Religionsunterricht gehört zur Schule

ST.GALLEN. Die Kirchenleitungen der katholischen und der reformierten Kirchen des Kantons St. Gallen sind für die Beibehaltung der beiden Lektionen Religionsunterricht auf der Primarschulstufe.

Andreas Ackermann
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ST. GALLEN. «Wir stehen hinter den beiden Lektionen Religionsunterricht auf der Primarstufe. Das möchte ich doppelt unterstreichen», sagt Hans Wüst, Präsident des Administrationsrates des katholischen Konfessionsteils des Kantons St. Gallen. Mit seinem Votum für den Religionsunterricht beim alljährlich stattfindenden Treffen der katholischen und reformierten Kirchenleitungen des Kantons bringt Wüst die Haltung beider Kirchen auf den Punkt.

Kirchen und Kanton profitieren

Weil die Landeskirchen auf der Oberstufe ab Sommer 2012 nur noch eine Lektion Religion erteilen, sei bei Lehrpersonen und Eltern Unsicherheit entstanden, ob diese Kürzung bald auch auf der Primarstufe anstehe, erklärt Martin Schmidt, als Kirchenrat der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen zuständig für den Religionsunterricht.

Davon könne aber keine Rede sein. «In Gesprächen zwischen dem Bildungsdepartement und den Kirchen haben beide Seiten bestätigt, an den zwei Lektionen festhalten zu wollen.» Die Kooperation zwischen Kirchen und Kanton sei für beide Seiten ein Gewinn, ist Schmidt überzeugt. Die Kirchen profitieren, weil der Religionsunterricht im Rahmen des ordentlichen Schulunterrichtes stattfinden kann. Der Kanton profitiert, weil die Kirchen den Unterricht bestreiten und bezahlen.

Wichtig sei jedoch, dass auch für jene Schülerinnen und Schüler, die nicht in den Religionsunterricht der Landeskirchen gehen, ebenfalls ein Angebot – etwa Ethikunterricht – bestehe, sagt Schmidt.

Wächterfunktion der Kirchen

Neben dem Religionsunterricht standen beim Austausch der Kirchenleitungen Fragen rund um das Flüchtlings- und Asylwesen, das Gallusjubiläum sowie eine gemeinsame Öffentlichkeitskampagne für das Jahr 2013 im Zentrum. Im Bereich Asyl komme den Kirchen eine Wächterfunktion zu, sagt Franz Kreissl, Leiter Pastoralamt des Bistums St. Gallen. Umso mehr, als in den vergangenen Jahren das Ausländerrecht zusehends verschärft wurde. Um die kirchliche Flüchtlingsarbeit zu koordinieren, trifft sich seit 2010 die ökumenische Kommission für Asyl- und Flüchtlingsfragen. Innerhalb dieses Austausches hätten sie festgestellt, dass es wichtig sei, die Kirchgemeinden im Umgang mit Asylbewerbern zu befähigen, sagt Heinz Fäh, als reformierter Kirchenrat zuständig für Mission, Ökumene und Entwicklungszusammenarbeit.