bewirtschaften es ertragbringend. Die Kosten tragen im Endeffekt die Anbieter, die sich auf dem Netz einmieten. Alles in allem: Ich sage «glasklar Ja» zur Glasfasernetz-Vorlage.

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