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RELIKTE: Ein Bolzen muss reichen

Der Stadtrat bleibt dabei: Er will die archäologischen Funde unter dem Gallusplatz nicht ans Tageslicht holen. Ein Bolzen und Infotafeln sollen an die Klosterreste erinnern.
Vor der Neupflästerung verschwinden die Funde zur frühen Kloster- und Stadtgeschichte gut eingepackt für allfällige spätere Untersuchungen wieder unter dem Gallusplatz. (Bild: Urs Bucher (21. November 2011))

Vor der Neupflästerung verschwinden die Funde zur frühen Kloster- und Stadtgeschichte gut eingepackt für allfällige spätere Untersuchungen wieder unter dem Gallusplatz. (Bild: Urs Bucher (21. November 2011))

Die südwestliche Altstadt gilt als Ursprungsort der Stadt St. Gallen. Ausgrabungen bei der Neugestaltung von Plätzen und Gassen haben in der ganzen südlichen Altstadt von 2009 bis 2012 Funde zur frühen Kloster- und Stadtgeschichte zutage gefördert. Höhepunkt war die Bergung eines ­Sarkophags mit den Überresten eines darin bestatteten Mannes auf dem Klosterplatz. Er ist jetzt Mittelpunkt der archäologischen Dauerausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum.

Interessante Funde gab’s aber überall in der südlichen Altstadt, auch unter dem Gallusplatz. 1,5 Meter unter dem Platzniveau stiessen die Fachleute überraschend auf die Fundamente eines Rundturms. Die Spuren dieses Gebäudes aus den Anfangstagen der Gallusstadt sind allerdings nur teilweise erhalten. Sie waren durch Grabarbeiten in früheren Jahrzehnten, die nicht archäologisch begleitet waren, teilweise verwischt worden.

Stadtrat beantwortet historischen Vorstoss

In der Stadtpolitik lösten die archäologischen Funde Begeisterung und Vorstösse aus. Eine Frage war zentral: Könnten die frühen Spuren von Kloster und Stadt als Attraktionen für Einheimische und Touristen nicht irgendwie sichtbar gemacht werden? Die Fachleute und der Stadtrat zeigten sich in der Diskussion skeptisch: Erstere befürchteten Schäden an historischen Relikten durch bauliche Massnahmen, Letzterer befürchtete dadurch hohe Kosten.

Die Stadtparlamentarier Martin Würmli, Stefan Rosenblum und Beat Rütsche wollten den Stadtrat per Motion verpflichten, tätig zu werden. Ihnen schwebte vor, die Ausgrabungen am Gallusplatz «mittels einer Durchblick schaffenden Glasfläche ins Stadtbild einzubetten». Den Vorstoss reichten die CVPler am 22. November 2011 ein. Das Parlament machte am 24. Januar 2012 aus der Motion ein weniger verbindliches Postulat. Würmli trat Ende Mai 2014, Rosenblum Ende Juli 2014 aus dem Stadtparlament zurück. Mit Datum vom 21. März 2017 hat der Stadtrat jetzt die im Postulat gestellten Fragen beantwortet. Der Bericht ist mit dreieinhalb Seiten etwas dünn ausgefallen. Und trotz der Bearbeitungszeit von fünf Jahren enthält er nichts wirklich Neues.

Präsentation wie in Rom ist nicht möglich

Der Stadtrat bleibt dabei: Er will darauf verzichten, die archäo­logischen Funde vom Gallusplatz unter Glas zu präsentieren. Eine solche Lösung sei technisch anspruchsvoll, ästhetisch auf dem offenen Platz problematisch, koste 500000 bis 600000 Franken und verursache hohe Betriebskosten, heisst es im Postulatsbericht. Eine Lösung unter freiem Himmel wie etwa in Rom kommt für Stadtrat und Fachleute nicht in Frage: Einmal sprechen Sicherheitsüberlegungen dagegen. Anderseits würde die Witterung die Funde mit den Jahren vernichten.

Eine andere Idee war 2011, das Fundament des Rundturms in der Pflästerung des Platzes sichtbar zu machen. Das wäre ­gemäss stadträtlichen Abklärungen theoretisch möglich, aber aufwendig. Die dafür nötige ­Neupflästerung würde gemäss ersten Abklärungen 25000 bis 30000 Franken kosten.

Der Stadtrat will die historischen Funde aber ins Gedächtnis von Bevölkerung und Touristen rücken. Dafür schlägt er vor, das Zentrum des ehemaligen Rundturms unter dem Gallusplatz mit einem Messingbolzen (Durchmesser 15 Zentimeter) zu markieren. Eine auf dem Platz stehende Infotafel soll textlich ergänzt und mit mehr Bildmaterial garniert werden. Insbesondere soll auf Internetseiten auf die Ausgrabungen aufmerksam gemacht werden. Kostenpunkt dieser Aktion: 3000 bis 5000 Franken.

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