Rennen gegen Folter

Sandra Würmli will beweisen, dass auch eine Kantonsschülerin etwas gegen unwürdige Zustände in Guantánamo erwirken kann. Deshalb hat sie als Maturaarbeit einen Spendenlauf organisiert. Er findet am Samstag im Stadtpark statt.

Kathrin Reimann
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Sandra Würmli hat im Stadtpark einen Spendenlauf gegen Folter organisiert. Der Lauf ist Teil ihrer Maturaarbeit. (Bild: Ralph Ribi)

Sandra Würmli hat im Stadtpark einen Spendenlauf gegen Folter organisiert. Der Lauf ist Teil ihrer Maturaarbeit. (Bild: Ralph Ribi)

Was hierzulande undenkbar wäre, ist andernorts normal: Folter. Etwa um eine Aussage, ein Geständnis oder eine Information von jemandem zu erwirken. Bekanntes Beispiel ist das Gefangenenlager Guantánamo, wo die Verhörmethoden von Schlägen über Schlafentzug bis zu Einsperren in Kältezellen reichen. «Der Befehl kommt meistens von ganz oben. Daher ist er schwer an diesen Dingen etwas zu ändern», sagt die 17jährige Schülerin der Kantonsschule am Burggraben. Um aber genau das Gegenteil zu beweisen, hat sie als Teil ihrer Maturaarbeit einen Spendenlauf im Stadtpark organisiert. Dieser läuft unter dem Namen «Run Against Torture» und findet übermorgen statt. Würmli hat ihn im Rahmen ihrer Maturaarbeit organisiert. Diese handelt vom Thema Eventmanagement und besteht aus einem praktischen sowie einem theoretischen Teil.

Auch kein Geld ist okay

«Ich interessiere mich sehr für Menschenrechte und könnte mir vorstellen, etwas in diesem Bereich zu studieren», sagt Würmli. Deshalb wollte sie zuerst eine Arbeit über Frauenrecht schreiben. Doch als sie mit der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) Kontakt aufnimmt, teilen ihr die Verantwortlichen mit, dass im Moment keine entsprechende Kampagne laufen würde. Würmli lässt sich auf das ihr vorgeschlagene Thema Folter ein. «Amnesty International war von Anfang an begeistert von meinem Projekt», sagt Würmli. AI hätte deshalb auch alle Kosten übernommen, die beispielsweise für die Getränke oder den Druck der Flyer angefallen waren. Die Schülerin durfte auch mit mehreren Aktivisten der Organisation sprechen und erfuhr, wie diese mit Verträgen versuchen Folteropfer aus ihrer Lage zu befreien oder die Schliessung von Guantánamo zu erwirken. «Ausserdem hat mir Amnesty International zugesichert, dass es auch in Ordnung ist, wenn mein Spendenlauf kein Geld einbringt.»

So begeistert die Kantischülerin aus Degersheim von der Menschenrechtsorganisation ist, umso enttäuschter ist sie von anderen Angefragten. «Praktisch alle Firmen, die ich um ein Sponsoring, um kleine Preise oder Snacks und Getränke gebeten habe, gaben mir keine Antwort. Nicht einmal ein Nein.» Trotzdem hat sie es geschafft, für jeden Teilnehmer einen kleinen Preis sowie Snacks und Getränke zu organisieren. Ausserdem wird am Samstag Amnesty International mit einem Informationsstand zugegen sein. «Ich konnte meine Nachbarn motivieren, für den Lauf zu backen und Desserts für die Teilnehmer herzustellen.» Mittlerweile haben sich 50 Spendenläufer angemeldet. Sandra Würmli würde sich über weitere sehr freuen. «Um 13.30 Uhr laufen die Kinder.» Deren Runde ist 500 Meter lang und die Teilnehmer haben 30 Minuten Zeit zur Verfügung. «Der Lauf der Erwachsenen findet um 15 Uhr statt. Er dauert 45 Minuten und eine Runde beträgt 800 Meter.»

Motivieren wichtiger als Geld

Jeweils eine Viertelstunde vor dem Lauf findet ein gemeinsames, freiwilliges Aufwärmen statt. Jeder Läufer bekommt nach der Anmeldung ein Sponsorenformular. Danach können Bekannte oder Firmen angefragt werden, ob sie den Läufer unterstützen wollen. Die Unterstützung kann als Fixbetrag oder in Franken pro gelaufene Runde erfolgen. Spontane Läufer können am Samstag auch ohne Anmeldung mitmachen.

Ein finanzielles Ziel hat sich Kantonsschülerin Sandra Würmli für den Folter-Stop-Lauf nicht gesetzt: «Ich will vor allem zeigen, dass auch eine Schülerin etwas gegen Ungerechtigkeit machen kann. Und ich will andere motivieren, es mir gleichzutun.»

www.mein-spendenlauf.ch